Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-03-07 · Heft 10 (7.3.1871) · p. Seite 192

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 10 (7.3.1871)
Date
1871-03-07
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226809--29263-3252093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

192 Nie Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Wir erhielten ferner Miltheilungen aus den Gemeinden: Glogau, Trebnitz, Schweich, Solingen, Willen, Norden, LoslauO. S., Groß- S t r e h l i tz, S a m t e r, 9J ie heim, den Filialgemeinden von Mer zig, Fraustadt, BLrenwalde i. d. Neumark nebst Filialen. Ferner durch Herrn Di-. Adler in Casse l: Rothenkirchen, Burghaim, Mekenzel, Nihna, Wehrda, Borcken mit Filiale, Mühlbach, Dillich, Schenklengsfeld, Niederaula, Rotenburg, Sontra, Bebra, ^Nentershausen, Baumbach, Richelsdorf, Diemerode, Rönshausen, Jmmshausen, Falkenberg, Marburg, Goßfelden, Roth, Gelnhausen, Birstein, Wächtersbach, Hellstein, Sicheroth, Fischborn, Meerholz, Schmalkalden, Barchfeld, Neidenburg, Saatfeld. Durch Herrn Dr. Marcus, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Schwerin (Mecklenburg): Schwerin, Röbel, Rebnitz, Gnoyen, Malchau, Crivitz, Hagenow, Re hna, Neubuckow, G üftr ow, Waren, Goldberg, Teterow, Penzlin, Parchim, Neubrandenburg, Sternberg, Noslocha, Lülm, Neukulen, Gadebusch, Allstrelitz, Bützow, Krackow, Wittenburg. Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Slraßburg, Metz und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. Wir erhalten mit dem Ersuchen des Abdrucks folgende Zuschrift: Pfalzburg, den 20. Februar 1S71. Hochgeehrter Herr College! Unsere Weisen in ihren kernhaften Sprüchen lehren, es gäbe drei Zeichen, die den Bekenner des Judenthmns bekunden; sie heißen: Barmherziger Sinn, Schamhaftigkeit und thätige Liebe. Es mag vielleicht sein, wie Diele meinen, daß wir modernen Juden manche Tugend, die bei unsern frommen Vätern erblich gewesen, in der Neuzeit eingebüßt haben; aber sicherlich, und wir können mit Recht stolz darauf sein, besitzen wir noch immer diese herrlichen drei Eigenschaften. Immer noch zeichnet sich Israel durch seine unvergleichliche Wohlthatigkeit besonders aus. Mehr als je hat sich die jüdische Mildherzigkeit in den jüngsten so trauervollen Monaten edel und groß erwiesen. Es ist so trostreich in dieser finstern Zeit, wo wir betrübte Söhne unseres so edelmüthigen und leider so unglücklichen Frankreich des Trostes so nöthig haben, die unermüdliche Thätigkeit, welche allenthalben unsere Glaubensgenosien im Wohlthun entfalten, zu sehen und zu bewundern. Es gereicht mir nicht weniger zu einer wahren Seelenfreude als zu einer Pfiicht, deren ich mich mit Stolz entledige, von dieser nicht genug zu lobenden israelitischen Barmherzigkeit unserer Tage in Ihrer Zeitschrift Zeugniß abzulegen. Gleich am Anfänge des schrecklichen Krieges, der meinem Vaterlande so tiefe Wunden geschlagen, hat der unheilvolle Festungsgürtel, der unser Städtchen umgiebt, diesem unsägliche Leiden zugezogen, und meine arme Gemeinde wurde mitunter sehr hart mitgenommen. Neun jüdische Häuser mit fünf Waarengewölben wurden in einem Tage am 14. August zu Asche und Schutthaufen, und dadurch 16 jüdische Familien gänzlich verarmt. Unser prächtiger Tempel sowie das jüdische Gemeindehaus wurden an demselben Tage von den Haubitzen durchlöchert und deren Fenster sämmtlich zerschlagen. Dazu kam noch eine viermonatliche Belagerung, während der, wie ich Ihnen, verehrter Herr Redacteur, schon mit Schmerz geschrieben habe, sehr viele Mitglieder meiner Gemeinde, da die Leberrömittel alle ungemein theuer waren, all ihre Ersparnisse, ja sogar ihre bescheidenen Geschäftscapitalien aufzehren mußten. Der Gemeindevorstand tljat sein Mögliches, um während dieser so laugen Blockade unsern Unterstützungsbedürftigen das äußerst Nöthige zu verschaffen, und leerte zu diesem frommen Zwecke die Gemeindeeasse, was auch unsere drei Wohlthätigkeitsgesellsckaften gethan. Denken Sie sich nun, wie es mir zu Muthe war, wenn ich an das Elend und die ungeheuren Bedürfnisse unserer Verunglückten dachte, und andrerseits auf unsere erschöpften Hilfsquellen blickte. Das Herz wollte mir darüber brechen, und Verzagtheit bemächtigte sich meiner Seele. Ich hatte wohl gleich nach der Uebergabe unserer Festung in meiner Gemeinde Saarburg eine Collecte gemacht; so ergiebig diese aber auch gewesen, so unzulänglich war sie doch. Ich hatte auch sogleich nach allen Seiten hin geschrieben, um Beistand flehend, wußte auch ganz gut, daß meine schwache Stimme; Gehör sin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.