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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-14 · Heft 7 (14.2.1871) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 7 (14.2.1871)
Date
1871-02-14
Page
Seite 147 (sequence 23)
Language
German
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Marsch, an dem nächsten Punkte, wo man den Jordan überschreiten konnte. Von seinen Häusern lagen manche in Naphthali, manche in Manasse; wer für griechische Leser schrieb, würde gesagt haben, sie hätten zum Theil in Galiläa, der Provinz des Antipas, zum Theil in Gaulonitis, der Provinz des Pilippus, gelegen; die beiden Hälften des Dorfes waren durch eine Brücke verbunden. Das kleine Städtchen war eine bedeutende Stadt geworden, eine Station auf einer großen Landstraße; denn als die Römer Syrien stark besetzten, legten sie die Straße von Ptolemais nach Damaskus an; sie führten dieselbe durch Scpphoris nach dem See, längs dem Wasser nach Kapernaum und von da am Rande der Jordan-Marschen hin nach Bethsaida, wo sie über den Strom ging. Um die römische Brücke herum hatte Philippus Gaffen, Mauern, Paläste und Thore gebaut. Er nannte seine neue Hauptstadt Julias, nach dem Namen der Tochter des Kaisers; denn Philippus war, wie sein Vater, ein großer Baumeister und ein großer Hofmann, und in der Hoffnung, in Nom sich Freunde zu machen, schmückte er seine junge Hauptstadt mit einem kaiserlichen Namen. Die Landbewohner nannten die Häusergruppe, die westlich vom Jordan stand, noch immer Bethsaida, und die einzige Veränderung, die sie auf der andern Seite machten, bestand darin, daß sie die neue griechische Stadt. Bethsaida-Julias nannten. Noch andere griechische Städte lagen den südlichen Küsten des Sees eutluug: Hippos, Gamala, Pella. Sie alle waren fremde, keine arabischen und keine jüdischen Orte. Westlich vom See, fast Gerasa gegenüber und ungefähr vier Meilen südlich von Magdala, baute Antipas Herodes eine neue große Stadt, die das von seinem Bruder Philippus erbaute Julias an Glanz überstrahlen sollte. Er gedachte dieselbe Tiberias zu nennen (d. i. Safed) und zur gewöhnlichen Residenz seines Hofes zu machen. Die neue Stadt wurde am Fuße eines steilen Hügels, ringsum die Gewässer einer heißen Quelle, auf den Trümmern eines namenlosen Städtchens und den Gräbern eines vergessenen Volkes angelegt. Ein großer Baumeister, wie alle Fürsten seines Geschlechts, konnte Antipas nun seinem Geschmack folgen und Tempel, Paläste und öffentliche Bäder bauen, die in römischem Geiste ausgedacht und in römischem Maßstab ausgeführt wurden, und schmeichelte damit zugleich jenem launischen Oberherrn, der ihn jeden Tag fvrtschicken konnte, um, wie sein Bruder, in einem entfernten Lande zu sterben. Die neue Stadt wuchs zusehends. Den Hügel krönte eine Burg. Von den Anhöhen liefen hohe Mauern bis in den See hinab. Die Niederung, die zwischen diesen Mauern lag, bedeckten Straßen und Tempel. Hoch über die anderen öffentlichen Bauwerke erhob sich ein prachtvoller Palast: ein Palast für den Fürsten und Hof; er hatte ein Dach von Gold und wurde deshalb als das goldene Haus bekannt. Ferner wurde ein Hafen geschaffen, ein Hafendamm aufgeworfen, eine Schleuste ge- 4 baut, und eine Flotte Kriegsschiffe und Lustboote tanzte auf der funkelnden Welle. Thürme schützten und Thore schmückten eine Stadt, die Antipas seinem Oberherrn widmete, auf seine Münzen prägte und zur Hauptstadt seiner Provinz, zur Residenz seines Hofes machte. Um die leeren Gassen, die er gebaut hatte, zu bevölkern, lockte er Leute von Stand aus ganz Galiläa und sogar aus Italien und Griechenland her. Er holte die Handwerker von Sepphoris, die Künstler von Ptolemais;' er erklärte Tiberias für eine freie Stadt, ein Asyl für die Unreinen, eine Zuflucht für die Armen, eine Heimath für die Verfolgten aller Secten und aller Nationen; er kaufte den Hauptleuten, die Sklaven im Kriege gefangen hatten, dieselben ab und gab diesen Sklaven die Freiheit unter der leichten Bedingung, daß sie sich in einer gesunden und gedeihenden Stadt niederließen, wo es Arbeit in Fülle gab und das Vergnügen wohlfeil war. Für manche Leute baute er Häuser, Anderen gab er Land. Er ließ Jedermann sehen, daß der kurze Weg,, seine Gunst zu erlangen, die Unterstützung seiner Pläne sei. Und Jedermann half ihm. Seine Freunde, seine Hauptleute, seine hohen Staatsbeamten bauten Paläste an der kleinen Bai. Häuser drängten sich die Hüaelwand hinauf, und der gcknze Raum. innerhalb der Mauern, selbst jener Theil desselben, der zwischen den alten Begräbnißplätzen lag, wurde bald von Wohnungen, Tempeln, Palästen und Capellen eingenommen. Tiberias bot den gewöhnlichen Anblick einer großen griechischen Stadt; man kann es sich als ein syrisches Bajä oder ein syrisches Pompeji denken. Es gab ein römisches Forum, einen öffentlichen freien Platz, auf dem das Volk zusammenkam. Es gab eineu königlichen Palast — das goldene Haus. Es gab ein Stadium, eine Rennbahn, in welcher die Jugend Galiläa's, den jüdischen Sitten zuwider, mit spartanischen Leibesübungen ihre Glieder stärkte und in olympischen Spielen ihre Gewandtheit bewies. Es gab ein Theater zur Ausführung römischer Lustspiele. Es gab einen Palast für den Staatsschatz, einen zweiten für das Staatsarchiv. Es gab eine Münze, die eine Reihe edler Münzen erzeugte. Es gab eine gewaltig große Easerne für die Truppen. Das goldene Haus, der Stolz und Ruhm von Herodes' Hof, zeigte die gewöhnlichen Zierden eines römischen Palastes: Adler, Löwen, Rosse, Büsten des kaiserlichen Volkes und Statuen römischen Götter. Die neue Stadt, obgleich von einem jüdischen Fürsten beherrscht und inmitten pharisäischer Weiler gelegen, war in keinem Sinne eine jüdische Stadt. Sie war ein syrisches Syracns: eine Stadt des Vergnügens, der Zuflucht, der Intelligenz, der Toleranz und der Macht, in der alle Fremden der Erde sich in Frieden und Sicherheit versammeln und, wie auf einen offenen Markt und ein gemeinsames Forum, ihre Sprache, ihre Sitten und ihre Götzen mitbringen konnten. Ja, unter dem Herodianischen Fürsten war die Stadt Tiberias eine römische

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