Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1871)
- Date
- 1871-03-21
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
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237 Ocstcrm'chischungarische Monarchie. Wien, im März. Die Statuten des neu zu errichteudeu jüvischen Blindeninstituts haben soeben die Genehmigung der Behörde erhalten. Die günstige Witterung gestattet die baldige Inangriffnahme des ans der „Hohen Warte" aufzuführenden Baues. Der Bau ist dem Mannten Architecten Wilhelm Stiaßny übertragen, dem auch der monumentale, bereits weit fortgeschrittene Bau des Norhschild'fchen Spitals in Währing anvertraut ist. -Wir freuen uns des fortschreitenden Gelingens dieses segensreichen Unternehmens, selbstoerständlich am meisten um des Zweckes nullen, dann aber auch herzlich wegen der Befriedigung, welche der Urheber desselben, Herr Di-. V. A. Frankl, über diesen Erfolg seiner Bemühungen empfinden muß. Nedaction.) Pest, 6. März. tPrioatmitth.) Unser neuer Eultusminister, Dr. Panter, an dessen Ernennung sich freudige Hoffnungen und bange Befürchtungen knüpften, ist endlich mit seinem Programm herausgetretcn. Er hält die Glaubens- und Gewissensfreiheit für eins der heiligsten unveräußerlichsten Menschenrechte, die Autonomie der Eonfessionen für eine natürliche Consequenz derselben. „Indem ich das Recht der innern Selbstverwaltung den Religionsgenossenschasten zuerkennen und das Bevormundungssystem ganz und gar nicht in Schutz nehmen will, finde ich andererseits das Dberaussichtsrecht des Staates um so gerechtfertigter, als ja die Geltendmachung des Rechtsgedankens in seiner ganzen Ausdehnung zu den Aufgaben des Staates gehört, es daher sowohl ein Recht als auch eine Pflicht desselben ist, allezeit und aller Orten Recht zu üben. Mein Wahlspruch lautet daher: Dem Staate geben, was des Staates ist, den einzelnen Eonfessionen, was ihnen gebührt. Mein leitendes Priueip bezüglich der inneren Angelegetiyeiten der Religionsgenosseuschaft ist die Freiheit, bezüglich imfcvcr gegenseitigen Verhältnisse die Gleichheit, bezüglich des Verhältnisses zwischen dem Staate und den Glaubeusgenossenschafteu die Recht- und Gesetzmäßigkeit. Dieses Princip zur Geltung und durchschlagenden Wirksamkeit zu bringen, wird mein eifriges Bestreben sein." Die Orthodoxen werden über dieses Programm nicht sehr erbaut sein und haben bereits die Hoffnung aufgegeben, unter Pauler das zu. erreichen, was ihnen durch EötvöS genommen ist. Daß die orthodoxen Rabbiner Ungarns sich wieder einunck dem Kaiser vorgestellt und ihn flehentlich gebeten haben, in Wien kein Rabbinerseminar zu errichten, werden Sie von anderer Seite bereits erfahren habett. Diese Menschen schrecken vor nichts zurück — nächstens wird nun auch die Clique Lehmann-Hildesheimer ihre Deputation nach Wien schicken, um bei Sr. Majestät die Errichtung des Seminars zu hintertreiben; an Kühnheit fehlt es ihnen nicht. Pest, 8. März. Eultns - lind Unterrichtsminister Pauler gedenkt, wie man dem „Raplü" berichtest, demnächst die Vorstände jener israelitischen Gemeindebezirke zusammenzuberufen, die sich im Sinne der Eongreßstatuten bereits vollständig orgauisirt haben. Die Zusammenbcrufung geschieht zu dem Zwecke, daß die Bezirksvorstände — im Sinne der Congreßstatuten — die Ecntralorgane der autonomen Organisation wählen. — . Aus einem längeren Artikel des „Pester Lloyd" heben wir folgende Stelle hervor: „In allernächster Zeit, vermuthlich noch in dieser Woche, verhandelt der Petitionsausschuß des Abgeordnetenhauses das „Memorandtlm der israelitischen Eongreßcommission über die Statute!: und Beschlüsse des auf den 10. December 1808 einberufenen Eougresses der Israeliten in Ungarn intd Siebenbürgen, gerichtet an das hohe Abgeordnetenhaus des ungarischen Reichstages." Es ist dies die von uns bereits flüchtig erwähnte Brochüre, die nebst dem Texte des Memorandum 77 Beilagen und 34 Gutachten ausländischer Rabbinen enthält, und den Leser sowohl in die pragmatische Geschichte des Eougresses cinführt, als auch über das Wesen der Congreßstatuten aufklärt. Das Memorandum liefert die Belege dafür, daß es nicht der mn die Kirchenautonomie sonst sehr verdiente Minister Eötvös, sondern die Israeliten des Landes selbst waren, welche die Initiative zur Einberufung des Congresses ergriffet: haben; daß die diesbezügliche Anregung der Pester israel. Neligionsgemeinde zu Beginn des Jahres 1S67 von den übrigen maßgebenden israel.Cultusgen:ei!:dcn — selbst von den sogenannten „orthodoxen" — mit Beifall ausgenommen, und nur von einigen der Wunsch ausgesprochen wurde, ' 12