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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-31 · Heft 5 (31.1.1871) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 5 (31.1.1871)
Date
1871-01-31
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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dieser leidende Gehorsam von den christlichen Völkern beobachtet worden, »reist die Geschichte nach, und selbst die anglikanischen Priester und Aristokraten gaben ihn ans, als Jakob II. ihre eigenen werthen Personen antaslete. — Man wird fragen, warum wir überhaupt ans eine so ungründliche und ungeschichtliche Schreiberei hier naher eingingen'? Allein der eigentliche Zweck derselben ist durchsichtig genug. Es ist gewissen Leuten unerträglich, daß der gegenwärtige Krieg in allen seinen Manifestationen die deutschen Juden in gleicher Weise wie ihre christlichen Mitbürger als echte Lohne des Vaterlandes erweist, und jener,.Blmkitt", von dem tnan die verschiedenen Stämme Deutschlands aus den Schlachtfeldern geeinigt sieht, ebenso die Bekenner aller Eonfessionen zusamnienschließt. Man versucht also schon jetzt durch mancherlei Künste int Herzen des Volkes die Juden tvicder ans der Gesammlsache des Vaterlandes herauszusondern. Dergleichen Experimenten müssen wir von vornherein nachdrücklich entgegentreten. Vom Main, 20. Januar. (Privatmitth.) Daß in mehreren Gemeinden, namentlich Süddeutschlands, jetzt wirklich allerhand Separationsgelüsle austauchen, indem eine Anzahl Mitglieder sich von der eigentlichen DrtSgemeinde trennen und eine besondere sg. orthodoxe Rekigionsgesellschast bilden wollen, ist einfach aus dem Umstande erklärlich, daß in den jüngsten Jahren so viele jüdische Bewohner von Dörfern und Landstädlchen durch die veränderten Umstände sich veranlaßt gefühlt, nach größeren Städten zu ziehen, wo sie nun ihreit alten dörflichen Gewohnheiten in den Sytlagogen tlicht ganz mehr nachhängcn können, andererseits auch für den bekannten ländlichen Hang nach Zank und Streit keinen genügenden Raum finden. Da wird es denn der Mainzer Elique leicht, den Leutchen einzureden, daß sie ein gottgefälliges Werk vollbringen, wenn sic sich von ihren Brüdern trennen. Biel nützt dies jener nicht, denn die Kinder dieser meist von naiver Unwissenheit und desto stärkerm Aberglauben geleiteten Männer wollen schon von diesem unsittlichen Treiben nichts mehr wissen. Fürth, 17. Januar. (Privatmitth.) Ich befinde mich heute in der angenehmen Lage, Ihnen Erfreuliches berichten zu können. Der hiesige Rabbiner Herr Dr. Löwy erhielt dieser Tage von den in San Francisco und Rewyork lebenden Fürthern eine patriotische Opfergabe von 3391 fl. zur Bcrtheilung an hiesige durch den Krieg Betroffene. Herr Dr. Löwy, in dessen Ermessen die Vertheilung des Geldes allein gestellt war, glaubte jedoch den humanen Intentionen unsrer Landsleute jenseits des Oeeans besser entsprechen z» können, indem er behufs gerechter und paritätischer Verwendung der Gabe ein aus den achtbarsten Bürgern und Beamten bestehendes Eomito ernannte. Ehre den Gebern, die in der Stunde der Roth und Bedrängnis; ihrer Heimath so würdig gedenken. Als 'günstiges Zeichen der Zeit verdient auch die Wahl unsres Glaubensgenossen Herrn Guggcnheimer zum ersten Vorstand des Gemeiudecollegiums der kgl. Haupt- und Residenzstadt München registrirt zu werden. Zu den bereits ziemlich vielen Decorirtcn gehört auch der Soldat Rosenfeld ans Schopfloch bei Dinkclsbühl. Derselbe erhielt wegen tapferer Thaten, die u. A. in der Rettung mehrerer Verwundeten aus einem brennenden Hause, das mit Granaten beworfen wurde, bestanden, die silberne Tapserkeitsmedaille und das eiserne Kreuz. Ehre, dein Ehre gebührt. Mögen wie auf den Schlachtfeldern so auch im socialen Leben alle Vorurtheilc schwinden, und namentlich jüdischen Tapfer» das militärische Avancement gestattet sein, da gerade der jetzige Krieg unwiderleglich zeigt, daß es der Jude trotz der Vorenthaltuug so mancher Rechte weder an Enthusiasmus noch an Patriotismus fehlen läßt. Bedürfte es eines Beweises von crsterem, so liegt dieser darin, daß die Juden, die noch nicht oder überhaupt nicht dienstpflichtig wären, zur Fahne eilten, von letzterem zeugen die bedeutenden, fast großartigen Spenden an Geld und Naturalien. Man wird daher endlich begreifen müssen, dap die Juden allen Pflichten, die das Gesetz auferlegt, mit Freuden nachgckommen sind, daß auf den Schlachtfeldern die Juden gleich den Nichtjnden ihr Blut und Leben zur Ehre von König und Vaterland hergaben, alle Lasten opferfreudig getragen, zu den patriotischen Subscriptionen reichlich gesteuert, und es wäre daher das herrlichste Denkmal der unsre staatlichen Geschicke Leitenden, hieraus die Eonsequenz gleicher Berechtigung zu ziehen. Sigmund Heumann.

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