Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1871)
- Date
- 1871-03-14
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226810--29286-3252117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tholey 1× ep/1048137
OCR text
214 entgegen. Wir sagen überraschend, nicht etwa weil wir sie verschwunden glaubten, sondern weil wir nicht dachten, daß sie so bald, so während des Jubels über die Begründung des einheitlichen deutschen Reiches, so während des freudigen Dankgefühls für die sicher eröffneten Aussichten auf den Frieden sich bereits kundthun würden. Die Frage nun, was wir dagegen zu thun hätten, beantwortet sich in Folgendem: 1. Gehen wir unbeirrt in unserer Vaterlandsliebe, in der allseitigen, thatkräftigcn Theilnahme am Staats- und Volksleben, in der Vethätigung der Menschenliebe, des Gemeinsinns, der Wohlthätigkeit, immer vorwärts, daß unsere Thaten unsere Feinde Lügen strafen, denn das ist der beste und wirksamste Gegenbeweis; 2. Schließen wir uns aufrichtig auch ferner an die liberale Partei an, ohne dem extremen und utopistischen Radicalismus zu verfallen, denn diese Linie zu wandeln weist uns die innerste Lehre des Judenthums und das Wesen unserer Geschichte an; 3. Treten wir all den Versuchen und Angriffen unserer Feinde, Verleumder und Widersacher überall männlich entgegen und zeigen ihnen, daß wir, und mögen sie auf der socialen Leiter noch so hoch stehen, nicht gewillt sind, ihnen nachzugeben oder vor ihnen zu verstummen; 4. Streben wir mit aller Anstrengung und allem Rachdruck, auf legislatorischem Wege, jede Beschränkung zu beseitigen und die volle Gleichstellung für uns und unsere Religion zu erlangen; jeder Schritt hierin vorwärts macht unsere Feinde weniger gefährlich und drängt sie von Position zu Position zurück; werden wir nicht müde, und lassen uns von Mißerfolgen nicht abschrecken. Das Ucbrige überlassen wir der göttlichen Vorsehung, die sich zu unseren Gunsten in der fortschreitenden Entwickelung des Menschengeschlechts bethäligt! Gottes ist das Reich und der Ausgang! Sammlung für die durch ben Krieg verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. Gleich nach dem Falle von Belfort traten wir mit dem Rabbiner der dortigen Gemeinde, Herrn Lehmann, in Eorrespvudenz. Die Schilderung der Leiden, denen die Bevölkerung der Stadt während der Belagerung unterworfen war, ist erschütternd, der Verlust Vieler derselben sehr groß, und die Hülfsbedürftigen rufen um Beistand. Wir sandten sofort 100 Thaler ab, und bitten dringend um reichliche Spenden, um der Roth wenigstens augenblicklich etwas abzuhelfen. Die Redaction. Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Wir erhielten ferner Berichte aus den Gemeinden: Stolp und Kreis, Tholey, Marienwerder, Rees, Genthin, Gr. Oschersleben, Saarlouis, Beaumarais, Waller fangen, Rendsburg, Bickendorf, Gernsbach. Zeit u n g s n a ch r i ch t e n. Deutschland. Berlin, 2. März. (Privatmitth.) [Gin fliegendes Blatt aus den Annalen der Schule des jüd. Berlin.) Der Bericht in der Allg. Ztg. d. Judenth. über die Begrüßung, mir welcher mich die Herren Rabbiner und Lehrer der hiesigen Gemeinde am. Morgen der siebzigsten Wiederkehr meines Geburtstages beehrt haben, führte mir, und noch nachträglich aus fernen Landen, Zeugnisse warmer Theilnahme zu. Es wird mir physisch schon nicht leicht, jedem der Freunde durch unmittelbares Schreiben zu danken, aber es drängt mich, denen, deren liebevolle Worte ihren ehemaligen Lehrer oder Genossen so wohlthuend berührten, öffentlich ein Zeichen meines Dankgefühles zu geben, diesem Zeichen jedoch eine Betrachtung anzuschließen, welche gerade den Rückblick jener Schulntänner beschäftigen mag, einen Rückblick auf den Standpunct des Lehrers vor 20 Jahren, welchen zu einem überwundenen zu machen meine schwache Kraft bcigetragen hat. Ich habe eine Feier für jenen auf 70-jährige Leiden folgenden Tag nicht hervorgerufen, die schwachen Errungenschaften meines guten Willens auf wissen-