Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1871)
- Date
- 1871-01-24
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
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die Geschicke verhänge, so daß die üblen nur Strafen sein können, ferner daß Jjob mit allen Bösewichtern übereinstimme, die von jeher gesagt, Gott strafe nicht <C. 22). Um so kräftiger erhebt sich Jjob dawider, indem er aus die Menschenwelt blickt und ihre Zustände schildert, wo gegen die Schwächeren die größten Unthaten, wo Mord,-Diebstahl und Ehebruch geschehen, ohne daß die Gerichte Gottes offenbar werden, und wo die Uebelthäter doch kein andres Schicksal haben, wie die andren Menschen (C. 2-1). Diese Ausführung war nun so schlagend, und zerbrach den Boden der Gegner so gänzlich, daß der zweite Redner nur noch einen schwachen Versuch macht, eine Lösung durch die Erinnerung an die Sündhaftigkeit aller Menschen herbeizuführen, aber der Schwäche dieses Satzes, der das Glück der Sünder am wenigsten rechtfertigt, selbst bewußt, bald davon absteht (C. 25). Diesem widerspricht Jjob mit ungemeiner Kraft, indem er auf die Unwissenheit des Menschen, der Schöpfung Gottes gegenüber, hinweist (C. 26). Der dritte Redner schweigt, und mit ihm alle drei Lertheidiger der alten Lehre. Jjob schließt deshalb nunmehr den Streit vollständig ab (C. 27. 28)... Er beginnt mit der Betheuerung, nur seine Ueberzeugung auszusprechen; was allein den Unschuldigen vom Frevler abscheide, das sei nicht das äußere Geschick, sondern daß der Unschuldige auch in der größten Bedrängnis; mit Gott in Verbindung bleibe, zu Gott rufen, sich Gottes freuen könne. Er mustert sodann noch einmal die Meinung der Gegner, wie sie der Erfahrung zum Hohn das Unglück als Strafe, den Untergang des Frevlers in seinem ganzen Geschlecht ausgesprochen, alles dies fei eitel, sondern der Mensch vermöge die höhere Erkenntniß (Weisheit) garnicht aufzusiuden, und er muffe sich begnügen, Gott zu fürchten und das Böse zu meiden. Hiermit war allerdings das Resultat des bisherigen Kampfes ehrlich gezogen. Jjob hatte Zwiefaches erreicht, er hatte die Lehre von der strengen Vergeltung zerbrochen, und hatte nachgewiesen, daß die Leugner dieser Lehre durchaus mit Gott in Verbindung bleiben könnten, daß die Leugnung jener noch keine Leugnung Gottes, noch keine Verleugnung der Gottesfurcht uud Tugend sei. Aber dies Resultat war immer nur noch ein negatives. — Kannte also hiermit die Sache abgeschlossen sein? Konnte der Hülsssatz, daß dem Menschen die höhere Erkenntniß nicht zuertheilt sei, befriedigen? War nicht die Aufwerfung der ganzen Frage von vorn herein Diesem entgegen? In Jjob selbst mußte die Sehnsucht nach einer positiven Lösung nur um so starker nach der Vernichtung feiner Gegner erwachen; durch diese hatte er sein sittliches Bewußtsein, sich selbst gerettet, nicht aber Gott. Daher hebt er nunmehr seine zweite Klage an, in welcher er nicht mehr sein Leben ver-, sondern nur den alten Frieden und das alte Glück wieder herbeiwünscht, deffen Erinnerung ihm lebhaft vor die Seele tritt, um so bittrer seine jetzige Erniedrigung, sein äußeres Leiden und seinen innern Zwiespalt empfindet, und seine Unschuld, indem er die hauptsächlichsten Lasier seiner Zeit durchgeht, desto glühender belheuert. Welche sind also, fragt er, die Motive Gottes in diesem Geschick? (C. 26—31). Während demnach die erste Klage iC. 3), welche den negativen Theil einführte, nur negativ (die Verwünschung des Lebens) gewesen, leitet diese zweite Klage mit ganz positiver Frage den positiven Theil ein; dort klagte Jjob über seine Schmerzen, hier über die Zerriffenheit seiner Seele, welche diese Frage immer und immer wiederholt. Von hier ab beginnt die Antwort, beginnt die Lösung. Dem bisherigen Kampfe hatte ein Jüngerer beigewohnt, dem die Sitte sich in den Streit der Greise zu mischen nicht gestattete, der den Ausgang der Verhandlungen abgewartet. Jetzt nun, wo die Gegner verstummt waren, welche die.strenge Vergeltung behauptet hatten, und der Leugnung aller Vergeltung durch Jjob nichts mehr entgegen zu setzen wußten, wo Jjob selbst dem Menschen alle höhere Erkenutniß abgesprochen, und dennoch hievon unbefriedigt, und unbewußt sich selbst widerlegend die Frage nach den Moliven Gottes von Neuem und klagend aufgeworfen, jetzt tritt er aus, um sie alle zu widerlegen, das Wahre bei ihnen Allen herauszuziehen und den höhern Gedanken auszusprechen. Nachdem er die Situation, in der er auftvitt, exponirt, und die alte Meinung, daß nur bei den Alten die Wahrheit, hinweggeräumt hat, so dem Neuen den Weg bahnend, markirt er das Endziel Äjobs scharf, und stellt dem sofort die Lösung gegenüber: das Unglück, das Leiden ist das Erziehmittel Gottes für den Menschen, ihn vor dem Bösen zu bewahren und zum Recht und Licht zu führen; da ununterbrochenes Glück den Menschen verwöhnen und verleiten, das Böse unbewußt in ihm erwecken und nähren würde, so tritt der Wechsel des Glückes dazwischen, den Menschen zu warnen, zu entwickeln, zu läutern, „zum Lichte des Lebens zu führen." Weder also in alleiniger strenger Vergeltung, wie die drei Gegner, noch ohne gerechte Vergeltung, wie Jjob behauptet, besteht die göttliche