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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-31 · Heft 5 (31.1.1871) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 5 (31.1.1871)
Date
1871-01-31
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 Schriftsteller", letztererLber „Kaiser Julian und die 3ip den." Beide Verträge waren, wie das die in i^ncii behandelten Themata mit sich bringen, wissenschaftlich gehalten und hat die beifällige Aufnahme, welche sie gefunden, gezeigt, daß die Wissenschaftlichkeit des Vortrages den Vortragenden nicht um den verdienten Beifall bringt. Auf Ansuchen der Repräsentanz der böhmischen Vandcsjudenschaft hat das Ministerium für Cultus und Unterricht sich für bereit erklärt, das aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts stammende Institut der Kreisrabbinate aufzulassen und die Repräsentanz zur Abgabe eines Gutachtens über die Uebergangsbestimmungcn aufgefordert. Dieselbe hat nun in einer gestern stattgehabten Sitzung beschlossen, an Stelle des Kreisrabbinatcs das Bezirksrabbinat vorzuschlagen. Mehrere kleine Gemeinden, von welchen jede eiitzelne nicht im Stande ist einen Rabbiner auszuhalten, sollen freiwillig sich vereinigen und sich gemeinschaftlich einen Rabbiner aufnchmen, welcher dann den Titel Bezirksrabbiner führen wird. Diejenigen von den Kreisrabbinern, welche keine Anstellung als Bezirksrabbiner finden werden, sollen Ruhegehalt beziehen. Wer das Institut des böhmischen Kreisrabbinates kennt, wird zugeben, daß es schon längst ein Anachronismus und dessen Auflassung schon längst an der Zeit gewesen wäre. Der böhmische Kreisrabbiner ist nämlich in der Regel ein Rabbiner ohne Gemeinde und hat nur die Aufgabe, die Amtsthätigkeit der in seinem Kreise sich befindenden Gemeinderabbiner zu überwachen. Ad vocem Anachronisnius. Die hiesige Tempelgcmeinde führt den ofsieiellen Namen: Verein für geregelten Gottesdienst. Abgesehen davon, daß dieser 'Name von Anfang an nicht glücklich gewählt war, indem er besagt, daß es bei den Juden auch einen ungeregelten Gottesdienst giebt und so das Sprichwort von der Judenschulc indirect bestätigt, entspricht er auch schon längst nicht mehr den factischen Verhältnissen. Hat ja Herr Pros. Kaempf selber in seiner Festpredigt den wohlthätigen Einfluß hervorgehoben, den der Tem pel auf die andern Synagogen in hiesiger Gemeinde ausgeübt, indem viele von ihnen, dem Tempel nacheifernd, sich zeitgemäß reformirt und die Liturgie des Tempels bei sich eingeführt haben. Wäre es daher nicht auch an der Zeit, den Namen Verein für geregelten Gottesdienst „aufzulassen" und sich einen andern den sactischeu Verhältnissen uickn widersprechenden zu geben'? Przemysl, im Januar. (Privatmitth.> Unsere Geineinde. welche bis jetzt von eitlem sozlisagen lethargischen Schlummer befallen war, wurde endlich durch das geräuschvolle 'Rotten des kolossalen Zeirrades aufgerüttelt, und fängt au Lebenszeichen von sich zu geben. Im Laufe von noch nicht zwei Jahren haben sich hierorts zwei Vereine gebildet. Der eine führt den Titel „Israelit. Fortschrittsverein," der zweite trägt den Namen '„RoLef Zeduku Wescholem." 'Roch ein dritter der „Bikur Cholim Verein" ist im Stadium der Bildung begriffen, welcher sich u. A. zur Generalaufgabe macht, a) die im Spitale liegenden Kranken täglich zu besuchen, bi darüber zu wachen, daß dieselben sorgfältig gepflegt und mir allem Erforderlichen versehen werden, und e) den Reconvalescenten unter die Arme zu greisen. Allerdings entspricht der Fortschrittsverein vorläufig seinem Zwecke nicht ganz, indem für die Unterhaltung bei weitem mehr geleistet wurde als für den Fortschritt. Weit weniger ist der zweite Verein seinem so schönen Programme nachgekommen, indem derselbe anstatt Frieden, Zwietracht, anstatt die Bruderliebe zu wecken und zu erhalten, Haß und Hader hervorgerufen, und anstatt anfzubauen, zu zersetzen und niederzureißen bestrebt ist. Diese Ucbel dürfeil jedoch nicht dem Vereine, sondern der verblendeten infallibel scinwollenden Leitung zugeschrieben werden, und dürste diesen um so gewisser Einhalt gethan werden, als ein großer Theit der Vereins Mitglieder diese Art des „Fnedenstiftens" mißbilligt und zu der Einsicht gelangt ist, daß auf dem Felde der Zwietracht die Saat des Friedens und Fortschrittes nicht gedeihen könne. Segensreichere Erfolge und weit schönere Resultate ist man von dem nun sich bildenden Vereine Bikur Cholim zu erwarten berechtigt, da derselbe „Humanität und Menschenliebe" aus seine Fahne geschrieben hat. Möge sich dieser Verein einer lebhaften und ausgebreiteten Theilnahme erfreuen, um den so edlen Zweck erreichen zu können. Ein Gemeindemitglied. 5*

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