Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1871)
- Date
- 1871-02-14
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
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134 des Abgeordnetenhauses setzte sich die k. Regierung mit dem Rabbiner Di*. Cohn wegen Uebernahme der Inspektion in Verbindung. Cs wurden von demselben die Zeugnisse über seine wissenschaftliche und pädagogische Befähigung eingefordert, außerdem eine pädagogische Arbeit von ihm verlangt. Nachdem diesem genügt worden, wurde derselbe von der k. Regierung als Schulinspector für die jüdische Schule bestätigt und vom Landrath im Beisein des jüdischen Schulvorstandes und der Lehrer vereidigt und in das neue Amt eingeführt. (Dstd. Z.) Bonn, 6. Febr. (Privatmitth.) Hinsichtlich des Ranges als Regimentsärzte ist uns mitgetheilt worden, daß bereits seit dem Beginne dieses Feldzuges mehrere Stabsärzte jüdischer Religion dazu avancirten. — Die alte Wahrnehmung, daß Judenverfolgungen und Judenbedrückungen nicht als ein Nebel für sich, sondern nur als ein Symptom innerer Fäulniß und Zersetzung in einem modernen Staate anzusehen sind, bewährt sich jetzt wieder einmal gründlich an den D o - n a u f ü r st e n t h ü m e r n, die an innerer Zerrüttung so weit gekommen sind, daß der Fürst Karl zu resignircn entschlossen ist. Ein Artikel in der A. A. Z. erkennt an, daß die beiden in Rumänien vorhandenen Dolkselemente, die Bojaren und die Bauern, von der rohesten und faulsten Art seien, welche bei einer hyperdemokratischen Verfassung nur der Spielball der eigennützigsten und das Land ausbeutenden Parteiführer sind, daß es hingegen an einem Mittelstände, auf welchen sich die Negierung stützen könne, gänzlich fehlt, da das bedeutendste Material hierfür in den Juden enthalten sei, die man aber rechtslos gemacht habe. Was hilft aber diese Einsicht, wenn die Krankheit des Staates und die Schwindsucht des Volkes bereits bis zur Unheilbarkeit gediehen. — In der jüngsten Zeit sind in den Angelegenheiten des Papstth um s wieder einige Thatsachen hervorgetreten, welche immerhin als kennzeichnend zu erwähnen sind. Victor Emanuel war in Rom, und der Papst wohnt noch immer im Vatikan. Es wird also kein vollständiger Bruch eiutreten, und da das italienische Parlament ein Garantiegesetz für die Selbstständigkeit des Papstes votirt hat, so wird voraussichtlich die päpstliche Leitung der katholischen Kirche auch ohne die weltliche Herrschaft weiter vorsichgchcn. Dies ist aber auch eine Garantie, daß Rom Italien cinverleibt bleibt, und daselbst nicht die Grundsätze des Sytlabus, sondern der Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung dauernd Geltung haben. In Brüssel haben die sämmtlichen belgischen Bischöfe und der päpstliche Nuntius eine Pilgerfahrt und kirchliche Feier zu Gunsten der weltlichen Herrschaft in Scene gesetzt. Der Act machte aber Fiasco und endigte mit einer Prügelei. Man versichert, daß durch die letztere Nom dem Papste nicht zurückgegeben wird. So viel sehen wohl nun auch die Ultramontansten ein, daß sich zur Herstellung des Kirchenstaates wohl noch ein paar Zungen und Federn rühren, sonst aber weder Hand noch Fuß. Andrerseits hat der bekannte Pater Hyacimhe einen Aufruf an die katholischen Bischöfe erlassen, in welchem er besonders denen, welche im Concil dem Unfehlbarkeitsdognia Opposition gemacht, ihr Verfahren vorhält, trenn sie jetzt Andere zu diesem Dogma zwi ngeu wollen. Er fordert zu einer „katholischen SJcform" auf, stellt aber als deren Bedingungen fünf hin, welche, wenn ihnen genügt wird, vom Katholicismus eben nichts anderes als den Protestantismus übrig lassen. Warum also nicht einfachzu diesem übergehen? Nach unserer Ansicht ist die neuere Zeit nicht geeignet, neue Kirchen und Seelen dauernd zu schassen, sondern die Entwickelung muß von innen heraus und an einer der bestehenden Kirchen vorsichgehen, sobald diese Kirche der Entwickelung überhaupt fähig ist, waS man von der katholischen als solcher nicht behaupten kann. P. Hyacinthe spricht von der Rückkehr „zur Lauterkeit der altkatholischen Kirche/' Dies ist nach der Geschichte eine Illusion. Wenn er die christliche Urgemeinde darunter verstände, so wurde diese mit der Ausbreitung des Christenthums unmöglich. Die katholische Kirche aber besaß von Anfang an von jener erträumten Lauterkeit nichts, da sie sich nur aus dem furchtbaren Blutbade und der Schädelstätte der mit dem Schwerte uiedcrgekämpften Arianer, Socinianer u. s. w. erhob. Oestcrrcichischumiarifck Monarchie. Wien, 31. Jan. lPrivatmitth). Die Wiener Gemeinde, in welcher .bis jetzt der Friede ziemlich erhalten worden, obgleich es an Versuchen, ihn zu stören, nicht gefehlt hak, ist nunmehr gleich ihrer Schwcstergemeinde Berlin der Schauplatz großer Aufregung, und man hört bereits von der orthodoxen Seite die Drohung der Separation. Es ist überall dasselbe Lied, und diese