Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1871)
- Date
- 1871-03-07
- Page
- Seite 194 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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194 besonders ltmgeftdmib und für alle Folgezeit von unübersehbarer Wirkung hervor. Eine solche Periode ist die der Humanisten und in ihrer Bedeutung kaum noch genügend gewürdigt Die ganze moderne Welt beruht auf ihr, denn die Humanisten erweckten das Studium der griechischen und römischen Classiker, führten deren Geist in Wissenschaft, Kunst, Denkweise und Gesittung ein, und begründeten hiermit der bis dahin alleinherrschenden Kirche gegenüber das Fundament für eine neue- Lebensentwickelung, deren Endergebniß die heutige Welt ist. Sie Lhaten dies, indem sie prosaisch und metrisch die Formen der alten Welt durch eigene Schöpfungen reprodncirten, und Petrarca z. B. legte viel mehr Gewicht auf seine lateinischen Gedichte, als aus seine italienischen, und glaubte jenen die Unsterblichkeit zu verdanken, die er nur durch diese erlangt hatte. Aber wegen dieser Unselbstständigkeit des schöpferischen Geistes vermochten sie sich nicht zu erhalten, und gingen sofort in die Reformation auf, welche sie allein vorbereitet hatten. Haben wir Juden so ein gewichtiges allgemeines Interesse an dieser bahnbrechenden Epoche, so knüpft sich noch das besondere daran, daß durch sie auch das Studium der hebräischen Sprache in den Kreis der allgemeinen Wissenschaft eingeführt wurde. Der vorliegende Vortrag stellt besonders die geistige Bedeutung und den geistigen Einfluß der Humanisienperiode auf Wissenschaft, Kunst und Leben dar, und es gelingt ihm dies in höchst anregender und befriedigender Weise. Ganz vorzüglich ist dies dem Berf. hinsichtlich der bildenden Künste gelungen, für welche er ein tief eingehendes Verständnis; erweist. Mit Befriedigung heben wir hervor, daß die Sprache eine durchaus edle und correcte ist, und somit die Form des Vortrages seinem Inhalte ganz besonders entspricht. — Geschichte der!. k. Archive in Wien. Bon G. Wolf. Wien, Braumüller 1871. Der Berf. dieser für Geschichtsmaterial sehr wichtigen Schrift hat aus den k. k. Archiven auch für die jüdische Geschichte schon so vieles Gute mit seinem emsigen Fleiße und seinem Spürsinn herausgesunoen, daß er es wohl verdient, dieser seiner neuesten Schrift auch hiermit anerkennend erwähnt zu sehen, wenn sie auch keine unmittelbare Beziehung zu unsren Tendenzen hat. Endlich ist die Zeit gekommen, wo die großen und wichtigen Archive, diese unentbehrlichen Quellen der Geschichte, welche durch Vergleichung der zeitgenössischen Documente den Ausspruch, daß die Geschichte nur uno Indio eonvenue sei, zu Schanden zu machen vermögen, mit Bereitwilligkeit den Forschern eröffnet werden. Selbst die zugeknöpftest 3 Negierungen sind schließlich dahinter gekommen, daß sie sich selbst durch den Verschluß ihrer Archive den größten Schaden zugefügt haben. Hierzu gehörte ganz besonders Oesterreich, über welches die Urtheile der Geschichte in den wichtigsten Phasen doch anders gelautet hätten, wenn es nicht seine Archive mit einer unbedingten Geheimnißthuerei gehütet, d. h. verschlossen gehalten hätte. Dies hat in der neuesten Zeit aufgehört, und die k. k. Archive werden deshalb ein Tummelplatz der emsigsten Durchforschung werden, ja sind es zum Theil schon geworden. Hierin liegt die Wichtigkeit der vorliegenden Schrift unsres Freundes, über deren wissenschaftlichen Werth die Kritik, wie wir hoffen, sich günstig aussprechen wird. — 2xt: rrnr. Das Rühmen Moab's, oder die Inschrift auf dem Denkmal Mesa's Königs, von Moab (9. vorchr. Jahrhundert). Bocalistrter Urtext mit Uebersetzung nebst sprachlicher und sachlicher Erläuterung und einem Anhang, betreffend die Grabschrift des sidonischen Königs Eschmunazar. Bon I)r. S. I. Kaempf. Mit einer lithograph. Tafel. Prag bei Tempsky 1870. Auch wir haben s. Z. über den Fund des überaus wichtigen m 0 abi tischen Denkmals des Königs Mefa aus dem 9. Jahrhundert v. d. gew. Zeitr. berichtet. Die wissenschaftliche Forschung bemächtigte sich des Gegenstandes mit Eifer und harte hierzu um so mehr Raum, als durch Verwitterung und noch mehr durch das Zerschlagen des Denkmals Seitens der Eingeborenen bedeutende Lücken in die Inschrift gekommen, die also durch Combination und Eonjectur auszusüllen sind. Diese Ausdeutung hat bereits eine Literärgeschichte. Die vorliegende Schrift bringt den Gegenstand bedeutend vorwärts, wenn auch nicht zum Abschluß, was der Versaffer auch nicht beansprucht. Seine sachlichen und sprachlichen Bemerkungen sind mit großer Um- und Vorsicht getroffen, und mit Benutzung der h. Schrift und des Talmuds dienen sie in vielen Puncten das Dunkel aufzuhellen. Wenn wir auch nicht mit dem Berf. die religiösen Zustände im Zehnstämmereich durch die Inschrift besonders aufgehellt glauben, so hat dieses Denkmal und seine Inschrift doch eine große geschichtliche Bedeutung, da sie uns das damalige M-- «b monumental feststellen. Die vorliegende Schrift nuumt jedenfalls unter den Arbeiten über diesen Gegenstand einen hervorragenden Rang ein.