Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1871)
- Date
- 1871-03-28
- Page
- Seite 258 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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rcn Tcmpelnhr, eines vorzüglichen amerikanischen Werkes, zu bemächtigen imb wickelte diese Uhr in die Vorgefundenen seidenen Tcmpelgewänder. Dabei muß er indcß gestört worden sein, denn er hatte die Uhr, die auf 1-2*4 stehen geblieben, im Stich gelassen. Die Spuren seines Verbrechens gaben Blutflecken, da er sich wahrscheinlich die Hand zerschnitten hatte. An dem vorhandenen Gotteskasten hatte er vergebliche Künste gezeigt. Frankreich. Paris, 19. März.*) In dem Artikel der Fresse isra<*lite „das israelitische Leben während der Belagerung von Paris" is. Nr. 12 d. Z.) heißt eS weiter: „Glücklich waren noch Diejenigen, welche, nachdem sie fünf Stunden oder noch länger gewartet hatten, nachdem sie gedrängt, geschoben, gedrückt worden, eine magere Nation erhielten! Me viele fromme Israeliten waren schon vor dieser Organisation dessen beraubt und haben selbst den Tag vor oder nach dem Fasten des Jom-Kippur kein Fleisch gehabt! Me viel Nationalgardisten, welche ihre Bitte um Urlaub für den Bcrsvhnnngstag nicht rechtzeitig eingereicht, waren in der traurigen Nothwendigkeit, den Abend des Kol Nidrc ans den Wällen znznbringen, sich gewissenhaft jeder Stärkung enthaltend. Wenige Wochen darauf war jedes koschere Fleisch abgeschasst. Ach, wie Viele haben Krankheiten und. den Tod erlitten, um nicht treife zu essen. — Andere wurden von einer anderen Noth hart betroffen: kein Esrog, kein Lulaf konnte nach Paris hinciilkommen, und das Sukkothfest mußte ohne die Feier dieser Ecremonie vornbergehen. Unter- Anderem waren diejenigen, welche die Gewohnheit hatten, sich eine Laubhütte in ihrem Hatlse zu bauen labgesehen von der, welche im Trauungssaal des Eonsistorialtcnipels errichtet war) dieser süßen Gewohn- *) Auch das Univers isradlite ist uns zngekommcn. Wir wissen aber nicht, wodurch wir diese Ehre seitens des Herrn S. Bloch verdient haben. Wir haben mit Jesuiten nichts gemein, seien diese christliche oder jüdische. Es gehört übrigens genau in daö religiöse System dieser Leute, statt Frieden und Aussöhnung zn predigen, den schon so hoch gestiegenen Deutschenhaß in Frankreich zu schüren und durch Verleumdung und Beschimpfung die falsche Beurthcilung der Deutschen seitens der Franzosen zn nähren. Redatt. ' heit beraubt, und zwar durch einen richtigen Taet für das allgemeine Gefühl, welches durch diese Freudenbezeugung sich verletzt gefühlt haben könnte. Mitten unter diesen traurigen Umständen waren die Frommen, welche denr Gottesdienst im großen Tempel anwohnten, von der Abwesenheit der Choristen sehr betroffen: da diese fast alle Detitsche waren, so hatten sie Paris verlassen müssen. Jedoch sagen wir es mit Befriedigung zur Ehre des Dirigenten des Tempelgesanges, daß der Chor, obgleich durch diesen Ausfall inagerer getvordeu, ausreichend war, weil die Kinder jetzt richtiger und besser zusammen sangen als sonst: dies tröstete uns über die Abwesenheit der Solisten und man fragte sich, ob man sie nicht immer entbehren könnte? —. Dasselbe Blatt erzählt aus Versailles: „Als die 15. Brigade der preußischen Eavallerie in Versailles einzog, ergaben sich ztvölf Hundert Moblos nach einem schwacheit Widerstande. Nur ein Offlcier : und fünfzig Mann ungefähr vcrthcidigten sich tapfer und verschanzten sich in der Syitagoge, welche am Ende des Boulevard Eugen ie liegt. Nachdem sie die Thüren verbarricadirt, schossen sie aus den Fenstern. Nach einem Kampfe von einer halben Stunde gelang es den Preußen, in den Tempel cinzudringen. Die Moblos wichen kämpfend Schritt für Schritt zurück, bis sie zu der heiligen Lade kamen. Durch das Gewehrseucr wurden die reich verzierten Thüren dieses Schreines in Stücke geschossen und der französische Osficicr mit einigen Soldaten wichen bis zu dem äußersten Theile der Lade. Ter Officier fiel, von vier Kugeln durchbohrt, neben der h. Lade nieder. —. Von vielen einzelnen Vorkommnissen können wir hier nicht im Detail berichten. Mehrere Israeliten haben sich während der Belagerung durch Tapferkeit ausgezeichnet, avancirtcn zu höheren militärischen Rangstufen und erhielten die Ehrenlegion; mehrere wurden verwundet, einige starben den Tod für das Vaterland. Ebenso wurde der ausgedehnte Antheil wohl bemerkt, welchen jüdische Damen an allen Anstalten für die Verwundeten und Hülfsbedürftigcn nahmen, und die begüterten Israeliten bewährten ihren Wohlthätigkeitssittn in rühmlichster Weise. Dennoch fehlte es auch an Schmähungen ans die Inden nicht,