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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-21 · Heft 12 (21.3.1871) · p. Seite 236

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 12 (21.3.1871)
Date
1871-03-21
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
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klerikal und nicht katholisch. Denn der Kampf war durchaus kein politischer, selbst nicht ein confessioncller, sondern ein kirchlicher. Es standen sich die Infallibilisten nnd die Gegner des Unfehlbarkcitsdogmas. gegenüber, und die Ersteren siegten. Jedenfalls muß man aushören, über die politische Unreife des französischen Landvolks bei seinen Wahlen zu höhnen; denn dieselbe Unreife hat die deutsche Bolksmasse in diesen Gegenden trotz des Volksschulunterrichtes erwiesen, da sie sich von dem Klerus und dem Parteigeschrei von dessen Kanzeln leiten ließ. Man achte wohl darauf, daß hierbei nicht radicale Gegencandidaten, ja nur liberale ausgestellt wurden, sondern zumeist freiconservative Verwaltungs beamte; aber Preußen und Deutsche mußten vor den Römlingen zurückweichen. — 56 Mitglieder der ungefähr 100 Anhänger zählenden katholischen Partei des preußischen Abgeordnetenhauses haben an den deutschen Kaiser eine Petition gerichtet, die ziemlich unverblümt darauf hinausläuft, daß derselbe die Waffen nach dem Friedensschluß mit Frankreich nicht niederlegen, sondern sofort gegen Italien richten solle, um dem Papste den Kirchenstaat wieder zu erobern. Sie geriren sich dabei als Vertreter aller deutschen Katholiken, ja der ganzen Welt, während sie doch nur etwas über die Hälfte ihrer eignen Fraction zur Unterschrift bewegen konnten. Ihre Ungeduld nach dieser Restauration wird aber doch nicht sobald befriedigt werden! Minden, im März. (Privatmitth.) Der Landwehrlieutenant Wolfers aus Bickendorf bei Cöln, hat in Chaumont das eiserne Kreuz erhalten. Esens, im März. (Privatmitth.) Es ist in der That nicht zu verkennen, daß, kaum schöpft man nach dem glücklich beendigten schweren Kriege wieder etwas freier Athem, die religiösen Streitigkeiten, für welche Deutschland stets einen so üppig wuchernden Boden abgab, und die religiöse Intoleranz ihr Haupt wieder erheben und aller Orten sich Luft machen. In dem hier erscheinenden „Harlinger Blatt" Nr. 20 vom 1. März läßt sich in einem Artikel „die Macht des Ehristenthums" ein pietistischer Scribent folgendermaßen aus: „Wer die Muthmaßung ausspricht, daß eine kräftige Eiche aus einer Kartoffel gewachsen sei, der ist immer noch klüger, als der, welcher behauptet, das Ehristenthum mit seiner weltüberwindenden Kraft sei aus einer jüdischen Wurzel gewachsen." Eine Erwiderung blieb nicht aus. Sie zeigte die wirkliche oder fingirte Ignoranz des Verfassers jenes Artikels, da Jesus und die Apostel Juden waren, Jesus selbst sagt, er sei nur gekommen, die Lehre Mosis und der Propheten zu bestätigen, das Alte Testament noch heute von der Kirche als ihr Fundament erklärt wird, und die christlichen Lehrer und Prediger die Texte des Alten Testaments garnicht entbehren können. Dann zeigt sie, wie der Vers, durch das von ihm gewählte noble Bild sich selbst ins Angesicht schlägt. Denn sei auch die Eiche stattlicher an Aussehen, so hänge doch das Wohl vieler Millionen von dem Gedeihen der Kartoffel, nicht aber von dem der Eiche ab, die Frucht jener dient unzähligen Menschen zur Nahrung, die Frucht der Eiche aber einem sehr unsauberen Thiere. Wie lange wird noch in Deutschland der Weizen dieser pfäffischen Scribler blühen? Burgsteinfurt, 26. Febr. (Privatmitth.) Wir theilen Ihnen folgendes Rescript der k. Negierung zu Münster mit, welches wohl zum Theil ein allgemeines Interesse hat. Münster, den 1. Febr. 1871. Der Vorstand der dortigen jüdischen Elementarschule hat sich in der von Ew. Hochwohlgeboren unterm 28. November pr. vorgelegten Eingabe mit dem Gesuche an uns gewendet, es möge diese öffentliche Schule und zugleich die jüdische Privatschule in Rheine unter die Jnspection des Dircctors der hiesigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt Dr. Kroner gestellt, und die Demselben dafür zu gewährende Remuneration von jährlich 12 Thlrn. vom Beginn dieses Jahres an in den betreffenden Schulcassenetat ausgenommen werden. In Folge höhern Orts eingeholter Ermächtigung wollen wir diesem Gesuche nachgeben und die Aufsicht der beiden genannten Schulanstalten des Synagogenbezirks Burgsteinfurt von jetzt an dem Herrn Dr. Kroner übertragen, auch hierdurch genehmigen, daß die betreffende Remuneration mit jährlich 12 Thalern etatsmäßig festgestellt werde. Ew. Hochwohtgeboren wollen den Schulvorstand hiernach mit Bescheid versehen. Königl. Negierung, Abtheilung des Innern. An (gez.) v. Jaski. den Herrn Landrath v. Baffe Hochwohtgeboren zu Steinfurt.

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