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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-28 · Heft 9 (28.2.1871) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 9 (28.2.1871)
Date
1871-02-28
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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177 marschiren zu sehen, um Nom für den Papst wieder zu erobern. Gegen diese drohende Gefahr — wir meinen nicht den Nömerzug, sondern die Einwirkung der vereinigten Ultramontanen und Feudalen auf die Gesetzgebung — können nur die Bereinigung aller liberalen Parteien und die stärkste Betheilignng an den Wahlen selbst helfen. — Durch ein Botnm der italienischen DeputirLenkammer ist in diesen Tagen beschlossen worden, daß die Kunstschätzc und Bibliothek des Vaticans Nationaleigeuthum seien. Dies hat auch für uns keine geringe Wichtigkeit. Denn die vatieanische Sammlung enthält eine Menge hebräischer Manuseripte, welche unter der klerikalen Herrschaft der Benutzung gänzlich entzogen waren. Durch die Zugänglichkeit des Baticans und des Escurials wird für die Geschichte und Literatur der Juden noch mancher verborgene Schatz eröffnet werden. — Wir können an dieser Stelle den jüngsten für die Fastenzeit erlassenen Hirtenbrief des Erzbischofs von Eöln nicht ganz mit Stillschweigen übergehen. Es ist nicht unsere Sache, die höchst nüchterne, alles geistigen Schwunges entbehrende Form dieses Hirtenbriefes zu besprechen, auch nicht seine Argumentation für das Unfehlbarkeitsdogma zu bekritteln; wohl aber nmß es unser Bedenken erregen, wenn dieser deutsche Kirchenfürst in seinem an das ganze katholische Volk seiner Diöcese, durch die Veröffentlichung in den Zeitungen aber noch weiter hinaus gerichteten Schreiben behauptet, daß im Kirchenstaat allein eine Negierung bestanden, welche den Grundsätzen des Ehristcnthums genau entsprach und durch die alle Tugenden im Volke erhalten wurden. Daß ein deutscher Kirchenfürst im neuen deutschen Reiche so etwas zu behaupten wagt, ist denn doch stark und weist daraus hin, daß diese Partei mit einer Offenheit zu Werke geht, welche durch eine große Macht gestützt zu werden glaubt. Schwcrsenz, im Febr. (Privatmitth.) Wie wenig auf iudirecte Nachrichteil vom Kriegsschauplätze zu geben ist, zeigt Folgendes: Bor einigen Monaten schrieb ein hiesiger Soldat christl. Nel. aus Frankreich einen Brief au seine Angehörigen, worill er unter Auderm mittheilte, daß ein hies. jüd. Soldat kriegsrcchtlich erschossen worden sei, weil er während der Schlacht sich ,.gedrückt" und sich hillter einer Brücke versteckt haben sollte. Wie niederschmetternd eine solche Nachricht auf die Mutter, eine arme Wittwe, wirkte, läßt sich leicht denken, um so mehr, als sie bereits lnchrere Wochen ohne Nachrickt von ihrem Sohne war. Sie lvandte sich nun an den betreffenden Hauptmann und drückte lvegen des langen Schweigens ihres Sohnes ihr Befrentden ans. Es währte nicht lange, so trafen zwei Briese ein, der eine vom Hallptmann, der andere vom — rodtgcglanbten Sohne. Ersterer theilte mit, er habe den Sohn wegen des langen Schweigens ernstlich zur Rede gestellt und ihm anfgegeben, künftig seine Mutter öfter mit einem Briese zu bedeukeil. Letzterer hatte sich in mehreren Schlachten ausgezeichnet und lvar glücklich davon gekomlncn. Mehrere Wecken später ist er leider wirklich den Tod fürs Vaterland gestorben. . Es wurde ihm Seitens der Militärbehörde das Zengniß eines gliten und braven Soldaten ausgestellt. Louis Wisch ist der "Name des Gefallenen. Ocsterreichischnn<j<mfdk Monarchie. Wien, 17. Februar. (Privatmitth.) Trotzdem die Vorsteher der Schifssvuagoge alle Anstrenglmgen machten, um die Vorsteher der andern Synagogen nach altem Nitns in ihr Netz zu ziehen, damit sie sich ebenfalls ihnen in der Opposition gegen die Beschlüsse des Vorstandes in der Angelegenheit der Liturgie entschließen , so wollte ihnen doch niemand folgen. Man scheint daher diese Opposition da und dort zu hoch angeschlagen zu haben. Als charakteristisch mag hervorgehoben werden: in der Versammlung in der Schisfgasse nahm auch ein Advocat das Wort für die Orthodoxie. Derselbe führte vor kurzer Zeit ein Gespräch mit einem Orthodoxen, in welchem er dafür plaidirtc, daß die positiven Religionen ge me ins chäd lieh seien. Wien, 19. Febr. (Privatmitth.) Nachdem der ehemalige Referent in jüdischen Eultnsangelenheiten im Ministerium für Enltns und Unterricht Herr Jireeek selbst Minister dieser Eentralstellc wurde, suchte er sofort beim Beginne seiner Amtswirksamkeit die ersten Schritte zur Realisirung der projcctirten israel. theologischen Lehranstalt zu machen. Wie ich den Lesern dieser Zeitung bereits andentete, so geschah es. Ein Eomitö, bestcheltd aus den Herren Predigern Dr. Güdeman und Jellinck, Lcctor 3. H. Weiß, Dr. Engel, Kompert, Josef Ritter v. "Wertheimer, Arnnnio Cohn 9

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