Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1871)
- Date
- 1871-01-31
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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87 zeichnen, müssen sie als Abklatsch der Juden gelten, welche gegen die Römer kämpften und lieber untergingen als sich ergaben. Der edle Ritter der Dorfzeirnug sieht tveder ein, das; er sich selbst von dem wüstesten und unsittlichsten Haß beherrscht Zeichner, noch daß er der deutschen Elation geradezu einen Schimpf anthut, wenn er sie mit den Römern parallelisirt. Um hierüber hinlvegzuhnschen, stellt er den Freiheils, krieg der Juden als eine Empörung, als einen ungerechtfertigten Ausruhr gegen die gesetzmäßige Dbrigkeit dar. Nun, damit stellt er sich nur ein Zeugnis; der Umoissenheit oder der Unwahrheit aus. Wer die ungerechtfertigte Besitznahme Palästinas durch die Römer, die furchtbaren Gewalttaten ihrer „Vaudpfleger," die 'Niedermetzeleien, welche sie am jüdischen Bolle unter den nichtigsten Borwändcn verübten, und endlich die rohe Berhöhnnng der jüdischen Religion durch Aufstellung der Kaiserstatnen als Götterbilder im Tempel, uicht als die gerechtesten Motive zur Erhebung der Juden gegen die Römer ansieht, wer trotz jenen den stampf der Deutschen mit dem Kampf der Römer gegen die Juden auf eine Linie stellt, der — hat sich einfach blamirt. Rein, die Franzosen hatten keine gerechte Beraitlassung, Deutschland mit Krieg zu überziehen, dahingegen ist der Freiheitskrieg der Juden gegen die Römer als ein Act der Norhwehr, als ein Beweis der Bolkskraft inmitten der, den Rötnern zu Füßen liegenden Welt, als wahrer und edelster Heroismus auzusehen, und wenn sic eher untergehen als sich ergeben wollten, so ist dies keine Hartnäckigkeit, sondern die Juden wußten wohl, welches Schicksal sie von den hochherzigen Römern zu erwarten hätten, wenn sie sich ergeben. Es kann nur eine niedrige Seele sein, welche den in Religion, Freiheit, Veben und Eigenthunt tausendfach verwundeten und gekränkten Juden ihre Erhebung und Tapferkeit gegen die Römer und ihre Vaudplager als einen AitSfluß wüster Veidenfchaft und verletztet: Hocknnnths nachfühlt und nachschimpst. Ganz entging dieS dem l)r. H. nicht, und er sagt zuletzt doch: „Es läßt sich durchaus nicht läugnen, daß die Tapferkeit, der kriegerische Muth der Juden einen Heroismus beurkundet, der unsere Bewunderung verdient. Auch sind die Güter, für welche sie kämpften: Baterlaud, Oiationalität und Religion — wenn auch beide Vetztere so Manches zu wünschen übrig lassen — die edelsten, für die ein Volk fechtend sterben kann/' In der Furcht aber, seine Veser könnten dies wirklich von den Juden glauben, fügt er sofort hinzu: „Demohngeachtet wird hier unsere Belvunderung beeinträchtigt durch den thörichten Dünkel der Juden und durch deren mordgierigen, rachednrstigen Haß gegen ihre Feinde." Wo sich der thörichte Dünkel der Inden in diesem Kriege anders erwiesen hat, als in den: muthigen Wagniß mit den Römern zu kämpfen, möchten wir von Dr. H. wohl erfahren, der andrerseits nicht zu Nüssen scheint, daß die Römer in diesem Kriege l ' 2 Millionen Juden uiedergemetzelt und 200,000 befangene in den asiatischen Städten de:r wilden Thieren vorgeworfen haben. Wie entnervt müßte eine Bottsmasse sein, in welcher solches Verfahren nicht Repressalien hervorriefe. De. H. ist in seinem Streben, die Franzosen und Juden zu analysiren und beide Böller zu brandmarken, sehr unglücklich. Die Deutschen sind keine Römer, die Franzosen keine Juden, die politische Situation hat nicht die entfernteste Aehnlichkeit, und der Ausgang wird wohl auch nicht derselbe sein. Was den Juden in ihrem Freiheitskriege wirklich vorznwerfen, ihre innere Spaltung und der blutige Kampf der Parteien unter einander, dies ist gerade bei den Franzosen nicht eingetreten, sondern sie zeigen in der Zeit der Gefahr eine Einigkeit, welche sehr ehrenvoll für sie ist, die ganze Welt überrascht, und die, wenn die Juden sie besessen, diese sicher gerettet hätte. De. H. holt nun auch den Aufstand des Bar Kochba herbei. Wir wollen nicht darauf Hinweisen, daß der Bericht über diesen nur sehr einseitig von der: Gegnern zurückgeblieben; wir wollen auch zngebcu, daß dieser Aufstand sehr unklug, sehr unpolitisch gewesen: aber unsittlich und ehrlos war er nicht. Die Römer verübten zu viel Grausamkeiten und Gctvaltthaten gegen die Besiegten, vollzogen die furchtbarsten Martern an den hervorragendsten Lehrern der Jude::, erdrückten sie mit Steuern, verboten ReligionSübung und GesetzeSstndinm bei Todesstrafe, verübten Hohn, wie nur ihn hier nicht näher beschreiben wollen. Erwägt man dabei, daß die Erinnerung an ihre Nationalität, an ihre Freiheit und Selbstständigkeit, an den freien Bestand ihrer Religion und den Besitz des ihnen geheiligten Landes nicht ans ihren Herzen weichen wollte, so waren Aufstandsversuche gewiß natürlich. Den Tadel des Verfassers bewirkte wahrscheinlich jene Theorie des „leidenden Gehorsams," welche von den Aposteln einem Tiberius, Nero und Ealignla gegenüber gepredigt lvard. Allein wie oft