Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-21 · Heft 12 (21.3.1871) · p. Seite 240

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 12 (21.3.1871)
Date
1871-03-21
Page
Seite 240 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226811--29313-3252145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

240 schriften treu geblieben und so einen neuen Beweis seiner Anhänglichkeit an den Glauben unserer Vorfahren lieferte, hatte eine doppelte Pflicht zu erfüllen, die der bürgerlichen Nationalwache und die des Israeliten. Die Reihe unserer drei größten religiösen Feste, welche mit Simchat-Tora, Freudenfest, schließt, verlief unter dieser doppelten Pflichterfüllung. Die Mitglieder unserer Gemeinde, welche nur koscheres Fleisch essen — und ihre Zahl ist in Paris noch sehr bedeutend — mußten halbe Rächte unter Regenschauern und cisigenr Winde die Bertheilung der Eintrittsunmmern abwarten, um zu den nicht treifcuen Fleischerläden Zutritt zu erhalten. Die Regierung erkannte allerdings ihre Verpflichtung, das Fleisch nach unseren Gesetzen zurichten zu lassen; ja noch mehr, im vierten Arrondissement ließ der Bürgermeister Anschlagzettel bekannt machen, daß er zu diesem besonderen Zwecke nenn israel. Fleischlädcn bestimme. Aber in Folge der Centralisation der Schechita in einem einzigen Schlachthanse und durch alleinige Evneession mußten unsere Glaubensgenossen im Consistorialgebäude ihre Munieipalkarten mit Speeialkarten vertauschen und sich alle ihr Fleisch ans einem einzigen Laden holen; daraus entstand in den ersten Tagen eine unglaubliche Verwirrung, von Mitternacht an ein furchtbares Durcheinander von Hausfrauen. Die Menge war so zahlreich, daß bewaffnete Nätionalgardistcn darauf verzichteten sie in Zaum zu halten. Rur während des Sukkoth-Festes hatte sich die Zahl der israel. Fleischerläden auf ein Dutzend erhoben und war es ihrer Kundschaft gestattet, sich je nach den Quartiers, auf die verschiedenen Etablissements zu verthcilen. Aber dann wurde diese Zahl wieder verringert, oft fast aufgehoben und schließlich ganz abgeschasft. (Forts, folgt). In Algier sind Unruhen ausgebrochen, welche eine nicht unbedeutende Zahl unsrer Glaubensgenossen an Leben und Eigenthum hart betroffen haben. Viele Läden wurden geplündert und zerstört, viele Inden gemißhandelt. Es scheint, daß die Regierung, als sie im Anfänge des Krieges viele Regimenter aus Algerien gezogen, auch aus eingeborenen Inden provisorisch Bataillone gebildet, uild daß hierdurch Reibungen mit den Arabern eintraten. Ursachen wie Verlauf sind noch nicht aufgeklärt. Man schreibt: Die Verhaftungen in Algier in Folgen der Unruhen betrugen schon am 1. März Abend über 25,0; in einem Berichte vom 2. März waren schon über 500 genannt, lauter Araber. Verwundete waren, so viel ans den uns vorliegenden Berichten heroorgcht, ziemlich viele, in einer einzigen Ambulanz allein 20. Die Haupturheber waren die Barrani, d. h. die nicht in Algier ansässige, bewegliche Araberbcvölkerung, die sich in den arabischen Kaffeehäusern, Fonduks u. s. w. umhertreibt; der Ausbruch des Kampfes erfolgte bei einem Streite der jüdischen Tiraillenrs mit Barranis in der Rue d'Ily; der Muselman fand die Bewaffnung der Inden schon an sich anstößig und wollte sich von ihnen nichts gefallen lassen. Nach den Unruhen hat die Behörde das Bataillon der jüdischen Tiraillenrs aufgelöst, um den Rechtgläubigen keine iveitere Gelegenheit zum Fanatismus zu geben. Allerdings ist diese Maßregel kein Beiveis von Stärke, aber man Hilst sich, ivie man kann, bis man wieder hinreichende Truppen zur Verfügung hat. Anzeige». Lehrer-Vacanz bei der Gemeindeschule zu Aurich; Antritt l. Juni er.; Fixum 250 Thlr.; Rebeneinkommen durch Privatunterricht 50 Thaler «ohne Garantie«. Vewerbungsgesnche an den Israelit. Schulvorstand: __W. Samson. Die hiesige Gemeinde sucht zum 1. Mai oder später einen jungen Mann, der die Stelle als Lehrer, Vorbeter und Schächter übernimmt. Gehalt 180 bis 20o Thlr. nebst Heizung und möblirter Wohnung. Geeignete Bewerber wollen sich franco wenden an den Vorstand Bösingfeld «Lippe-Detm.) M. Frankcnstein. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht znm 1. Mai d. I. einen unverheiratheten zrrr, nr.vj und Religion s lehrer. Gehalt 3 So Thlr. Dänisch, oder 285 Thlr. Pr. ohne Nebeneinkünfte. Reflectanten wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse wenden an den israelitischen Gemeindevorstand in Friedericia (Dänemark), im März 1871. Für die am l. Juli l. I. vacant werdende Religionslehrer-. Synagogenvorbeter- und Sckächterstelle zu Limburg an der Lahn, wird ein hierzu qnalisicirtes Subject gesucht. Die fixe Besoldung ist jährlich 300 st., inveß daS Nebeneinkommen mindestens 100 fl. beträgt. M Auldn, Eultusvorsteher. Die Lehrer stelle an unserer Anstalt ist bereits besetzt. Dr. H. Recken dorf. Heidelberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.