Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1871)
- Date
- 1871-02-14
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Soldaten jüdischer Religion in den deutschen Heeren. Die statistischen Mitteilungen wurden uns ferner zugesandt von den Gemeinden: Frankfurt a. d. Oder, Mogendorf, Wiede-Selters, Grenzhausen, Meudt, Landsberg i. Obcrschl., Regensburg, Poln. Crone, Lenzen, Hamm, Unna, Staven- I) a gen (Mecklenburg), Potsdam, Darcun, Ca men, Gnesen, Jutroschin. Da in den uns zukommenden Zuschriften dann und wann die Angabe der Scelenzahl der jüdischen Gemeinde fehlt, diese uns aber betreffs des Zweckes von besonderer Wichtigkeit ist, so bitten wir, diejenigen, welche diese Angabe zu machen unterlassen haben, sie uns nachträglich zu machen. Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Straßbnrg, Met; und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. Aus Gleicher wiesen von HH. Em. Selig - mann, A. Seligmann und Lehrer Cramer zus. 3 Thlr. I. Jordan in Hechingen (10 fl.) 5 Thlr. 21 Sgr. 0 Pf. B. Holländer in Leobschütz 10 Thlr. W. Lichtenstädter in Baiersdorf (10 fl.) 5 Thlr. 21 Sgr. 0 Pf. Gesammtsumme: 807 Thlr. 2 Sgr. und 290 Frcs. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Januar. „Jüdische Dogmen. Offenes Sendschreiben an den Herrn Dr. Ignaz Hirschler, Eigenthümer des Izraelita Küzlöny, Bon Leopold L vw. Pest, Aigner 1871." An die Streitigkeiten über den jüdischen Congreß in Ungarn hat sich auch eine Diseussion allgemeineren Inhalts geknüpft, welche in der angeführten Broschüre ihren Ausdruck findet. Ohne uns in den Congreßsteit weiter einzulassen, können wir doch die jetzt ventilirte Frage nicht mit Stillschweigen übergehen. Gegenüber der Schrift des Herrn Oberrabbiners Leopold Löw über „den jüdischen Congreß in Ungarn" hatte ein Recensent derselben im Izraelita Küzlüny behauptet, daß ein Hauptsatz im Programm der Congreßmajorität gewesen, das Judenthum kenne keine Dogmen. Dies war eine Behauptung, welche dem Gegner die willkommenste Gelegenheit bot, ihn ad absurdum zu führen. Es ist bekannt, daß die Behauptung, das Judenthum sei dogmenlos, von Moses Mendelssohn in „Jerusalem" ausgegangen, daß diese Ansicht nach der damaligen Geislesrichtung bei den Juden vielen Anklang fand und verheerend genug wirkte, daß sie aber längst als ein glänzendes, aber falsches Sophism erkannt und erwiesen worden. Jener Reeensent muß daher noch auf dem alten Mendelösohn'schen Standpuncte stehen, oder sich aus Nützlichkeilsgründen augenblicklich dazu bekannt haben. Wir unsrerseits können auf den Widerspruch Hinweisen, den wir dagegen schon 1834 und 1837 erhoben. Für einen Schriftsteller von so ausgedehnter Belesenheit und so großem Scharfblick, wie Löw, war es daher eine leichte Aufgabe, die Behauptung seines Gegners zunichte zu machen. Da er aber in der vorliegenden Schrift den Gegenstand von den verschiedensten Gesichtspuncten aus, nämlich vom exegetischen, philosophischen, theologischen, geschichtlichen, rituellen, pädagogisch-didaktischen und liturgischen, wenn auch nicht erschöpfend, das lag nicht in der Absicht des Autors, doch überall lichtvoll und beweissührcnd, behandelt, so hat sie auch einen bleibenden Werth, bis die jüdische Dogmengeschichte eine ausführliche und gründliche Bearbeitung gefunden haben wird. Die Geschichte der Religion, der Theologie und Philosophie bietet die räthselhaftesten Erscheinungen, und deshalb mögen wir uns auch nicht wundern, wenn der Uebersetzer des Pentateuchs, dessen erste Worte ein Dogma enthalten, behauptete, das Judemhum hätte keine solche. Der längst entschiedene Streit möchte aber hiermit seinen Abschluß gesunden haben. — Die größere Schrift, an welche sich die obige Broschüre anschloß, ist: „Der jüdische Congreß in Ungarn, historisch beleuchtet. Beitrag zur Rechts-, Religionsnud Culturgeschichte. Von Leopold Löw. Pest, Aigner, 1871." (332 und XIV S. gr. 8). Der Berfaffer wollte in diesem Werke Nachweisen, daß der jüdische Congreß, seine Idee und Tendenz, für die ungarischen Juden nichts Neues gewesen seien, sondern nur ein abermaliger Versuch einer Bestrebung, die seit 1790 in Ungarn Platz gegriffen. Zu diesem Ende stellt er die Geschichte der Juden in Ungarn seit 1790 nach der zwiefachen Richtung dar, die bürgerliche Emancipation zu erlangen und eine jüdische Kirchenver-