Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1871)
- Date
- 1871-01-17
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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46 verneinte; bic brittc, welche wieder diese Verneinung bekämpfte unv bte neue Vet;re aufstellte und begründete. Beide Atomeule zerfielen aber wieder in zwei Untermomente; denn das erste Moment bestand zunächst aus dem Kampf der beiden ersten Parteien, und dann aus oem Siege der zweiten über die erste; das zweite Moment umfaßte die Zurückweisung der Lerneinung lhier konnte kein „Kampf" stattsiuden) durch die Anssprache der neuen Lehre, und dann die höhere Begründung und Erweisung derselben. Demnach fand wie von selbst die Rollenvertheilung statt. Ten Kampf zu beginnen konnte nur der Erfahrung zufallen, da die alte Lehre ja längst vorhanden war. Die Erfahrung mußte sich aber in einem Erfahrenen verkörpern, d. h. in einem Manne, der, rein und groß, unverdienterweise den bittersten Kelch des Leidens getrunken und fortwährend zu trinken hatte und in welchem deshalb der Widerspruch gegen die alte Lehre, zunächst ganz unbewußt, durch die Verwünschung seines Lebens sich Luft machte (C. 3). Die alte Lehre mußte diesen 'Widerspruch auffassen und bekämpfen, war aber dem leidenden Individuum gegenüber gezwungen sofort' ihre eigne Eousequenz bloß zu legen, den Leidenden als bisher heimlichen Verbrecher brandmarkend. Diese selbstvernichtcnde Eonsequenz um so schärfer hervorzuheben, nrußte die Bertheidigung der alten Lehre gerade „Freunden" des Leidenden Zufällen, deren Zahl zur Eharakterisirung der Motive drei waren. Diese erschöpften ihre Gründe, werden vom Gegner widerlegt (C. 1—20), der dann ihr Verstummen mit einer glänzenden Rede (C. 27. 28) besiegelt. Hiermit war aber erst die negirende Seite ansgefüllt, denn cs war noch nichts Neues dafür gesetzt, und ging diese gänzliche Leugnung der Vergeltung, wie sie freilich in der Natur des Widerspruchs lag, über die Wahrheit hinaus. Der Leidende selbst mußte dieses auösprechen, und hebt daher eine zweite Klage an «E. 2'.) — 31 >. Jetzt tritt die neue Lehre hervor, die deshalb naturgemäß einem Jüngern anvertraut wurde, der bis dahin geschwiegen, nun aber, inr Billigen weder des gänzlichen Verstummens der Gegner, noch des Triumphes des Widerspruches, auftritt, um letztern zurückzuweifen und daö Neue zu verkünden >E. 32-37). Letzteres mußte aber auch erwiesen werden, was dadurch zu geschehen hatte, daß die Ordnung in der Menschheit nach der neuen Anschauung mit der Ordnung in der Natur und der Begriff Gottes in der Natur mit dem nach der neuen Anschauung in voller Uebereinstimmung nachgewiesen wurde. Indem aber alle diese Aussprachen Personen übergeben worden , konnte dieser Erweis aus der Natur nur Gott selbst zugetheil werden, der hier mit Worten verkündet, was eben die Natur lehrt (C. 38—11). — Welches war aber nun diese neue Lehre? Keine andere, als die, welche auch schon in der mosaischen sich ausgesprochen. Denn in dieser hatte sich mitten durch die Vergeltungs- und Ver- «söhnungslehre auch schon die Ansicht kund gethan, daß die Schicksale des Menschen nach einem höhern Endzwecke, zur Entfaltung und Stärkung deffelben, zur Warnung vor dem Bösen, vor dem Verfallen in's Uebermaß, vor jeder, selbst dem Gerechten so leichten Ausschreitung, von Gott geordnet werden, daß demnach Leiden nnd Schmerzen uiescnüich znr Erziehung der Menschen sowohl dienen als iwthwcndig sind. Diese von den Spatern freilich weniger berücksichtigte, nur hie und da von den Propheten lz. B. Klgl. 3, 27 ff.), Sängern lz. B. Pf. 118, 17. 18) und Weisen (z. B. Spr. Sab. 3, N. 12) hervorgehobene, aber schon in der Thorah angedeutete Ansicht wird nun in unserm Buche als höchstes Motiv Gottes aufgestellt und entwickelt, und damit erwiesen, daß sie der höchsten Weisheit in der Natur, welche Alles bestimmten Zwecken gemäß und unabhängig vom Menschen gebildet hat, entspricht. — Diese ganze Entwickelung setzte aber noch Etwas voraus. Indem nämlich einer bestimmten Persönlichkeit die Vertretung des Widerspruchs gegen die Volksvorstellung übertragen wurde, einer Person, welche an sich selbst aufs Tiefste erfahren hatte, daß unendliches Leidsal über ganz Unfchulvige und Fromme sich ergießen könne, mußte diese Person als solche auch eingeführt werden. Vor die erste Klage lnußte demnach eine Geschichtserzählung kommen (E.!. 2), welche über die Persönlichkeit, Frömmigkeit und das Glück Jjobs berichtete, dann aber fein unsägliches Mißgeschick verkündete, daß Jjob aber auch in diesem nicht wankte in dem Glauben an Gott, wohl aber der Widerspruch feines Bewußtseins mit der bisherigen Vorstellung von der göttlichen Bergeltung zu Tage kormnen mußte. Allerdings wäre hiermit eigentlich genug gewesen; der tiefsinnige und fühlende Dichter wollte aber dieses Lormoment benutzen, um noch zweierlei daran auzudeuten; zuerst wollte er die mit seinem ganzen Thema zusammenhängende Meinung, der Mensch habe um des Lohnes Willen das Gute zu thun, um der Strafe Willen das Böse zu lasten, zurückweisen, vielmehr aussprechen, daß der Mensch das Gute nur um besten selbst willen in Hingebung an Gott, zu thun