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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-14 · Heft 11 (14.3.1871) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 11 (14.3.1871)
Date
1871-03-14
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 geworfen und besonders die Moral des Judenthums verbreitet zu haben, zuzuschreiben verstehen möchten, so wie daß jeder, auch noch so berechtigte volksthümliche Haß, sobald die Ursache aufgehört hat, in den folgenden Generationen verschwindet, wofür die Geschichte doch mehrere Beweise führt, und daß die objcctive Lehre des Judenthums sich 511 allen Zeiten gehütet hat, Haß gegen das Christenthum zu lehren, will man im Allgemeinen nicht anerkennen und sich nicht davon überzeugt halten. Dies ist es daher, was von Seiten der Juden immer wieder ausgesprochen unb erwiesen werden muß. Auch das Judenthmn hat 511 verschiedenen Zeiten eine Polemik gegen das Christenthum geführt; dies war ebenso natürlich wie unausweichlich. Aber sie ist niemals in das Gebiet der Gehässigkeit übergetreten, und vermied cs stets, Feindschaft und Verachtung auszustreuen und zum Ausdruck zu bringen. Dagegen ist es offenbar, daß es von Beginn an zu allen Zeiten unter den Vekenncrn des Christeitthums eine Partei gab, die es sich zur besonderen Aufgabe machte und macht, die es als ein wesentliches Interesse, ja als eine Pflicht ansah, Judenthum und Juden gehässig und verächtlich zu machen. Das Judenthum hat das Dasein des Christenthums nie als ein Hinderniß für sich, sondern stets nur als eine Vermittelung zwischen sich und der übrigen Menschheit, nie als ein widerwärtiges Moment für sich, sondern als ein Mittel- und Werkzeug seiner eigenen Lehre betrachtet. Die christlichen Theologen dagegen sahen und sehen das Dasein des Christenthums als ein Zeugniß gegen sie, als ein Hinderniß, als eine Verneinung, eine Opposition, einen Gegensatz an, und waren, wie die Geschichte genügend lehrt, in den Mitteln, es zu bekämpfen, ja möglichst auszurotten, nicht wählerisch. Dies ist das wirkliche Verhältnis;, und als einen Ausfluß dessen haben wir auch den Erlaß und die Maßnahme des Oberkirchenraths zu betrachten. Nun, die Zeit hat die feindseligen Mittel jener Partei bedeutend abgeschwächt, und so wird auch das vorliegende jüngste sich machtlos erweisen. — In der Pos. Ztg. hat Herr Dr. Noscnstock unter der Ueberschrift „Unkenruf" einen tüchtigen Artikel veröfferitlicht. Aus den oben angesührten Gründen hätten wir gewünscht, daß er mit des Verfassers Namen unterzeichnet gewesen wäre. — Herr B. Holländer in Leobschütz sendet uns einen warm geschriebenen Artikel zu, worin er besonders einen Ausspruch des Rabbi Isaak Arama aus Zamora in dem bekannten Werke pr-.^ rvrp? anführt. Allein wenn eine solche Beweisführung aus unserer Literatur angetreten werden sollte, müßte sic umfassend und allseitig geschehen und in einer Weise, daß sie in alle Kreise der Oeffentlichkeit dringe; in den unsrigen brauchen wir eine weitläusige Erörterung nicht. Bonn, 5.' März. lPrivatmitth.) So lveit bis heute Nachrichten hier eingelaufcn, wurden in den deutschen Reichstag Israeliten gewählt: in Mainz Dr. Ludwig Bamberger. In der Stadt selbst hat seine Partei die seines einflußreichen, von den mächtigsten Mitteln unterstützten Gegners, des Domcapitulars Moufang, um mehr als tausend, die der demokratisch-socialen Fraction um fast 1300 Stimmen überholt. In Frankfurt a. M. standen zwei Juden auf der Wahl, die HH. Sonnemann (Redacteur) und Baron v. Rothschild. Der Erstere erhielt die Majorität. Hamburg, 23. Febr. lPrivatmitth.) Es wird Sie freuen, zur Ergänzung Ihres Artikels über die Riesscrstiftung zu erfahren, daß auch hier ein Stipendienvcrein besteht, von dessen jetzigem Präses folgende Mittheiluugen herrührcn. Der Stipenbienverein für israel. Studirende in Hamburg besteht seit 1829, und unterstützt Angehörige des hamburgischcn Staates, die sich dem akademischen Studium widmen und sich durch ein amtliches Zeugniß über ihre genügende Vorbildung legitimiren. Die Größe der Stipendien betrug im Anfang mindestens 200 Akk. (80 Thlr. Pr.), gegenwärtig erhalten die Stipendiaten gewöhnlich 400 Mk. p. a., in einzelnen Fällen bis zu 600 Mk. Durch Legate und Rückzahlungen früher Unterstützter hat sich ein Fond angesammelt, der jetzt über 20,000 Mk. beträgt; die Zinsen dieses Capitals und die Beiträge von Contribuentcn geben die Mittel zur Verwendung für die Studirenden. Die Zahl der Unterstützten variirt jährlich zwischen drei und sechs, hat aber in einzelnen Jahren auch schon neun betragen: natürlich bestimmt sich nach diesen Zahlen die Größe der Stipendien. Für Promotionen in den Fächern, wo die Doctorwürde zum bürgerlichen Fortkommen unumgänglich ist (wozu in Hamburg bisher auch die Advocatur gehörte;, bewilligt der Verein mit Berücksichtigung der Verhältnisse bis zu dem vollen Belauf der 11

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