Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-02-14 · Heft 7 (14.2.1871) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 7 (14.2.1871)
Date
1871-02-14
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226798-3226806--29194-3252021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

126 tholischen Cultus, nämlich für die Bisthümer und ihre Institute, Geistliche und Kirchen zusammen 555,657 Thlr. 22 Sgr. Wir ersehen also, daß während die Katholiken an Zahl etwas über die Halste der Protestanten betragen, ihr Cultusetat den der protestantischen Kirche ungefähr um ein Drittel desselben übersteigt. Das numerische Verhältniß der Bevölkerung hat also hierauf keinen Einfluß, und es kommt auf den Kopf bei den Protestanten I Sgr. 2 Pf. Cultusetat, während bei den Katholiken auf den Kopf 3 Sgr. 3 Pf. kommt. Wir werden hierauf zurückkommen. Es bietet sich aber noch eine andere Thatsache dar, die dasselbe beweist, aber im entgegengesetzten Verhältniß, und welche wir hier detailliren wollen, weil sie möglicherweise für uns von besonderer Wicktigkeit werden könnte. In die eben angeführten Etats sind die Schulangelegenheiten nicht miteinbegriffen, und so auch nicht die Universitäten, welche einen Specialetat für sich haben. An den Universitäten befinden sich aber nun theologische Facultäten, und zwar theils evangelische, Lheils katholische. Die evangelisch-theologischen Facultäten sind folgende: Königsberg mit 7 Professoren bei 7257V2 Thlrn. Gehalt, Berlin mit 10 Professoren bei 12,500 Thlrn. Gehalt, Greifswalde mit 4 Prof, bei 5100 Thlrn. Gcb., Breslau mit 5 Prof, bei 6400 Thlrn. Geh., Halle mit 10 Prof, bei 11,500 Thlrn. Geh., Kiel mit 5 Prof, bei 7220 Thlrn. Geh., Göttingen mit 9 Prof, bei 11,150 Thlrn. Geh., Marburg mit 7 Prof, bei 7569 Thlrn. Geh., Bonn mit 6 Prof, bei 7550 Thlrn. Geh.; also 9 Facultäten mit 63 Prof, bei 7 5,576 V2 Thlrn. Gehalt. Dahingegen bestehen nur drei katholisch-theologische Facultäten, nämlich: Breslau mit 7 Prof, bei 5500 Thlrn. Geh., Münster mit 7 Prof, bei 4500 Thlrn. Geh., Bonn mit 5 Prof, bei 6900 Thlrn. Gehalt; also 3 Facultäten mit 22 Professoren bei 17200 Thlrn. Gehalt. Es kosten demnach die theologischen Facultäten für die Protestanten dein Staate 4 V2 Mal so viel, wie die katholischen. Die Erklärung findet dieser Umstand darin, daß alle protestantischen Geistlichen auf der Universität studirt haben müssen, während die Mehrzahl der katholischen Priester auf den bischöflichen Seminarien gebildet werden. Während demnach auch aus dieser Thatsache hervorgeht, daß das numerische Verhältniß der Bevölkerung bei dem Cultusetat ohne entscheidend? Berücksichtigung bleibt, erweist es sich, daß das Bedürfniß den wesentlichen Factor bildet. Die katholisch-theologischen Facultäten, obschon sie nur drei zählen im 'ganzen Staate, sind dennoch durchaus nicht übermäßig von Studirenden besucht, so daß ein weiteres Bedürfniß nicht vorliegt, welchem, wenn es vorhanden, sicherlich genügt würde. Für uns ist diese Einsicht von Bedeutung, da unsere Seelenzahl gegen die beiden Religionsparteien nur eine geringe ist. III. Haben wir die Gewißheit erlangt, daß in Preußen der Staat, wo er zu Cultnszwecken seine Mittel hergiebt, sich nicht nach dem numerischen Verhältniß richtet, so hat dies für die Angelegenheit der Juden eine sehr entschiedene Bedeutung. Wir wollen, um uns dies vollständig klar zu machen, den Cultusetat für 1871, so weit er aus der Vorlage für die beiden Häuser des Landtags klar erkenntlich ist, zusammenstellen. Es werden verausgabt für das Ministerium, welches Cultus, Unterricht und Medicinalangelegenheiten begreift, 149,260 Thlr., so daß wir für den Cultus 60,000 Thlr. rechnen können, es ist dies aber blos für den christlichen, da die Juden unter dem Ministerium des Innern stehen. Der evangelische Cultus erfordert zuerst 615,522 Thlr. 23 Sgr. 10 Pf., und dann im Besondern 391,270 Thlr. 7 Sgr. 9 Pf., für den katholischen Cultus 858,657 Thlr. 22 Sgr., und dann im Besondern 448,925 Thlr. 4 Pf. Ferner für die theologischen Facultäten zusammen 93,7.76 Thlr. Hierzu kommen noch einmalige Ausgaben für den katholischen Cultus: 70,546 Thlr. Dies macht die Gesammtsumme von 2,538,697 Thlrn. 23 Sgr. 11 Pf. Dies wird also für den Cultus der 23,565,569 evangelischen und römisch-katholischen Christen verausgabt. Allerdings ist diese Angabe nicht ganz vollständig, denn es fällt noch manche Summe für geistliche Schulräthe, die also nur Kirchliches wahrzunehmen haben, u. s. w. ab. Jndeß alterirt dies die Hauptsumme wenig. Wie viel könnten nun nach numerischem Verhältniß die Juden beanspruchen? Da sie 313,156 betragen, so würde die zu beanspruchende jährliche Summe nicht mehr als 33,400 Thlr. betragen. Wie gering ist aber diese Summe gegen den Kostenaufwand, welchen der jüdische Cultus den Gemeinden verursacht! Die Ursachen, warum der jüdische Cultus im Ganzen ungemein bedeutendere Kosten macht als der christliche, sind bald zu finden. Die Hauptsache liegt in der ungeheuren Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung, so daß die Gemeinden verhältnißmäßig nur eine geringe Seelenzahl befassen. Wir hatten in Preußen vor 1866

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.