Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1871)
- Date
- 1871-01-17
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 Winkel, in welchem die Gleichstellung der Juden und des Judenthums zur vollen Verwirklichung gekommen. In den übrigen Staaten hapert es noch immer mehr oder weniger, und vor Allem ist es der Staat, welchem die Führung des neuen deutschen Reiches einwohnt, der trotz des neuen Bundesgesetzes noch immer in einzelnen Puncten betreffs der Juden zurückhält und an eine Gleichberechtigung des Judenthums, ja sogar an eine Beachtung desselben noch gar nicht denkt. Bei unseren Glaubensgenoffen in Süddeutschland herrscht hierüber noch viel Misttrauen. Ein geachteter Glaubensgenosse in Württemberg schreibt uns hierüber: „Welch eine Mischung heterogener Gefühle erwacht da in der Brust des süddeutschen Israeliten. Gern möchte er seinen norddeutschen Bruder beglückwünschen zu der großen Errungenschaft des nun abgelaufenen Jahres, zu fester Einigung der süddeutschen Stämme mit den norddeutschen zu einem großen Ganzen unter Preußens Führung, zur Wiedererstehung des deutschen Reiches mit einem deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern an der Spitze. Wie traurig, daß er es nicht mit ungetheilter Freude zu thun vermag, weil von Preußens Regierung noch immer gegen Alles, was die Pflege des Judenthums und des jüdischen Cultus betrifft, eine Apathie und Geringschätzung manisestirt wird, welche eine Verläugnung des Princips der Gleichberechtigung involvirt und die auch Ihr Circular vom 2«. v. M. provocirte." Doch wo so Biel erreicht ist, kann auch der Fortgang nicht ausbleiben. Ist doch ein Bundeßgesetz für die Gleichberechtigung da, welches den einzelnen Negierungen ein mißwollendes Verfahren schwer macht und wodurch wir in allen Fällen an die höchste Instanz zu appelliren berechtigt sind. Ueberlaffen wir uns daher unbehindert den freudigen Empfindungen über diesen Neubau des Vaterlandes; hoffen wir, daß er zum Segen der gcsammten Merischheit gereichen, ein Tempel des Friedens, der höchsten Gesittung, der Wiffenschast und Kunst werden wird. Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und den Landgemeinden des (ktfaß und Lothringens. Von Herrn Lehrer Glück in Erfurt gef.: Dr. Engel, Rapp und Windesheim je 5 Thlr., Gebrüder Lamm, E. Benary je 3 Thlr., Stadtrath W. Moos, H. Blachstein, H. Basch, A. Lamm und Pach je 2 Thlr., G. Sabor, Fr. Unger je l T Haler, I. Moos 15 Sgr., zus. (ab Porto) 20 Thlr. 10 Sgr.— Gesammtsumme: 000 Thlr. 10 Sgr. — Die große Hülfvbedürftigkeit in der Gemeinde Pfalzburg veranlaßte uns, abermals aus den Ziesten der Sammlung 00 Thlr., sowie nach Weißenburg 50 Francs zu senden. Die Redaction. Die Lehre des Judenthums von der götttichen Vergeltung. IV. Neben den Propheten und Psalmen lauft bei den Hebräern auch die Spruchweisheit, welche durch „die Sprüche Salomons" und einen Theil des Buches Kohelet vertreten ist. Thcils schon die Ueberschriften, theils der Inhalt, und die Form erweisen, daß das Buch der Sprüche aus mehreren von sehr verschiedenen Berfaffcrn und aus verschiedenen Zeiten herrührenden Stücken zusammengesetzt ist. Wir haben dies in unsrer Einleitung zu diesem Buche ausführlich erörtert und nachgewiesen. Ja, es zeigt sich, daß die Warnungen vor gewissen Lastern und vie Mahnungen zu gewissen Klugheitö- und Vorsichtsmaßregeln, besonders aber auch die Art und Weise, wie vom Königthum gesprochen wird, uns culturhistorisch die größere Sitteneinfalt der früheren, die wachsende Entartung und Verwirrung der späteren Zeit erweisen, so daß wir von Salomon an bis in die nacherilifche Zeit hier Stücke von Spruchsammlungen besitzen. Wenn wir die Psalmen als das erste Werk der subjectiven Religion zu betrachten haben, wenn wir in ihnen das Individuum aus seiner Subjectivität heraus, sein Berhältniß zur Religion entwickelt sehen: so tritt das Buch der Sprüche in dieselbe Sphäre, aber in ganz anderer Weise ein. Die Sprüche ziehen außer der Religion und 3*