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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-14 · Heft 7 (14.2.1871) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 7 (14.2.1871)
Date
1871-02-14
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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129 Vorsehung einen erziehlichen Zweck, zu dessen Erfüllung Gott den Menschen prüft und leiden läßt, damit er geläutert daraus hervorgehe, und zwar aus kurzem Leid zu dauerndem Segen. Er sagt (18, 12): „Der Mensch erbarmt sich seines Nächsten, der Herr erbarmt sich alles Fleisches strafend und erziehend, und lehrend und zurückführend, wie ein Hirt seine Heerde." (1, 20,: „Nur kurze Zeit braucht der Langmüthige auszuhalten; am Ende wird ihm Freude zurückgegeben." (2, 5): „Denn im Feuer wird das Gold erprobt, und die bei Gott beliebten Menschen im Schmelzofen des Leidens." (.86, 1): „Wer den Herrn fürchtet, dem wiederfährt kein Leid; er wird nur geprüft und wieder gerettet." (11, 20): „Der Segen des Herrn ist der Lohn des Frommen; in kurzer Zeit blüht sein Segen auf." Biel höher an Gedanken wie an poetischer Rede steht das an die Einleitung der Spr. Sal. und am ähnliche Lobpreisung und Personisicirung der Weisheit in der heil. Schrift (z. B. in Hiob) sich anschließende Buch der „Weisheit Salomons." Der Verfasser kommt auf dem Gebiete unserer Frage zu einem neuen Moment, welches, früher vorbereitet, auch wohl vor unserem Verfasser schon verbreitet, zukünftig die wichtigste Stelle in der Bergeltungslehre einnehrnen sollte. Wir meinen die Unsterblichkeitslehre, die Vergeltung im Jenseits. Schon Hiob fühlt den Trost der Unsterblichkeit des Geistes mitten in seinem Leid. Aber von dein realistischen Standpuncle, von welchem er die menschlichen Geschicke und das Verhältniß derselben zu Gott betrachtet, vermochte er noch nicht, der Unsterblichkeitslehre einen größeren Naum, eine entschiedenere Mitwirkung bei der Lösung unserer Frage zu geben.*) Der Verfasser der Weisheit Salomons faßt aber die Bedeutung dieses Theorems für die Bergeltungslehre tiefer auf. Allerdings weiß auch er, daß die göttliche Vergeltung an dem Gerechten, wie an dem Bösewicht in diesem irdischen Lebeben vorsichgeht (1, 0); er schildert den Untergang der Sünder nach kurzer Blüthezeit, die Vereitelung ihrer Hoffnungen, die Zerstörung ihrer Werke, den Verlust ihrer Güter, den Sturz ihrer Macht und den Fluch ihres Andenkens mit lebhaften Farben. Auch ihm ist das Unglück der Gottesfürchtigen und Gerechten theilö eine *) Die hierhergehörigen Stellen sind: 1-1, 1-1. 10, 25—27, s. unsere Erklärung derselben in uns. Vibelwerke z. St. und unsere Bemerkungen hierüber in uns. Neligionölehre, Th. II. S. 238 f. Züchtigung für Fehltritte und Schwachen, theils eine Prüfung, aus welcher sie geläutert hervorgehen. Ja, er sieht die ganze Schöpfung Gottes bestimmt, zur Belohnung der Guten undzur Bestrafung der Bösen zu dienen, wie er sagt l 16, 24): „Denn deine Schöpfung, gehorsam dir als ihrem Schöpfer, dienet als Strafe gegen die Bösen, und wiederum als Wohlthat für die, welche an dich glauben." Dennoch sieht er diese Ausgleichung in Lohn und Strafe während des Erdenlebens nicht vollständig geschehen, und ist ihm hierfür besonders der oft frühzeitige Tod der Gerechten, sowie der Sünder ein Erweis. Dafür tritt nun das göttliche Gericht nach dem Tode des Menschen ein, und dieses breitet denn die Fülle der Seligkeit auf die Seelen der Gottesfürchtigen und des Verderbens auf die der Gottlosen. Dies ist auch die nothwendige Folge, sobald eben die Unsterblichkeitslehre ihre ganze Stellung im religiösen Bewußtsein des Menschen eingenommen hat. Erscheint dann das Erdenleben nur als eine Vorbereitung, als eine Entwickelungsstätte zum jenseitigen Dasein, so kann die vollständige Ausgleichung auch nur jenseits geschehen, wo des Menschen Geist mit seinem beendeten Erdenwerke sowohl vor der Verantwortlichkeit für sein Thun als Mensch, als auch vor dem Beginne seines neuen Daseins und mit welcher geistigen und sittlichen Entwickelung er in dasselbe eintritt, steht. Die Worte des Verfassers sind (3, 4 — 7): „Und wenn sie (die Gerechten) auch vor den Augen der Menschen gezüchtigt werden, so haben sie doch feste Hoffnung auf Unsterblichkeit. Und wenn sie ein weniges gezüchtigt werden, so werden sie großen Gutes theilhaftig;. denn Gott prüfte sie und fand sie seiner werth. Wie Gold im Schmelzofen prüfte er sie und nahm sie an wie ein vollkommenes Opfer. Zur Zeit ihrer Vergeltung werden sie strahlen und wie Funken am Halme emporlaufen." (2, 10) „Die Gottlosen aber erhalten, je nachdem' sie gedacht haben, Strafe, da sie die Gerechtigkeit vernachlässigten und vom Herrn abfielen." (2, 18. iO): „Wenn sie (die Gottlosen), aber zeitig sterben, so werden sie keine Hoffnung haben, und ain Tage des Gerichts keinen Trost. Denn des sündigen Geschlechts Ende ist traurig." (4, 7): „Der Gerechte aber, wenn er auch zeitig stirbt, befindet sich in seliger Ruhe." Vgl. noch ausführlichere Schilderung 4, 10. 20. 5, 1. 2. 3 ss. 15 sf. (Fortsetzung folgt.)

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