Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1871)
- Date
- 1871-01-31
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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94 WKV nagen"; dies habe die Zerstörung des Tempels hcrbeigeführt und werde die Verinehruug der Leiden des Exils zur Folge haben u. s. w. Ich konnte mir es nicht versagen, mit diesem Weisen nach beendigtem Gottesdienste eine Unterhaltung anznknüpfen und mich dahin zu äußern, daß er doch wohl besser daran gethan hätte, jene jcsaianischcn Worte nicht spärlich, sondern ganz buchstäblich zu nehmen und seinen Zuhörern die großen Vorzüge einer guten, aromatischen Seife, spiegelklarcn Wassers und einer probaten Stiefelwichse auseinanderzusetzen und deren tagtäglichen Gebrauch recht dringe nd an's Her; zu legen. — Daß von solchen Männern, die an der Spitze der Gemeinden marschircn, nicht viel Heil für dieselben zu erwarten, liegt auf der Hand. Nordamerika. New-Iork, 3. Januar. lPrivatmitth.) Sie haben 'über die jüngste Eonferenz von Rabbinern, Predigern u. f. w., die hier stattgefnnden, ausführlich nach dem Hebrew Leader berichtet. Sie werden bemerkt haben, daß diese Eonferenz ans ganz anderen Elementen bestand, als die Rabbinerconferenz von 1869. Ich bin nun fern davon, ein Urtheil über die eine oder die andere abgeben zu wollen, oder über die Tendenzen und die Kräfte der Versammelten abzusprechen. Im Gegeutheil finde ich viel löbliches in diesen Bestrebungen, die vereinzelten Kräfte zu vereinigen, um Etwas zu Stande zu bringen , was für Biele passen und so vor allzu großer Zersplitterung und Verschiedenheit schützen möchte. Es ist so leicht, zu spötteln und zu tadeln, aber für die Gesammlheit etwas 'Nützliches zu schassen, ist sehr schwierig, und müßte daher schon jeder Versuch Anerkennung finden.!. Ucber die Resultate läßt sich dann weiter sprechen. - Das Nebel besteht darin, daß es an 'Ausdauer fehlt,' daß man alsbald reife Früchte sammeln will, daß Alles gleich fertig sein sott, und da dies nicht möglich, ist, schüttet man das Kind mit denr Bade aus. Ich', wollte nur aussprechen, daß uacf> dem Verlaufe dieser' beiden Eonfercnzen es nun wohl auch hier zu Lande mit denselben zu Ende sein werde. In Europa wie in Amerika hat es sich erwiesen, daß durch derartige Versammlungen nichts zu Stande kömmt. Der Geist der Vereinzelung, des Individualismus, eine Folge der 1800jährigen Zerstreuting ist zu stark. Keine Gemeinde will auf ihre völlige isolirte Autonome verzichten, keine auch nur ein Haar breit von dem einmal gewonnenen Standpnrtet abgehen, um sich mit anderen zu einer einheitlichen Form, zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinigen. Derselbe Geist ist in den geistlichen Führern, rnögen sie Rabbiner, Prediger oder Lehrer heißen, vorhanden. Möge er sich aber auch in diesen vermindern und immerhin eine kleine Anzahl derselben im Stande sein, sich zu vereinbaren, so fiiibcn sie dafür keinen Anklang bei ihren Gemeinden und müssen somit das Werk anfgeben. Dies ist der wahre Grund, warum die Rabbitterversammlungen in Deutschland uitb warum die hiesigen Conferenzen erfolglos geblieben. Würden die Betreffenden sich entschlossen haben, demuitgeachtet immer wieder, viele Jahre hindurch, zusammenzukommen, so würde die Wirkung doch nicht ausbleiben. Dazu ist aber wieder der Geist der Bereinigung zu schwach in ihnen. Es bleibt daher für die Zukunft kein weiteres gemeinsames Band, als die Literatur und insbesondere die periodische Presse. Diese muß uns alle Mittel der Verständigung und der Vereinigung ersetzen. Die Wirkung . muß dann in jeder einzelnen Gemeinde nach deren Maßen sich allmälig geltend machen. Möchte die jüoische Presse diesen ihren Beruf begreifen, und nicht auch ihrerseits durch Selbstsucht, Hader, Vei> lcumdungssucht, Halbheit und die Beschäftigung mit unbedeutenden, nichtssagenden Dingen die Achtung vor ihr und ihren Einfluß untergraben. Es ist dies ein Gegenstand, über welchen auch hier zu Lande sich Vieles sagen ließe. Aber wo das eigene Bewußtsein und die innere Würde nicht das Richtige von selbst treffen, helfen Worte nichts, Klagen noch weniger. Nachtrag. (Literarischer Wochenbericht). Dppel n, im Januar. Im Anschluß an meinen Artikel in Rr. 12, Jahrgang 1870, Ihrer geschätzten Zeitschrift mache ich Sie, wie die geehrten Leser Ihres Blattes auf eine von Wilhelm Reuter edirte „Geschichte der poetischen Literatur Deutschlunds" ausmerk-