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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-07 · Heft 10 (7.3.1871) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 10 (7.3.1871)
Date
1871-03-07
Page
Seite 196 (sequence 8)
Language
German
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196 Bejahenden Falls bitten wir ergebenst uns von dem gefaßten Beschlüsse baldgcfälligst Mittheilung machen zu wollen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde." Berlin, 23. Februar. (Privatmitth.) Der Protest, den der Vorstand der hics. Gemeinde an den evangelischen Oberkirchenrath gerichtet hat, ist Ihnen sicherlich bereits zngekommcn. Jeder Vorurtheilslosc, welcher Confession er auch sei, wird es dem Vorstande Dank wissen, sich so prompt gegen jenen Erlaß erhoben zn haben, der, da er abermals Haß und Verachtung auSzustreuen befähigt ist, von Allen verurtheilt wird, denen diese Leidenschaft nicht selbst im Herzen lebt. VorzugSlveise in unserer Zeit aber kann nichts geschehen, ohne sofort seine Tadler zu finden. So rügt man, daß der Vorstand sich an den Oberkirchcnrath selbst gewandt habe, der uns als Behörde gar nichts angeht und doch der beleidigende Theil selbst ist, statt an das Enltusministerinm, welches die obere Instanz für den Oberkirchenrath ist und deshalb Remedur eiutrercn lassen könnte. Hierin mag man Recht haben, im Grunde genommen ist es gleichgültig, da eine Rcmednr von beiden Instanzen schwerlich zu erhoffen, und es nur darauf ankam, sich nachdrücklich gegen jenen Erlaß zu verwahren. Dann ist man wieder mit dem Wortlaut des Protestes hier nitd da nicht zufrier cn und will wesentliche Momente vermissen. Daß es auch an Parteigängern für den Oberkirchenrath nicht fehlt, und zwar nicht allein unter den Pietisten. sondern auch unter solchen, welche dem Indenthnme, der jüdischen Gemeinde und deren Vorstände freundlich gesinnt sind, ohne zur Fahne des Oberkircheuraths zu schweren, ließ sich im Voraus erwarten. So behauptete ein hies. Blatt, im jüdischen Rituale spräche sich mehrere Male der Haß gegen Jesus aus, und ein Eorrespondcnt der „Köln. Zeit." macht nun den hies. Rabbinern zum Vorwurf, daß sie nicht das Gegentheil öffentlich beweisen. Dies ist mm eine alberne Zummhung. Wer Jemanden anschuldigt, der muß zuerst diese Anschuldigung beweisen; dann erst ist es Sache deS Angeschuldigten, der die Anschuldigung für falsch erklärte, daS Gegentheil zu erweisen. Einem allgemeinen Vorwurf kann man nur mit allgemeiner Zurückweisung begegnen, und nur wenn der Ankläger bestimmte Erweise heranbringt, hat man diese zu widerlegen. Daß in unserem Rituale direct gegen den Stifter der christlichen Religion irgend etwas Feindliches vorkäme, muß jedem Vernünftigen um der Gefahren willen, welche der Iudenheit daraus erwachsen wären, schon von vornherein unglaublich Vorkommen , denn an Denuncianten, namcittlich aus der Reihe der getauften Juden, hat cs zu keiner Zeit gefehlt. Und in der That kamen derartige Denunciationen und in Folge derselben auch Procefse vor. Man erinnere sich z. B. des Processes über das Gebet Alenu unter Friedrich I. von Preußen (1702 und 3), ohne daß den Juden wirklich Etwas nachgewiesen werden konnte. — Judeß geht das Leben über alle diese Vorurtheile und Gehässigkeiten, wenn sie auch von Seiten der Pfaffen inuner uüebcr aufgewärmt werden, stets hinweg, und in der Erinnerung bleibt die Vrandmarkung nur auf Denen haften, welche die Beschuldigung ausgesprochen. Berlin, 27. Februar. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurde hier bei Louis Gerschel ausgegcbeu: „Referate über die der ersten israelitischen Synode zu Leipzig überreichten Anträge." Die Schrift (216 S.) enthält Gutachten über das Fahren an Sabbath- und Festtagen von Löw und Wiener, über das Orgelspiel am Sabbath und das Proselytenbad von Wiener, über die Unterrichtsfragc von Hochstädter, Philippson (Dessau), Bluincnan und Szanto, über ehercchtlichc Fragen von Aub, Landau, Geiger und Joel, über die Beschnei- Vnng von Landau, über die Eultusfragen von Adler, Philippsou (Bonn«, Goldschmidt, Joel und Wertheim. Einige dieser Gutachten sind umfänglich und eingehender Art. (Wir werden im Nächsten näher darauf zurückkommen. Redact.) Neidenburg, 22. Februar. (Privatmitth.) Auch ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Gustav Rappoport, hat sich durch seine Tapferkeit das eiserne Kreuz er worben. Glatz, im Febr. Ter bekannte Abgeordnete Eanonicus k)i. Künzer, der zur freiconservativen Partei gehört, hatte Vorwürfe darüber erfahren, daß er nicht in die „katholische Partei" cingetreten, die sich jetzt im preußischen Abgeordnetenhanse gebildet hat. Er vertheigt sich deswegen in einer Ansprache, an deren Schluß er sagt: „Ich will einen gesunden und kräftigen Ausbau der Reichsverfassung, einen edlen Fort-

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