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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-21 · Heft 12 (21.3.1871) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 12 (21.3.1871)
Date
1871-03-21
Page
Seite 239 (sequence 11)
Language
German
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m Baja, 20. 3cbr. (Privatmitth.) Unsere hiesige jüdische EnLtusgemeinde, ans ungefähr 400 Familien bestehend, zählt sowohl in numerischer Hinsicht, als auch in Rücksicht auf ihre Bildnngs- und Humanitätsanstalten, nächst Pest zu den bedeutendsten Ungarns. — Besonders zeichnet sie ein friedfertiger CsVift aus, der alle Mitglieder hier beseelt, so daß auch die Eongreßwirrcn unseren Gemeindesrieden nicht stören konnten; übrigens eonstituirte sie sich auf Basis der Eongrcßslatnwn. — Baja besitzt eine schöne Synagoge mit geregeltem Chorgottcsdienste, an dessen Spitze der lvackere Oberrabbiner, Herr Moses Raschör, und der allgemein beliebte brave Kantor Herr Jeremias Mandel steht; ferner eine reorganisirte sechsclassige jüdische Hauptschule, mit deren Leitung Herr Moritz Kilänyi, ein vielseitig gebildeter Mann und tüchtiger Pädagog, betraut wurde, der zugleich auch den Religionsunterricht für die israel. Zöglinge in den hiesigen Mittelschulen leistet. Wir versprechen uns für die Zutunft von diesem Manne ein recht erfreuliches Gedeihen unserer Schule. Ferner besitzt Baja außer den eigenen Schullocalitäten und einem schönen Dampfbade noch ein schönes gerämniges jüdisches Hospital, deren Gründer Herr Dr. Adolph Broer ist, ein rüstiger Greis, der sich seit einer langen Reihe von Fahren viele Verdienste um Gemeinde, Schule und Spital erworben und den die Gemeinde nächstens durch Ausstellung seines wohl getroffenen , in Oel gemalten Portraits in den Räumlichkeiten des Spitals zum ewigen Andenken anszuzeichnen gedenkt. Die Traueruachricht vom Hinscheiden unsers vielgeliebteit, hochgeachteten, und auch weit über die Gaue seines Vaterlandes hinaus rühmlichst bekannten Gelehrten, Redners uitd ung. Enltus- und Unterrichts- Ministers B. Joseph Götvö s hat besonders in den Gemütheru der jüdischen. Bevölleruitg, die betrübendsle niederschlagendste Wirkung hervorgebracht, und beeilte sich die hiesige Eultuogemeinde, if;m ein sie selbst ehrertdes, sowie den Verewigtell würdigendes Reglliem abhaltcn zu lassen. Im herrlich erleuchteten Tetnpel lvlirde ein Katafalk ausgestellt, und mit schönen passenden Trauer- und Sterbegesängen, von Herrn Eantor Mandel dirigirt, wurde die Tratierfeierlichkeit iit Gegenwart eines aus allen Kreisen unserer Bevölkerlmg bestehenden, dicht gedrängt alle Räume des Tempels füllenden Pubticnms eröffnet. Rach einer trefflichen zeitgemäßen deutschen Rede unsers Herrn Oberrabbiners M. Rascher bestieg unser Schnldirigent, Herr M. Kilönyi, die Kanzel, und hielt eine vortreffliche ergreifende, alle Zuhörer tief erschütternde ungarische Gedächtnißrede; den Schluß bildete wieder ein Tranergesang, und Alles verließ tief gerührt unfern Tempel. 8. K. Nachtrag. Mieöciö.co <Prvv. Posent, 8. März. Die „Pos. Ztg." erzählt: „Die erst am 4. d. M. hier bekannt gewordene Friedensfeier veranlaßt den hiesigen Kauf, mann Herrn Fuchs .jnn., seinen patriotischen Gefühlen dadurch Ausdruck zu geben, daß er eine an eine Stange gebundene Fackel schwang, einige freudige Hurrahs anSrufend. Diese Aeußernng veranlaßte in unserem Städtchen eine förmliche Revolution unter der hier fast allein vertretenen polnischen Bevölkerung. Der Bürger Joseph Barel kowski schleppte den F. am Halstuche würgend unter dem zustimmcnden Geheul einer aus I—100 Köpfeil zählenden Menge, von welcher der F. noch mit Stößen, Schlägen lind Schimpsworten. sowie dem Rufe: „Schlagt die Juden todt!" regalirt wurde, zum Bürgermeister. Dieser (ein Pole) fand die Handlungsweise des F. schon deshalb strafbar, weil er eine Siegesfeier nicht befohlen, und wies entschieden alle Borstellungen der Glaubensgenossen des F. zurück, diesen bis 0 Uhr Abends ins Verhör nehmend. Die Sache ist von der königlichen Staatsanwaltschaft in die Hand genommen. Paris, 12. März. Zum ersten Male kommt uns heute ein israelitisches Pariser Journal wieder zu, nämlich „la Presse i.sraelite“, in zwei Rrn. vom 24. Februar und 3. März. Wir werden aus demselben mittheilen, was es aus der vergangenen traurigen Zeit nachholt. Zunächst bringt es einen Artikel „das israelitische Leben während der Belagerung voll Paris," aus welchem wir folgende illteressante Schilderung miltheilen: „Wenn die Schwierigkeit, sich Lebensmittel zu verschaffen, schon für alle Bewohner groß war, so war sie für die frommen Beobachter der mosaischen Vorschriften oft unüberwindlich. Diese haben noch viel mehr gelitten als ihre anderen Mitbürger, und ihre Ansdauer in den Entbehrungen ist daher um so würdiger und belvunderungswerther. Der Pariser Jilde, welcher seinen religiösen Bvr- 12*

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