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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-28 · Heft 13 (28.3.1871) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 13 (28.3.1871)
Date
1871-03-28
Page
Seite 257 (sequence 9)
Language
German
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257 Freitag und ihre Dankfeier am Samstag abgehalten hätten, sowie von ihnen zu erwarten gewesen wäre, die geeigneten Schritte zu thun, um den gegen uns gemachten Fehler wieder gut zu machen. Königsberg in Pr., 15. März. (Privatmitth.) Bon dem Antheile, den die deutschen Juden an dem eben vollendeten Kriege genommen, giebt uns ein kleines, ehrenvolles Bild die hiesige Gemeinde. Bon den 47 Männern, welche aus ihrer Mitte in das Heer eingetrcten, haben vier das eiserne Kreuz erhalten, nämlich Unterofficier Albert Bank, Unterofficier Robert Cohn, Feldwebel Carl Herzberg, Assistenzarzt Oe. Paul Oscar Michelsohn. 3 sind Secondclieuteuants, 2 Wachtmeister, 1 Sergeant, 5 Feldwebel, darunter 1 Officierdienstthuender, 5 Unterofsiciere. Zu bemerken ist noch, daß von diesen 47 elf nicht dienstpflichtig waren, sondern freiwillig eingetreten sind.*) Elbing, in: Marz. (Privatmitth.) Militärische Erfolge sind, wie die Geschichte aller Zeiten lehrt, für die freiheitliche politische Entwicklung der Völker eine gefährliche Klippe. Meistens haben sie eine verfolgungssüchtige Reaction im Gefolge. Auch wir können uns der Befürchtung nicht entschlagen, daß der Lohn für die jüngsten ruhmreichen Thaten unsers Volkes mehr eine neue Auflage des Absolutismus als die Begründung des Rechtsstaats sein wird. Erlasse wie der des Oberkirchenraths, Reden wie die von Senfft- Pilsach und Kleist-Retzow im Hcrrenhause bereiten würdig darauf vor. Gleichwohl hegen wir zu dem gesunden Sinne des deutschen Volkes das Vertrauen, daß es die Fesseln wie gegen den äußern Feind so auch gegen den innern brechen und der Reaction keine dauernde Stätte bei uns gestatten wird. Einzelne Anzeichen sprechen schon jetzt dafür, daß der Oberkirchcnrath und Herr v. Mühler nicht allmächtig sind. Sie erinnern sich, daß cs eines fast siebenjährigen Krieges unsrer Commune gegen Regierung, Oberpräsidenten und Cultusminister bedurfte, und daß das Abgeordnetenhaus in zwei Legislaturperioden erst mit aller Energie eintretcn mußte, che cs gelang, nnsern Mitbürger Herrn Dr. Jacobi in das Amt eines Vor- *) Die Wichtigkeit dieser Mittheilung ist aus dem Namensverzeichniß zu ersehen, welches wir vom verehrlichen Vorstande erhalten haben. Redact. stehers an der hiesigen höher» Töchterschule einzuführen. Für den beabsichtigten Eingriff in ihre Rechte revanchirte sich im August v. I. die Stadtverordnetenversammlung durch die Wahl des Herrn Dr. Jacobi in die Stadtschuldeputation. Handelte es sich beider Wahl zum Vorsteher der höhern Töchterschule nur um äußere Verwaltungsmaßregeln, die Reparaturen am Gebäude, Cassenführung rc., so bedingte die letztere Wahl die Theilnahme eines Juden an den innern Angelegenheiten der Schule, und zwar, da hier keine jüdische confessionelle Schule existirt, der christlichen, also um die Wahl der Lehrer, der Festsetzung des Stundenplans, Jnspection der Schule rc. Bei der Wahl zur Stadtschuldeputation steht der Negierung ein wirkliches Bcstätigungsrecht der gewählten Mitglieder zu. Man erwartete hier noch die bisher vertretene Richtung der Königl. Regierung zu Danzig, um so mehr die Nichtbestätigung des Herrn Do. Jacobi, als bereits 6 Monate seit der Wahl verflossen waren, und die Regierung im Aufträge des Ministers noch am 27. März 1868 ihre Nachgiebigkeit bei der Bestätigung des Hrn. De. Jacobi zum Vorsteher an der höhern Töchterschule damit motivirte, „daß die dein Vorstand zugewiesenen Functionen (äußere Angelegenheiten der Schule) an und für sich die Theilnahme eines jüdischen Mitgliedes an demselben nicht unzulässig erscheinen lassen." Zu großer Uebcrraschung und ebenso großer Genugthuung eines großen Theites der hiesigen Bürger und der städtischen Behörden langte nichts destoweniger vor einigen Tagen die Bestätigung des Herrn Dr. Jacobi zum Mitglied der Stadtschuldeputation hier an. Herr Dr. Jacobi ist der erste Jude, der in Elbing in die sogenannte Deputation gewählt ist. Diese Bestätigung durch die Königs. Regierung zu Danzig invol» virt nicht nur einen Sieg der communalen Selbstverwaltung, sondern auch einen wenn auch kleinen Sieg des Judcnthums. Hamburg, 28. Februar. In vorletzter Nacht wurde in der hiesigen Synagoge ein frecher Einbruch verübt. Der Dieb, welcher durch eine eingedrückte Fensterscheibe in den Tentpel gelangt war, öffnete zunächst die Bundeslade und beraubte eine der Gesetzesrollen, die er herausriß, der zugehörigen silbernen Geräthschaften. Nachdem er alles, was nur einen Werth hatte, an sich genommen, sogar die vergoldeten Gasarme abgebrochen hatte, suchte er sich auch der kleine-

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