Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1871)
- Date
- 1871-03-07
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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191 3m Jahre 1S2S gegründet, und durch die Wirksamkeit S. D. Luzzatto's und Lelio della Torre's zur Blüthe gebracht, wurde es durch österreichisches. Gesetz aus den Beiträgen der Gemeinden der Lombardei und Benetiens erhalten und schenkte Italien viele tüchtige Rabbinen und Gelehrte. Mit der Besitzergreifung Italiens hörte die Zwangszahlung auf und die Gemeinden jenes Theiles von Oberitalien verweigerten, das für ganz Italien wirksame Institut allein zu erhalten. Es fristet daher finanziell sein Dasein nur kümmerlich. Eine bestimmte Rente von 1570 Lire würde für dieses Lehrinstitut vom wesentlichsten Nutzen sein und der Mehrbedarf sich leicht erlangen lassen. Diese Angelegenheit, wenn sie sich also auch um keine bedeutsamen finanziellen Mittel dreht, hat doch für das Iudenthum in Italien eine große Bedeutung, und wir behaupten, daß durch das Votum der italienischen Volksvertretung zu Gunsten des Papstes eine veränderte Sachlage geschaffen worden, in welcher ein Rechtsanspruch an den Staat zu Gunsten dieser allgemein italienischen jüdischen Lehranstalt begründet worden ist. Mögen die beiden jüdischen Zeitschriften Italiens den Gegenstand weiter zur Sprache bringen. VIII. Aus geschätzter Feder erhalten wir <1. tl. vom 13. Febr. c. folgende Mittheilung: Gestatten Sie mir zu bemerken, daß wir iin Herzogthum Meiningen betreffs der Frage, die Sie gegenwärtig ventiliren, besser gestellt sind als unsre Glaubensgenossen in andern Staaten. Wir haben nicht nur vom Staate einen Zuschuß zur Rabbinatsbefoldung von sondern auch die gleichen Zuschüsse zu den Lehrerbesoldungen wie die christlichen Gemeinden ld. h. bei beiden Confessionen tritt der Staat nur dann ein, wenn die Gemeinden klein und wenig bemittelt sind). Wir haben demnach in finanzieller Hinsicht vom Staate nichts zu fordern, um mit den christlichen Staatsbürgern gleichgestellt zu sein; aber in einer anderen Hinsicht fühlen wir noch schwer den Druck der alten Zeit. Als wir im Jahre 1850 einige Rechte und im Jahre 1807 die volle bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung im Herzogthum Meiningen erlangten, war nur der eine Punct noch scheinbar iaus früher Zeit stammend) unerledigt, daß bei gemischten Ehen die Kinder in jedem Falle Christen werden müssen, und hatten außer dem Schreiber dieses, der auch im Jahre 1867 die Anregung und den ersten Entwurf zu einer Petition an Regierung und Landtag bergab, die Juden des Herzogtums keinen Wunsch mehr bezüglich ihrer Stellung im und zum Staate; nur ich hatte in meiner Petition gebeten (doch ließ man dies streichen) auch die Verordnungen, welche unsere Gemeindeverhältnisse und unseren Cnltus betreffen, zu reformiren, und in letzter Zeit hat es sich zweimal bewährt, daß man bei der Regierung noch unsere 'Äemeindeverhältnisse nach einem von Ausflüssen damaliger Gesinnung strotzenden Ediere von 18!! beurrheilt, und daß inan dies mit Recht gethan, hat einer der höchsten Gerichtshöfe Deutschlands bestätigt. In dem fraglichen Edict ist unter anderm gesagt, daß es der Regierung zukommt, einen Rabbiner für das Land zu bestellen, denselben nach ihrem Ermessen zu besolden, die Besoldung außer dem festbestimmten Staatszuschuß nach Belieben festzustellen, und die Höhe und die Art der Aufbringung seitens der inländischen Gemeinden einfach zu decreliren. Bon diesem Rechte hat die Regierung in zwei Fällen Gebrauch gemacht, und wenn ich es nur billige, daß unser Landrabbiner, der zu den schlechtbesoldetsten Rabbinern gezählt werden darf, eine Gehaltöverbesierung erfuhr, so ist die Art und Weise, wie man uns, weil wir Juden sind, bevormundet, während man beschäftigt ist eine freie Synodal- und Preöbytcrialverfassung für die christlichen Staatsbürger zu schassen, gewiß schmerzlich. Ich hoffe, daß man nunmehr eher ein sieht, was man im Jahre 1807 vergaß, und daß wir bald bessere Verhältnisse erlangen. Ich werde nicht verfehlen, Sie im Fall von den gethanen Schritten sowie auch von den Erfolgen ^u unterrichten. Lei dieser Gelegenheit sehe ich mich veranlaßt, Ihnen auch mitzutheilen, daß der Sitz des Rabbinats (seither Walldorf) nach hier verlegt wurde, was um so erfreulicher ist, als die hiesige Gemeinde im steten Wachsen zu ihrem neuen Betfaal (mit Harmonium und Chor) auch eines Predigers bedarf, um einen der Richtung der Gemeinde entsprechenden würdigen Gottesdienst herzustellen. Max May.