Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1871)
- Date
- 1871-01-31
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226804--29152-3251977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
86 Religion zu schildern. Hierzu verwendet er alles bezügliche Material ans dem neuen Testamente, schreibt dieses und den Josephus aus, und verwendet hierzu so wenig Kritik, so wenige eigene Forschung und einen solchen Reichthum naiver Gläubigkeit, daß seine Schrift für Deutschland nur geringen Werth hat, den Britten aber sehr willkouunen sein mußte. Für uns sind daher nur einige wenige Bilder genießbar, von denen wir etliche in unserem Feuilleton wiedergebeu. "Rur in Einern Puncte hat seine Schrift noch besonderen Werth, nämlich in der Schilderung der heutigen Zustände, wie sie durch die Einfälle räuberischer Beduinenstämme nrrd den Kampf gegen diese hervorgerufen werden. Er zeigt, daß keine Macht im Stande sei, diese Beduinen im Zaum zu halten und dadurch den Anbau des Landes möglich zu machen. Bis vor die Thore Jerusalems reicht die Furcht vor diesen Räuberstämmen, und so bestätigt Dixou unsere wiederholt ausgesprochene Ansicht, daß in Palästina an gedeihliche Ackerbaueolonien nicht zu denken ist. — Zeitungsnachrichten. D cutschlaiid. Erfurt, im Januar. iPrivatmitth.) Am 1. November v. I. verstarb Hierselbst der durch seine mathematischen Schriften sowie durch seine pädagogischen Leistungen im Realschulsache rühmlichst bekannte Professor l)i-. Ephr aim Salom on U uger im 85. Lebensjahre. Er war ein würdiger Greis von seltener Bescheidenheit, sicherem Tacte und unermüdlichem Fleiße. Er gehörte zu den jüdischen Scannern, welche unserer Glaubenßgenossenschaft zunächst zu Ansehen und Würdigung oerhalfen, ein Berdienst, das freilich von der jüngeren Generation nicht mehr so anerkannt wird, wie es dessen werth ist, weil die Zustände, in welchen es wirkte, Himer uns liegen. Die „'Norddeutsche Schulzeitung" sagt über ihn in ihrer Nr. 2: „'Rach Aufhebung der Universität Erfurt, als deren Docent er 1810 von der damaligen westphälischen :)tegierung augestellt worden war, erhielt er den Auftrag, ntathematische Borträge für Dsficiere;n halten, womit er zugleich ein Lehramt am Gymnasium verband. 1S54 gründete Unger aus eignen Mitteln eine Privat- Realschule, deren Direction er bis 1844 führte, wo sie in eine städtische Realschule verwandelt wurde. Die Theilnahtnc an der Direction der von ihm gegründeten Schule ntnßte er aber anfgeben, weil er Jude war: die Unduldsamkeit der noch herrschenden preuß. Unterrichtsverwaltnng zwang ihn dazu. Mit schlichtem Sinne und nur von "Rebe zur Sacke beseelt, setzte er jedoch auch fernerhitt bis zum 75. Vebensjahre sei neu Unterricht in der Mathematik fort, durch welchen er eine große Zahl der tüchtigsten technischen Beamten gebildet hat." Hildburghausen, 20. Januar. lPrivatm.) Mit Recht werden als eine der traurigen Wirkungen des gegemvärtigen Krieges die Fälle wilden Hasses beklagt, welche er in den Meuschenherzen hervorrnft. Dieser Haß sucht dann auch nach den verschiedensten Formen und Weisen, um zum Ausdruck zu kommen, und da kann es uns kaum auffallen, daß der breite Strom auch alte Nebenflüsse gierig in sich aufnimmt, mit einem Worte, daß einige Deutsche ihren alten Judenhaß benutzen, um ihrem Franzosenhaß damit eine Folie zu verschaffen. Bekanntlich hat die hiesige „Dorfzeitnng" seit alter Zeit viel in Judenhaß gemacht, und schon die ersten Jahrgänge dieser Zeitung hatten Veranlassung, odiöse Exempel davon an's Rcht zu bringen. Daß seit vielen Jahren dieses Blattes in dieser Zeitung nicht erwähnt worden, hat wohl seinen Grund darin, daß die „Dorfzeitnng" ihre frühere Bedeutung längst verloren hatte. Im vorigen Jahrgang S. 857 haben Sie einem pietistischen Blatte die Wahrheit gesagt, welches eine Vergleichung zwischen Paris und Jerusalem gebracht, und gezeigt, daß nur eine völlige Unkenntnis oder willkürliche Verdrehung der Geschichte dergleichen zu Markte bringen konnte. In Nr. 19 der Dorfzeitnng tvom Sonntag, dem 15.) läßt nun ein l)r. E. Hagen einen Artikel „Juden und Franzosen" vom Stapel, in welchem er die letzten Römerkämpfe der Juden mit dem gegemvärtigen Kriege als völlig analog darstellt. Man kann sich denken, daß ein Dorfzeituugsschreiber nicht etwa den Franzosen in gerechter Unparteilichkeit irgend etwas Gutes nachsagt, um ihre Fehler desto deutlicher zu machen, sondern sie sind ihm eine verkommene, entsittlichte, verwahrloste, entnervte und dock von den wüstesten R'idenschaften aufgestachelte Ration, und um sie als solche zu kenn-