Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1871)
- Date
- 1871-02-14
- Page
- Seite 138 (sequence 14)
- Language
- German
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138 len Straßen sich nicht sehen lassen durften und von den Spaziergängen hinweggerricben wurden, wohnen in jenen gegenwärtig bereits alle Juden, welche auf etwas Bildung Anspruch machen, haben über 150 jüdische Kaufleute ihre Gewölbe in den übrigen Theilen der Stadt, und giebt es daselbst schon über 20 Hausbesitzer. Jetzt mehrt sich dies von Tag zu Tag, und mag die Zeit nahe sein, wo die kleinen und schmutzigen fassen des Judenviertels ebenso verschwinden, wie die Judengasse in Frankfurt am Main. — Auch Sie haben das Aneedötchen von dem französischen Major und dem preußischen Soldaten, von denen der Eine den Andern am Ausrufe des Schema erkannte, gebracht. Dasselbe Geschichtchen wurde 1806 von einem österreichischen und einem preußischen Soldaten, natürlich etwas anders gestaltet, und ebenso 1859 von dem Schlachtfelde bei Magenta erzählt. Sie können sie alle drei in Ihrem Blatte finden. Sb eine solche Historie auch ans dem Krimtriege u. s. w. berichtet worden, weiß ich nicht, möchte es aber voraussetzen, um so mehr, da sie auch in den deutschen Freiheitskriegen 1813 geschehen sein soll. Obschon die Sache an sich nichts unwahrscheinliches hat, so wird sic doch durch diese eonsequeute Wiederholung etwas weniger glaubwürdig, und da sie dies Mal mit gehässigen Nebendingen auftritt, möchte man doch denjenigen Danziger Juden, welcher darüber Kunde gegeben, um seinen Namen bitten — sonst muß man die Erzählung, lute ein französischer Major einen Christen hat hängen und einen Inden hat schonen lassen, für eine boshafte Aufwärmung einer alten Anekdote erklären. Saaz (Böhmen), 2-1. Jan. (Privatmitth.) In einer Zeit, wo religiöser Jndissereutismus allenthalben überhand nimmt, wo insbesondere die jüngere Generanon sich allem religiösen Interesse abweudet, ist cs in erfreuliches Zeichen, wenn es noch Männer in Israel gibt, die für die Sache des Glaubens cintreteu, und es sich zur schönsten Aufgabe ihres Gebens machen, ein junges Geschlecht zu erziehen, das mit riebe für das Judenthum und seine Literatur einst wirken werde. Herr Rabbiner Dr. Frank, dem der ReligionSunterricht am hiesigen Obergymnasium obliegt, hat seinen Einfluß dahin geltend gemacht, daß anfangs 2, gegenwärtig aber an i5 Gymnasialschüler au dem von ihm in zeitgemäßer Weise erthcilten Talmud unterrichte theilnehmcn und, angeregt durch Inhalt und Form des Gegenstandes, erfreuliche Fortschritte machen. Gewiß wird dieses die Denkkraft schärfende Studium den betreffenden Ghmnasialschülern einst, welchem Staude sic immer angehören werden, zu gute kommen. Oder schadet es etwa, wenn der tüchtige Jurist neben dem römischen auch das jüdische Recht kennt? Darum alle Anerkennung diesem Unternehmen, und es wäre höchst erwünscht, wenn dasselbe auch anderswo in unserem Baterlande Böhmen Nachahmung fände, dann und nur dann würde das Verlangen nach einem in der Hauptstadt Böhmens zu errichtenden Rabbinerseminar ein begründetes sein; denn solange es an Material, d. i. an gehörig für ein Seminar vorbereiteten Jünglingen fehlt, kann der Bau nicht in Angriff genommen werden, kann überhaupt von einem für Landeskinder zu errichtenden Seminar nicht die Rede sein. Auf also! schaffet das Material herbei! ihr von denen Israel mit Trost sagen kann: bst-is*’ to *o Israel steht, was geistige Kraft verbunden mit redlichem Streben anlangt, nicht vereinzelt da. Raftali Koch. Schweiz. Bern, 24. Januar. Bon hier berichtet man das Hinscheiden des Prof. Dr. med. Munk, über den wir auch in d. Bl. wiederholt Rühmliches zu melden hatten. Es lautet: Die Universität Bern, wie die ganze medicinische Wissenschaft hat einen großen Verlust erlitten. Am 22. dieses Monats Abends verschied zu Bern der Professor I)r. med. Philipp Mnnk im jugendlichen Alter von 37 Jahren. Wie telegraphisch mitgetheilt worden, wird die Beerdigung am Sonntag, den 29. d. At. in Berlin stattfinden und trifft der Leichnam am Freitag Abend von Bern in Berlin ein. — Philipp Munk, mehrere Jahre lang Toeent an der Universität Berlin, erhielt Ostern 1863 einen ehrenvollen Ruf nach Bern als ordentlicher Professor für Therapie und specielle Nosologie. Bor zwei Jahren verlieh ihm die Stadt Solothurn das Ehrenbürgerrecht. In der ganzen Schweiz stand er bald in den höchsten, wie den