Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1871)
- Date
- 1871-03-07
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
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193 den würde, und daß das Schicksal meiner so schmerzlich heimgesuchten Gemeinde jedem fühlenden Glaubensgenossen tief üi’8 Herz gehen würde. Unterdessen aber war die Noth dringend, und woher sollte schnell genug Unterstützung kommen? Da traten mir in dieser traurigen Lage, o Wunder der jüdischen Menschenliebe! drei Retter mit reichen Spenden entgegen: 1) Sie, hochverehrter College, durch Ihre erste Unterstützung von 100 Thlrn., der seither noch zwei, eine jede von 30 Thlrn., gefolgt; 2) mein edler Freund, Herr Astruc, Oberrabbiner von Belgien, durch die Uebersendung von 270 Thalern, und 3) der vortreffliche Publicift, Herr Daniel L6vy, der mir im Namen des freigebigen Herrn Alexandre Lazard aus dem Hause Lazard Früre 500 Franken zur Vertheilung überreichte. Ich athmete nun wieder frei und dankte dem Herrn. Sie haben meinen Armen Glück gebracht, hochgeschätzter Herr Redacteur. Denn wenige Tage nachher trafen Spenden ein von den Herrn Oberrabbinen von Straßburg, von Metz,'^) von Bordeaux, von meinem benachbarten Amtöbruder von Luneville. Ich konnte nun den Hülfsbedürftigen zur Seite stehen. Die vorige Woche besonders sind diese zu meiner größten Herzensfreude reichlich beschenkt worden. 2'.'. Antwort auf meine inständige Bitte haben der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. S. Adler in Rew-2)ork und der löbliche Board seiner Gemeinde Emanu-El mir die beträchtliche Summe von 108«. Frauken zur Vertheilung zugesendet. Un bonheur ms rinnt jamais seul, wie cs bei uns heißt; denn drei Tage nachher erhielt ich vom hochzuverehrenden Herrn Dr. A. A. Wolf, Oberrabbiner in Copenhagen, die erhebliche Summe von 1000 Franken, wozu der würdige Uebersender dieses Geldes, Herr Rabbiner Di-. Lehmann aus Mainz, von seiner Seite noch 10 Thaler hinzngefügt. Tausend Dan! sei diesen edlen, hochherzigen Männern für diese so großartigen Hülfsspenden. Ich beabsichtige, so Gott will, später in Ihrem geschätzten Blatte Rechnung abzulegen von allen Unterstützungsgeldern, die mir zur Vertheilung gestellt worden. Lassen Sie mich doch heute schon Ihnen sagen, daß diese, dem Allgütigen sei Lob und Dank! auf SU71 Francs sich belaufen und daß ich Ihnen und Anderen edelmüthigen Seelenhirten und hochherzigen jüdischen *) Der ehrwürdige Herr Lippmann, dessen ^Nachfolger ich im diesigen Rabbinate die Chre zu sein habe, hat uns auch Gelder verschasst aus Basel uud La Chauxde-Fonds. J Menschensreuudcn es zu verdanken habe, daß mir daS Glück geworden, -12 Nothleidende unterstützen zu können (wdrunter sechs Nichtjüdische), wovon sehr viele von 50 bis 000 Franken erhalten haben. Ihnen und diesen edlen Söhnen Israels verdanken wir es, nun wieder unser Gotteshaus besuchen zu können, in welchem wir inbrünstig für Sie und alle unsere theuern Wohlthäter beten und so lange wir leben, beten werden. 3. Bi gart, Rabbin. Nachschrift. Gestern erhielt ich von den Herren Gebrüder Lazard zu Paris, gegenwärtig in London, folgenden Brief: „Durch ein heute erhaltenes Schreiben aus San - Francisco sind wir benachrichtigt, eine Summe von 13.282 Francs zur Disposition einer Commission, bestehend aus Ihnen, Herr Rabbiner, aus dem Herrn Pfarrer und dem Herrn Pastor dieser unglücklichen Stadt zu stellen, welche unter den Hülfsbedürftigen aller Culte ohne Unterschied vertheilt werden soll. Diese schöne Summe ist auö einer zu San-Franciöco unter den Söhnen Pfalzburgs, von denen neun Zehntel Israeliten sind, veranstalteten Subscription erflosseu. Ehre sei diesen edlen Söhnen unsrer Kehilla!^ Frau E. in B. 15 Thaler. Frau Ad. Arnstein in Sulzbach (Bayern) [0 fl.] 3 Thlr. 12 Sgr. 10 Pf. Jos. Werner, Vorsteher der Synagogengemeinde Neisse als Sammlung in dieser 40 Thlr. 10 Sgr. Gesammtsumme: 807 Thlr. 24 Sgr. und 290 Frcs. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 10. Februar. „Die Humanisten - Periode. Vortrag in den von der „Literarischen Gesellschaft" zn PvlSdam veranstalteten öffentlichen Versammlungen, gehalten von Dr. Tobias Coh n, Rabbiner zu Potsdam. Der Reinertrag ist zum Besten der Verwundeten in den Potsdamer Lazaretheu. Gropins, Potsdam, 187l." In der Menschengeschichte folgt eine Periode auf die andere , wie im Ocean eine Wellenlinie auf die andere, und die folgende drängt die vorhergehende auf den Strand, wo sie sich verläuft. Aber umgekehrt bereitet in der Geschichte eine Periode die andere vor, und die folgende ist nur möglich durch die vorhergehende. In der Reihenfolge tritt dann die eine oder die ärmere als