Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1871)
- Date
- 1871-02-14
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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137 der Beschlüsse der Leipziger Synode, in welcher Männer saßen, die Fachkcnntniß haben, vor. So viel über die Form. Was den Inhalt der Beschlüsse selbst betrifft, so wollen wir .zugeben, daß diejenigen, welche um die Wiederherstellung eines jüdischen Reiches unter einer Davidischen Dynastie beten, ganz gute Patrioten sein können. Es wird jedoch zugegeben werden müssen, daß hier der größte Theil der jetzt lebenden Juden und insbesondere die Heranwachsende Generation durchaus nicht daran glaubt, daß ein jüdischer Staat wieder in Palästina entstehen werde, und selbst wenn er heute entstehen würde, so möchtet: sie nicht ihr Heimathland verlasset:. Man könnte sie deshalb nicht in Acht und Bann legen, da auch thatsächlich unter Esra ein großer Theil der Juden, und speciell die Leviten, in Babylon zurückgeblieben sind. Diese Inden verrichten also ein eoo nben, wenn sie tun die Rückkehr nach Palästina beten. Was die Wiederherstellung des Dpfercultus betrifft, so wollen wir nicht über dct: Geschmack streiten; aber fragen möchten wir, woher die veritablen Kohanim nehmen, nachdem keine Stamntbäume vorhandcti sind. Schließlich tnöchte ich ttoch folgendes Moment hervorheben , ans welches mich der gelehrte Herr I. H. Weiß atlfmcrksam machte. Wie die Mischna Sota i>. 47 mittheilt, stellte Jochanan das Gebet bei der Darbringung des Zehents (Deut. 26, 12—15) und die Bitte der Leviten (Psalm 44, 24): „Wache auf, warum schläfst du, o Ewiger" ein; und zwar jenes, weil die Leviten nicht den Zehent bekamen, und diese, weil die politischen Verhältnisse der Juden besser wäret:. Man entnimmt daraus, daß :nan nicht wollte, das Publicum solle etwas beten, was nicht wahr ist. Warum wollen wir jetzt frömmer- oder eigentlich unwahrer sein, als man es früher war? Pest, 6. Fcbr. (Privatmitth.) Ungarn hat einen großen Verlust erlitten. Ter Eultus- und lluterrichtsminister Baron Eötvös ist verstorben. Wenige Ungarn haben konsequent eine so wahrhaft humane und dem Rechte zugewendete Gesinnung gegen die Juden gehegt und erwiesen, wie der Verstorbene, den: dafür ein dankbares Gedächtnis unter uns verbleibet: wird. Nicht allein hat er stets in Rede und Schrift für die unbedingte bürgerliche Gleichstellung gesprochen und mit seinem großen Einflüsse gewirkt, sondern, wie verschieden man auch über den jüdischen Eongreß denken :nag, Eötvös' Absicht ging darauf aus, dem Judenthume eine den Kirchen gleiche Stellung zu schaffen uttd ihm aus autonomem Wege eine organische Verfassung Herstellen zu lassen. Daß die Parteien und die Parteiwnth unter den Juden so weit gehe, wie er eö hernach erfahren mußte, konnte er nicht wissen, sonst hätte er sich wohl gehütet, in ein solches Wespennest zu stechen, wo dann, nach Vergeudung vieler schönen Kräfte, doch nichts weiter erübrigt, als es sich selbst zu überlassen. Pest, 26. Januar. (Ung. isr. W.) In der heute abgehalteucn Generalversannnlung der hiesigen Gemeindercpräsentanz wurde der ihr vorgelegte Budget- Voranschlag der hiesigen Gemeinde pro 1871 ohne wesentliche Veränderungen angenommen. Die Summe des Bedarfes für das laufende Verwaltnngöjahr wird zu 113,577 fl. 29 kr. veranschlagt, ungefähr 10,000 fl. mehr als im Vorjahre. Hingegen sind die Eultusbeiträge für dieses Jahr um beinahe 9000 fl. höher geschätzt. Die Ausgaben für die Schulen sind mit 21,267 fl. 76 kr., die für „Wohlthätigkeit" mit 29,259 fl. veranschlagt. (Hiernach beträgt das Budget der Pester Geuteinde, obschon sie 11,000 Seelen mehr faßt als die Berliner, nur zwei Drittel des Etats der letzteren. Redact. d. A. Z. d. I.) Krakau, im Januar. (Privatmitth.) Mit tiefem Bedauern lesen wir auch hier von der großen Ueberschwenunung in Rout, und wie durch diese ganz besonders das tief liegende Ghetto schwer heimgesucht worden. Unwillkürlich dachte :uan an den dringenden Rath, welchen einer Ihrer Eorrcspoudentcu den römischen Juden nach den: Falle der päpstlichen Herrschaft gegeben, uäinlich das Ghetto so bald wie möglich zu verlassen und in andere Stadttheile zu ziehen. War dies vainals vom politischen und socialen Gesichtspuncte augerathen, so bewährte es sich nunmehr auch von der materiellsten Seite, da es um Erhaltung des Lebens und Eigeuthums sich handelt. Allerdings geht solche Verpflanzung einer Bevölkerung aus einem Stadttheile, wo sie seit Jahrhunderten, ich möchte sagen, genistet, in andere sehr langsam vor sich, bis erst der rechte Zug hineingekonimen. So ging es auch hier in Krakau mit dem Kasinüerz. Während bis 1848 die Juden an den christlichen Feiertagen in vie-