Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1871)
- Date
- 1871-02-21
- Page
- Seite 156 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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156 wohl über als unter dasselbe setzt." Dieses Verfahren, sagt Herr l)r. P. richtig, erinnert an eine im Talmud <s. Aruch “:p:) mehrfach erwähnte ähnliche Bezeichnung einzelner Buchstaben oder Wörter des Bibeltextes durch übergesetzte Puncte. Uebrigens gedenkt auch Jsidorus lib. I. Oi-ix. C. 20 eines ähnlichen von den Schreibern der Codices angewandten Verfahrens u. s. w. Bereits in den Penrateuch- Tosephoth findet sich diese Erklärung, daß die Puncte anstatt des Aus- und Turchstreichens der Wörter gelten sollen. S. 5 B. M. 29, 25: tyr,-»;..-; r-nS23 •'rrNTi SN znrros ‘ision n-t? “tin *p*2 "2b ib “12-n?mn2 h:;b ib basn rr22 na« p-n: pna2 rmp:rv2 'sb 'idi crrbr 'mp: .OTian2 -:n Nb ibN2 %*r,p: ‘p'srb fin?? Dieselbe Erklärung findet sich auch in dem Pentateuch- Commentar Jmre Noam und wir machen nur im Vorbeigehen auf die Varianten dieser Masiora gegen die Stelle im Arnch aufmerksam. Herr P. verspricht weitere Beiträge folgen zu lasten, und wir können nur wünschen, daß derselbe dieses Vorhaben bald ausführen möge. Durch solche gediegene Vorarbeiten wird es desto eher und leichter möglich werden eine correcte Ausgabe des Aruck mit Benützung von Handschriften und mit etymologischen Erklärungen und Anmerkungen zu veranstalten. Der selige M. I. Landau har 1519 den Aruch edirt, eine Ausgabe, die bei allen Mängeln einen bedeutenden Fortschritt der Sprachwissenschaft bekundete. Nach mehr als 5 0 Jahren ist es endlich Zeit eine Ausgabe des Aruch zu veranstalten, die dem heutigen Standpunct der Wiffenschaft und namentlich der orientalischen Philologie entspricht. Nabb. D. Oppenheim. Zeitungsnachrichttn. Deutschland. Bonn, 8. Febr. iPrivatmitth.)- Wir hatten in diesen Tagen endlich die große Befriedigung, au unsere Correspondenten in Paris wieder schreiben zu können, um Nachrichten über ihr Ergehen noährend der furchtbaren Belagerung und des schreckcuvollen Bombardements zu erhalten, über das Los, das sie betroffen,- Beruhigung zu gewinnen. Wir erwarten die Antworten mit Sehnsucht. Die Vorgänge der letzten Tage in Frankreich haben die Aussichten auf den endlichen Friedensschluß bedeutend gestärkt und die Hoffnnng auf eine dem Frieden geneigte französische Nationalversammlung gehoben. Die Extremen, verkörpert in der Person Gambetta's, sind vor den Männern, welche den Waffenstillstand abgeschlossen, gestürzt. Jetzt, wo dieser blutige Krieg eine abgeschlossene geschichtliche Thatsache wird, kann man auch daran denken, die Bilanz der Erfahrungen zu. ziehen, die er ergeben hat. Wir wollen hier nur zwei hervorheben. Die eine besteht darin, daß Niemand mehr von der Entnervung der civilisirten Nationen, einem vor eittigen Jahrzehcnden beliebten Thema, sprechen darf, denn es sind in diesem Kriege nicht allein Wunder der Tapferkeit, sondern auch der Ansdauer und Zähigkeit, der Bcfähigtmg, ungeheure Strapazen und Mühsale unter den ungünstigsten Bedingungen der Jahreszeit zu ertragen und die schwierigsten Arbeiten auszuführen, geschehen. Die erhebende, würdige, besonnene und stichhaltige Begeisterung der deutschen Heere, sowie der wilde Fanatismus der Franzosen haben gezeigt, daß die Geister unserer Zeit noch ebenso kräftig entflammt werden können, wie jenrals in früheren Epochen. Die zweite, noch glänzendere Erfahrung ist die, daß wissenschaftliche und künstlerische Bildung, Gymnasial- und Unwersitätscarrieren, Gelehrsamkeit, in langen Studien und aus Folianten geschöpft, die körperliche Kraft nicht aufzehrcn, nicht unfähig machen, körperliche Beschwerden zu ertragen, und mit einer Tapferkeit vereinbar sind, welche die der ungebildeten Massen weit hinter sich läßt. Solche Erfahrung konnte nur bei einer Wehrverfassung gemacht werden, welche alle Stände und Elasten umfaßt, und die jungen Männer der Wissenschaft neben dem Arbeiter, Handwerker und Landmann unter dieselbe Waffe und in denselben Rang beruft. Aber auch unter den Franzosen in den letzten Kämpfen, zu welchen alle waffenfähige Mannschaft zusaminengerasst wurde, that sich dasselbe kund. War einmal dieser Krieg vorhanden, so kann man doch bei aller Trauer über die unermeßlichen Opfer, die er gekostet, sich zu diesen Resultaten, zu diesen Erkenntnissen Glück wünschen. Sie weisen aber auch darauf hin, daß die Tendenz der modernen Erziehung, die körperliche Ausbildung mit dem gründlichen Unterricht zu verbinden, und die erstere insbesondere durch das Turnen zu fördern, eine glückliche