Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1871)
- Date
- 1871-01-31
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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89 Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 20. Januar. <Privatmitth.> In Ihrem Blatte, welches die Idee vertritt, daß jeder Fortschritt auf dem Gebiete der Humanität und (Gewissensfreiheit auch ein Gedeihen und eine Erfüllung des Judenthums bedeutet, wird die soeben vom k. k. Unterrichtsministerium herausgegcbene Diensteidcsformel für die anzustellenden Lehrer, besonders die Religionslehrer aller Eonfcssioncn, um so eher eine Stelle finden, als auch jüdische Lehrer in den Fall kommen werden, diesen Eiv zu leisten, z. B. die israelitischen Religionslehrer au den k. k. Gymnasien. Sie werden leicht bemerken, welch ein Fortschritt in Form und Inhalt in diesem Eide enthalten ist; man braucht nur rückwärts an das Concordat zu denken. Die Formel lautet: Nachdem Sie als .... angestellt worden und, so werden Sie einen Eid zu Gott dem Allmächtigen schwören und bei Ihrer Ehre und Treue geloben, Sr. Majestät dem Allerdurchlüuchtigsten Fürsten und Herrn, Franz Joseph dem Ersten, von Gottes Gnaden Kaiser von Desterreich u. s. f., und nach Allcrhöchstdemselbeu den aus Allcrhöchstdessen Stamm und Geblüte nachfolgenden Erben unverbrüchlich treu und gehorsam zu sein, die Sraatsgrundgcseye unverbrüchlich zu beobachten, die Gesetze, sowie die Anordnungen Ihrer Vorgesetzten Behörden strenge zu befolgen, Ihre Dienstpflichten nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen und jeden wie immer gearteten Mißbrauch Ihres Amtes sorgfältig zu meiden. Sie werden schwören, dem Leiter der Anstalt, an welcher Sie zu wirken berufen sind, mit Achtung und Gehorsam zu begegnen, ein harmonisches Zusammenwirken mit Ihren Berufsgenossen stets anzustreben, Ihren Schülern in Allem mit gutem Beispiele voranzugehcu, unter denselben nicht nur die Kenntnisse, für deren Lehre Sie bestimm»- sind, sondern auch den Sinn für Religiosität, Sittlichkeit und gesetzliche Drduung nach allen Ihren Kräften auzuregen und zu verbreiten, bei der Beurthcilung der Leistungen der Schüler mit gewissenhafter Strenge und Unparteilichkeit vorzugehen und sich von diesen Pflichten durch keinerlei Rücksichten jemals abwendig machen zu lassen. Sie werden endlich angeloben, daß Sie einer ausländischen, politische Zwecke verfolgenden Gesellschaft weder gegenwärtig augeheren, noch einer solchen Gesellschaft in Zukunft angehörcn werden. Was mir soeben vorgehalten wurde und ich wohl und deutlich verstanden habe, dem soll und will ich getreu Nachkommen. So wahr mir Gott helfe!" Pest, 0. Januar. Die jüugste Generalversammlung des Poster „israelitischen Handwerks- und Acker bau verein es" wurde vom Direct or M. A. 'Weiß mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in welcher er, die wohlthätige, ersprießliche Wirksamkeit des Vereines seit seinem nunmehr 28-jährigen Bestände hervorhebend, schließlich bemerkt, daß von den ursprünglichen Gründern des Vereines außer ihm keiner mehr am Leben sei; daß sich aber stets neue Kräfte gefunden, die dem humanen Zwecke ihre thätige Theilnahme widmen. -- 'Nachdem hierauf noch Bicedirector Di‘. Schönberg das 'Wort ergriffen, um darzuthun, daß auch diese Generalversammlung nicht ohne Dividenden ausgehe — Dividenden, in dem erhebenden Bewußtsein bestehend, einen wahrhaft humanen Zweck gefördert zu haben —, gelangt der Generalbericht über die Thätigkeit der Verwaltung in der abgelaufenen Periode zur Verlesung. Aus demselben geht hervor, daß der Ausschuß ein anerkcnnenswerthes Streben in fortschrittlicher Richtung entwickelte. Eine erhebliche Anzahl armer verwaister Kinder wurde bei Meistern schwerer Handwerke, sowie bei Oekonomen zur praktischen Erlernung der Feldarbeit untergebracht', die vom Vereine erhaltene. Zeichcnschule wurde dem Zcitgeiste gemäß umgestaltet, die Anzahl der Lehrer und der Unterrichtsstunden vermehrt und der Kreis des Unterrichtes erweitert. Angehende mittellose Meister erhielten vom Vereine zur Errichtung von Werkstättcu unverzinsliche, in kleinen Raten rückzahlbare Darlehen; Vereinszöglinge, welche sich durch Fleiß und Fähigkeit hervorlhaten, wurden zu eigener Aufmunterung und Anspornung der übrigen mit Prämien betheilt. — Tie Zöglinge des Vereines haben sich theils hier, rheils anderwärts, ja selbst im Anslande Werkstätten errichtet und größtentheils ihren Wohlstand begründet, und es langen von ehemaligen Zöglingen selbst aus dem fernen Amerika Briefe an den Verein, worin dieselben ihren dankbaren Gefühlen für die ihnen oom Vereine zu Theil gewordenen Wohlthaten warmen Ausdruck geben. — Der Bericht wurde mit lebhaftem Beifall zur Kenntniß genommen. Es gelangt nun ein Antrag des Ausschusses zur Verhandlung, wonach dem ung. Agrienltnrvereinc zur Gründung der theore- 5