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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-28 · Heft 9 (28.2.1871) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 9 (28.2.1871)
Date
1871-02-28
Page
Seite 176 (sequence 8)
Language
German
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176 Willen der Eltern über die religiöse Erziehung ihres lindes eigenmächtig zu beseitigen. »Die Lerantwortlichkeit haben wie für die ganze Erziehung der Kinder die Aeltern allein zu tragen. Ganz sonderlich aber klingt im Munde der Herren Junker schließlich diese rigorose Tugendhaftigkeit, diese katholische Sittenstrenge, welche der unglücklichen Mutter wegen ihres Fehltrittes jedes Mitleid, jedes Bedauern verweigert! Ist das die Wahrheit, die sie in ihrem Ehristeuthinne finden? Haben sie gleiche Sittenstrenge in ihrer Jugend geübt? Bonn, 17.Febr. lKlcinerc Notizen). In Hirschberg i. Schl, wurde, wie uns berichtet wird, am 29. v. M. durch den dortigen Rabbiner, Herrn I)r. Joel, der Uebertritt einer Katholikin zum Judenthnme in sehr weihevoller Weise vollzogen. — Der verdienstvolle Lehrer D. Katzenflein in Borken (Hessen) feierte am Sabbath Ehanukkah unter vielseitiger Thcilnahme sein 2jähriges Lehrerjubiläum. Bonn, 17. Februar. (Privatm.) Zu der in Nr. 6 d. Z. gegebenen Uebersicht der zur Unterstützung jüd. Stndireuden in Deutschland und Deutsch - Oesterreich vorhandenen Veranstaltungen kommen uns zu unserer großen Befriedigung mehrfache Ergänzungen zu, . die wir hier gern ausführen und nur wünschten, daß ihrer noch mehr wären. Bor Allem ist anzuführen, daß vor zwei Jahren in Königsberg i. Pr. ein „Israel. Studien-Beförderungsverein für Ost- und Westpreußen" gegründet wurde, an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Vamberger steht, über dessen Begründung auch in d. Bl. zur Zeit berichtet wurde und der in den Jahren 1869 und 1870 bereits segensreich gewirkt hat. Ferner bestehen in Berlin mehrere Stiftungen zur Unterstützung jüdischer Studirenden, nämlich Alexander von Humboldt - Stipendien, Stifter Adolph Rcichenheim, Zinsen von 5000 Thlrn., für zwei jüdische Studirende; Reichenheim-Böckh'sches Stipendium , Stifter Cvmnterzicnrath veonor Neichenheim, Zinsen von 2000 Thlrn., für einen Inden und einen Christen; Commerz.-Nath Fränkcl'sches Stipendium, Stifter Commerz.-Rath Frä.ckel, 200 Thlr. jährlich für ein Juden. Hierher ist auch die Stiftung der Benny Burchardt'schen Eheleute (Stifter BennyBurchardt, Zinsen von lOoo Thlrn. für einen Stndireuden auf der höheren Gewerbeschule) zu ziehen. In Berlin wie an anderen Universitäten giebt es auch Stipendien-Stiftungen, welche statutenmäßig die Bestimmung haben „ohne Berücksichtigung der Confessiondie wir aber eben darum hier nicht näher aufzuführen haben. — Ferner schreibt uns Herr Dr. Adler in Cassel: In Nr. 6 Ihrer geschätzten Zeitung zählen Sie die Stipendicnstiftungen für jüdische Studirende auf. Ich vermisse jedoch die hier von Herrn S. S. Goldschmidt gegründete, von der ich Ihnen seiner Zeit Mittheilung machte. Theologen, Juristen, Medieiner und selbst auch manche jüdische Künstler haben aus derselben Stipendien erhalten und beziehen deren noch, so wie auch mancher Gymnasiast die Möglichkeit, ein Gymnasium besuchen zu können, dieser Stiftung zu verdanken hat. Bonn, 20. Fcbr. (Privatmitth.) Wenn die schleunige Aufhebung des § 613 des A. L. 9t. auf gesetzgeberischem Wege durch das Herrenhaus mißglückt ist, so muß man dahin zurückkehren, wofür wir in unserem ersten Artikel über diesen Gegenstand einige Belege von Juristen angeführt, nämlich daß bereits durch den Schlußparagraph des Gesetzes vom 23. Juli 1817, sowie durch Art. 12 der Verfassung dieser Paragraph aufgehoben ist. Es müssen wenigstens alle Instanzen darüber zu einem Erkeuntniß veranlaßt werden. — Bei den am 3. März stattfindenden Wahlen zum deutschen Reichstage machen sich im Nheinlande dieselben ultramontanen Einflüsse geltend, wie bei den vor Kurzem vollzogenen Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus^ in welches Nhcinlaud und Westphalcn eine beträchtliche Anzahl Ultramontaner geschickt haben, die sich nun init der feudalen Partei vereinigt haben, und dadurch eines bedeutsamen Einflusses ans die Gesetzgebung gewiß sind. Man sieht, was an dem früheren so stark betonten Liberalismus der Rheinländer Wahres gewesen! Man trug ihn zur Schau, so lange es die Opposition gegen die preußische Regierung galt. Die Dinge haben sich geändert, und man benutzt die Aufregung der niederen städtischen und ländlichen Bevölkerung über den Fall der weltlichen Herrschaft des Papstes, den man jener als die tiefste dem Katholicismus geschlagene Wunde schildert, um sie zu ultramontanen Wahlen zu veranlassen. Städte wie Bonn, Aachen u. f. w. sind hierfür der fruchtbarste Boden. Die Partei trägt sich mit der Hoffnung, die Deutschen und Oesterrcicher noch nach Italien mit den Waffen

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