Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1871)
- Date
- 1871-02-21
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226807--29224-3252052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
155 Zeitschrift re.) manche werthvolle Beiträge geliefert, die aber, viel zu sehr zerstreut, weniger bekannt sind. Der gelehrte Derfasier des vorliegenden Werkes seines Separatabdruckes einer Reihe von Artikeln in Grätz' Monatsschrift 1870) hat nun mit fleißiger Benützung der riesigen Fortschritte der sprachvergleichenden Studien unserer Zeit das lange brach gelegene Feld der talmudischen Lexikographie wissenschaftlich zu bearbeiten unternommen und es ist ihm gelungen, die Richtigkeit und Bedeutung dieses Idioms durch eclatante Beispiele nachzuweisen. Mit Freuden begrüßen wir die „Studien" des Herrn Vr. Perles als einen schönen Versuch die talmudische Sprache in die Reihe der vergleichenden Sprach-, Sitten- und Sagenkunde einzuführen, die von der rabbinischen Literatur eine reiche Ausbeute noch zu hoffen hat. Herr Perles hat viele bisher ungenügend oder gar nicht erklärte Wörter und Redensarten im Talmud und Midrasch hervorgehoben, die zumeist aus dem Persischen, dem Zend ihre Analogie und Erklärung finden und welche eben wegen der Jugend und der geringen Berbreitung der iranischen Studien vernachlässigt wurden. Herr P. bespricht in fünf Abtheilungen folgende Gegenstände: die durch Unkenntnis entstandenen Emendationen und corrupten Texte; die sprachliche Entwickelung und Fortbildung der Wörter, die durch den Verkehr mit Persern, Griechen und Römern zu einem förmlichen gegenseitigen Austausch von Begriffen sich steigerten; die zahlreichen auf Handel und Verkehr bezüglichen Ausdrücke, die von außen her entlehnt sind; die Schwurformeln, die aus andern Sprachen in's Rabbinische ausgenommen wurden, und endlich die Ausdrücke, die sich auf Stammesverfasiung, auf politische Verhältnisse, Aemter, Würdenamen beziehen. — Es sind in diesen lose zusammenhängenden Abtheilungen 0—700 Wörter erklärt, zahlreiche Talmud- und Midraschstellen erörtert und nebenbei eine Menge sehr lehrreicher culturgeschichtlicher Momente und Notizen kurz berührt. Der gesch. Leser kann schon daraus entnehmen, welche reiche Fülle ihm hier in einem so engen Rahmen geboten wird — ein cmbarras de richesse, die oft der klaren Uebersichtlichkeit Eintrag thut, wie darin überhaupt mit Recht eine beffere Vertheilung und Gruppirung der Themata vermißt wird. Es versteht sich von selbst, daß viele versuchte Erklärungen und ausgestellte Hypothesen einer eingehenden Prüfung von Seite der Philologen von Fach bedürfen, da man hier leicht durch den Gleichklang und dieAehnlichkeit der Worte in die Irre gerathen kann. Wir können es daher nicht unterlassen, hier einige kleine Bemerkungen in Beziehung auf jene Stellen zu machen, wo Herr vr. P. hebr. Worte unnöthigerweise ans dem Persischen ableiten will. Bei Wörtern, die in der Mischna Vorkommen, dürfte wohl nur in den seltensten Fällen an eine persische Abstammung zu denken sein. Wir stimmen vollkommen ein in die folgende Bemerkung des Vers. S.!5: In der Mischna, Thofefta, Mechilta, dem jerus. Talmud und den spätern Midraschim macht sich das Griechisch-Römische, im babylonischen Talmud das Persische mehr bemerklich — und eben darum können wir den erwähnten Etymologien nicht beipflichten. S. 27 die Ableitung des in der Mischna (Anfang Baba Mezzia) vorkommenden Subst. rrr:: von dem Perf. tAlsan, arab. zrrvb-a, Kleid, Mantel, ist gewiß höchst gewagt; während Aruch, Elias Levita, Tischbi, ». v. dasselbe ganz richtig vom Lerburn bedecken, beschatten, wie niaa von nos, ableiten. Onkelos und Jonathan übersetzen 3 B. M. 23, .33: In Hütten habe ich wohnen lasten u. s. w. '121 y*::* nruno, d. h. unter einer Wolkendecke, Wolkenhülle habe ich wohnen lasten. Es scheinen also zwei Formen dieses Substantivs im Gebrauche gewesen zu sein u. z. nran und rn^a, Decke, Hülle. Sonderbar ist die Ableitung des hebr. mr. S. (15 aus dem Griechischen. Das Wort findet sich l B. Samuel 31, 12, wie scbon Landau, Aruch s. v. rrpj 2 gegen Mustasia richtig bemerkt. Ebenso versteigt sich der Vers, in gewagte Etymologien bei dem in der Mischna, (Peßachim 5, 7) vorkommenden Subst. na, Secte, Abtheiluug. Das Subst. na ist von nna zersplittern, zerstoßen, abgeleitet, wie z. B. nc von rrs und das lateinische sccta von seco. Dasselbe gilt auch von der Bemerkung S. 125 über pw n^2 Rosch haschaua Ik, 5. Die etymologische Erklärung des Talmud daselbst von (Jes. 5, 2) umringen, umzäumen, ist ganz richtig. Wir würden rva übers. Ringhaus, Ringplatz, von Npir im Aramäischen Ring, was auch im u. p. npxr der Fall zu sein scheint. Sehr richtig ist hingegen die Bemerkung über die Bedeutung der in der Massora vorkommenden.Puncte. S. '11: '21 mina nrnp: '■» daß nämlich die Puncte über den Buchstaben so viel als ein Durchstreichen derselben bezeichnen. „Wenn bei den Persern," heißt es bei Spiegel, „ein bereits geschriebenes Wort ungültig gern acht werden soll, so wird dies durch Puncte angezeigt, die man entweder über oder unter das Wort oder so-