Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1871)
- Date
- 1871-03-28
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Pfaffenherrschaft gerichtet ist, alles Dies wird in der gemeinsten Weise verdammt und als niederträchtig verschrien. Vor Allem aber ist es ein grenzenloser Judenhaß, der sich darin Luft macht und der zu einer fixen Idee geworden. Ihnen ist die Wissenschaft jüdisch, die Literatur jüdisch, die Intelligenz jüdisch, die ganze Presse eine Judenpresse.*) Und nun schlägt man die Reden *) Zum Belege für dieses harte Urtheil wollen wir nur eine dieser Predigtskizzen Herstellen. In der Dominicanerkirche fastenpredigte gestern Abends Pater Brenner in folgender Weise: „Theuerste Zuhörer! Der Zweifel ist nicht das Kind des schlechten Lebens, das schlechte Leben vielmehr gebiert den Zweifel. Diese ungläubigen Zweifler dünken sich starke Geister zu sein, sie sind aber Knechte böser Leidenschaften, sie sind unwissende, total unwissende Menschen. Was, waS wissen sie. was lesen sie? David Strauß, Ernst Renan, Zeitungsklatsch und Romane. Schriften wahrhaft großer Geister, denen unser Triumph über die Synagoge, über die römische und hellenische Weisheit, über die Heidenweisheit zu verdanken ist, denen zu verdanken ist, daß Christus, welcher den Juden ein Aergerniß und eine Thorheit den Heiden, daß die Lehre vorn Kreuze siegte — diese Schriften wahrhaft großer Geister lesen sie nicht. Diese Tölpel, die .zwerghaften Geschöpfe, warum, warum treten sie nicht mit Motiven der Vernunft und Wissenschaft gegen den Niesen Kirche auf? Warum? Darum! Ihre Geistes- und Herzensarmuth ist notorisch erwiesen. (Schreiend und mit lebhafter Gesticulation:) Sollen diese verworfenen, niede rträchtigeu Un geheuer uns beweisen, daß der Heiland ein Gottmensch nicht sein konnte; sollen sie uns beweisen, daß die Welt von sich selbst entstehen mußte; sollen sie uns beweisen, daß der Katholicismus nicht unfehlbar sei; sollen sie uns beweisen, daß die heilige Dreieinigkeit gar nicht existiren könne. Theuerste Zuhörer! Nennt dieses „vom Schnapsdusel unzurechnungsfähig gemachte Gesindel" nicht einmal Zweifler. O! dieses Gesindel paßt für ein Narrenhaus. Zweifler, Zweifler zu sein — ist der schrecklichste Schimpf; wer sich damit brüstet, ist ein „gefährlicher Geck". Voltaire hat - ich bitte euch, theuerste Zuhörer, ein wenig aufmerksam zu sein — Voltaire hat gesagt, er würde als Fürst ungläubige Höflinge in seiner Nahe nicht dulden, ihnen nicht trauen. Voltaire selbst war eigentlich kein Zweifler, Votaire war innerlich gläubig; Voltaire, der schändliche Kerl, er kannte aber Leute seines Schlages, seines Gelichters, Voltaire durchblickte diejenigen, deren Seele der seinigen ähnelte. (Der Prediger bearbeitet die Brüstung der Kanzel mit Faustschlägen.) Hüte dich also, Kaiser, vor dieser höllischen Brut, hüte dich, kaiserliches Ministerium, stehe'stets auf der hohen Warte, verfolge die Ruchlosen, züchtige sie, peinige sie, martere des französischen Erzbischofs auf, aus einer Zeit, wo Frankreich in den Abgrund der Niederlage, der KriegSleiden versunken, wo ringsum die französischen Journale Deutschland mit Gift und Galle überschütten, wo in allen französischen Herzen der erbitterte Haß glüht, und nun lese man die Reden des französischen Erzbischofs. Wie?' ist dies nicht auch eine katholische Kanzel? Nicht auch ein katholischer PredigerStanden damals nicht ganz andere, wesentlichere Interessen auf dem Spiele? Und doch sind sie von den Manifestationen des deutschen Klerus wie durch ein Jahrtausend getrennt. Zunächst diese durchweg edle, bestirumte, correcte und feine Sprache, die der Fassungskraft der Menge angemessene und doch überall einer gebildeten Nation würdige Auodrucksweise. Vor Allem aber der Inhalt. Der Redner nimmt seinen Auögangspunct in dem Texte Spr. Sal. 1-1, 34: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, die Schande der Nationen ist Sünde." Indem er nun die Sünde nicht etwa blos von beschränkt kirchlichem Sinne aus als Unterlassung des Kirchcnbesuches, der Beichte, der Fasten u. dgl. versteht, sondern als das wirkliche Aufgeben aller Prisie, quäle sie, foltere sie, unterdrücke sie, vernichte sie, vertilge sie. ro-ro-rotte, rotte sie gänzlich aus. Diese Verkommenen hausten in Frankreich und Spanien, hausen in Oesterreich. <Jn drohendem Tone:) Oesterreich geht zu Grunde, wenn man dem Unfug nicht steuert. Die Fabrikanten der Judenpresse haben, den Affenpropheten, den Affen Vogt vergöttert, den gottlosen Betrüger, der in der Welt sich herumwalzt, der in Deutschland sich blamirt, Fiasco gemacht hat. Verachtung verdient Vogt, Verachtung verdienen die Juden, welche christlichen Cultns lästern; diese Juden sind nicht einnml Juden; desto mehr Verachtung, Verachtung, dreimal Verachtung verdienen Christen, die in öffentlichen Versammlungen, wo beim Biertrinken blöder Unsinn geschwätzt wird, ihren eigenen und ihrer Väter Glauben dem Spotte preisgeben Pfui! — Für seinen Glauben mannhaft einzustehen, zieint dem Manne, sonst ist man ... ich finde nicht einmal den Ausdruck dafür. Schön, schöner, am schönsten ist es, sich in die Bresche zu stellen, um das Interesse der göttlichen Wahrheit, der heiligen Religion, sowie vas Interesse der bedrohten Majestät unseres vielgeliebten Kaisers zu verfechten. Theuerste Zuhörer! Rüstet euch mit Glaubensstärke, gürtet die Lenden, ergreift gottesfürchtig das Schwert. Ihr werdet ste überwältigen; die Rotte Korah's wird begeisterten , für die Kirche entbustasmirten Schaaren nicht Stand Hallen. Die unbefleckte Jungfrau, die heilige Mutter Gottes wird eure Waffen, die Waffen der Tugend, segnen, unser wird der Sieg sein." 13*