Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1871)
- Date
- 1871-03-14
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Kosten. In den Zwecken des Vereins liegt es auch, künftige Lehrer, die in Lchrerseminarien ihre Ausbildung erhalten, zu unterstützen: doch ist dies in neuerer Zeit nur selten in Anspruch genommen worden. Dagegen hat die Verwaltung cs angemessen befunden, in neuester Zeit einen Studirendcn, der ein polytechnisches Institut besucht, aber vorher MaturitätSzengniß für akademische Bildung erhalten hat, unter die Zahl der Stipendiaten auszunehmen. Oesterrcichischungarische Monarchie. Wien, 3. März. lPrivatmitth.) Der hiesige Verein „Wiener Bet ha-Midrasch" hat seinen RcchnnngS answeis für das Jahr 1870 veröffentlicht. Zur Eharaktcrisirung seiner Stellung heben wir Folgendes aus den einleitenden Worten hervor: „Das verflossene Berciussahr 1S70 hat durch die Förderung, welche unserem Bet Ha-Midrasch innerhalb desselben zu Theil geworden, von Neuem bewiesen, daß diese bescheidene Stätte der jüdischen Wissenschaft sich der wärmsten Sympathien aller derer in der hiesigen israelitischen Eultusgemeindc erfreut, welche für die Verbreitung und die Verallgemeinerung der wissenschaftlichen Seite des Judenthums durch Lehrverträge und eine dem Publicum zugängliche Bibliothek Herz und Sinn haben. Dies zeigen besonders die Schenkungen und Stiftungen, welche zum Besten unseres Vereines geinacht wurden." (Es wurden zusammen im Jahre 1870 1400 sl. gestiftet.) Ferner heißt es: „Wenn nur trotzdem eilt Dcsieit von 336 sl. 11 kr. im abgelaufencn Bercinsjahre auszuweisen haben, so rührt dies daher, daß die Einrichrnng, Ordnung und Eatalogisirnng unserer Bibliothek, welche gleichsam eine Hauptader unseres Vereinslebens bildet, größere Auslagen als in früheren Jahren veranlaßt. Wir geben uns aber der Hoffnung hin, daß unsere Einnahmen im nächsten Jahre zunchmcn werden, da die Thcilnahme an den Vorlesungen, welche in den Räumen des Bet ha-Midrasch über Bibel, Talmud, Midrasch, Religionsphilosophie, und Geschichte gehalten werden, mit jedem Jahre sich steigert und einer Schaar junger Männer Gelegenheit bietet, sich hier für das Lehramt in Israel vor.zuberciten und auszubilden." Der Verein, an dessen Spitze Herr vr. Jellinek steht, hatte für sein Vermögen es bis zu 18330 fl., für den laufenden Bedarf auf 2532 fl. gebracht, die Ausgaben waren 3803 fl. Es kann nur lebhaft der Wunsch rege sein, daß der Verein immer mehr an materiellen und geistigen Kräften wachse. AuL dem Tokaycrgcbirge, im Fcbr. lPrivatm.) Vor uns liegt der Bericht des kgl. ungarischen Unterrichtsministers an den Reichstag über den Zustand des Volksschulunterrichtswesens im Jahre 1870. Obwohl derselbe die Eonfcssionen als solche größtentheils ignorirt und in seinem Gesammtergcbniß die Bewohner des ungarischen Reiches ohne Unterschied der Consession ms Auge faßt, muß doch der aufmerksame Leser bei dem Umstande, daß 30 % der schulpflichtigen Jugend die öffentliche Schule besuchen, die Ursache dieser niedrigen Zahl theilweise in dem Bestand der Ehedarim suchen, die seit dem Jahre 1861 ganz besonders in Oberungarn blühen, theilweise aber auch darin, daß die Landbevölkerung ohne Unterschied der Confession die Rothwendigkeit einer öffentlichen Schule nicht einsieht. Der Umstand, daß die Negierung die Ueberwachnng der confessioncllen Schulen den Confessioncn überläßt und die Schulinspectorcn keinen directen Einfluß ans die Durchführung des Schulzwanges nehmen, macht unser Schulgesetz illusorisch und das ganze System höchst schleppend. Hierzu kömmt, daß die Negierung nur gar zu gern das jüdische Schulwesen ignorirt und selbst ein Eötvös bei Aufführung der confessionellen Präparandien in dem genannten Berichte die in Pest bestehende israelitische ignorirt. Wir haben das Vorgehen unseres Unterrichtsministeriums in diesen Blättern wiederholt gerügt, und daß wir uns leider nicht geirrt, beweist ein Concnrs neuesten Datunis dieses Ministeriums, wo zu lesen ist: „Da der Direewr reformirter Eonfession ist, so haben Bewerber römischer Confession den Vorzug." Also sind die Bewerber jüdischer und griechisch-katholischer Confession ausgeschlossen. Und dies Alles bei einer simultanen Lehranstalt. Wo bleibt da die Emancipation? der gerühmte Liberalismus des ungarischen Ministeriums? Möchten die hervorragenden Persönlichkeiten des ungarischen Israels diese winzig scheinenden Dinge nicht übersehen und dieses um so weniger, nachdem Eötvös, dieser große Geist, nicht mehr unter uns weilt, sein Nachfolger kaum liberaler sein dürste und