Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1871)
- Date
- 1871-01-10
- Page
- Seite 31 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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31 furchtbaren Volkskrieg gegen Frankreich mit. Leider hat das Vaterland auch von ihnen schon ein Opfer gefordert. Am 7. December fiel bei Mcung der Musketier im 76. hanseatischen Infanterie-Regiment Ferdinand Danziger ans Neustadt in Ober-Schlesien. — Ehre seinem Andenken. — Er und sein Bruder hatten bereits als einjährig Freiwillige den Feldzug von 1866 glücklich mitgemacht. Der besonders begabte junge Mann, der sich in Hamburg niedergelassen hatte, hat bei seinem Auszuge von dort in einem feurigen patriotischen Liede sein ahnungsvolles Gemülh ausgeschnttct. Die tiefgebeugten Eltern sind um so mehr zu bedauern, zumal noch ein zweiter Sohn den furchtbaren Geschossen täglich ausgesctzt ist. Wann wird das letzte Opfer dieses Krieges fallen? Das betreffende Gedicht wurde uns heute von Hamburg von seinen dortigen Freunden lithographirt zugesandt, ebenso ein Gedicht des dortigen Turnvereins, in welchem derselbe seine tiefe Trauer über den Verlust seines besten Mitgliedes, Freundes und Tiirnrvarts ausspricht. Leipzig, 25. Deo. Wegen bewiesener Tapferkeit bei dem Ausfall der Franzosen am 2. December vor 'Paris hat der, der 8. Eompagnie des sächsischen Schützenregiments angehörige B e r th o l d B od e k, Sohn des hies. Kaufmanns Herrmann Bodek (Enkel des sel. Rapoport in Prag), das eiserne Kreuz erhalten, der erste Jude in dem sächsischen Arincccorps. Bad Ems, 28. Dec. «Privatmitth.) Auch aus hiesiger Gegend, nämlich ans Nassau, hat ein Israelit, Moritz Hirsch, die Auszeichnung des eisernen Kreuzes erhalten. Ot'sterrcichischungarische Monarchie. Wien, im December. Für das israelitische Blindeuiuslitnt haben die nachstehend genannten Damen und Herren folgende Beiträge wohlthätigst gespendet: Landgraf und Landgräsin Joseph Fürstenberg 5,0 fl., Landgräsin Fürsteuberg-Schwarzeuberg 25> fl., Landgraf und Landgräsin Johann Fürstenberg 5>6 sl., Marlgras Pallavicini loo fl., Markgräfin Alphous Pallavieini 25) sl., Gräfin Bonquoi 25 si., Fürstin Bretzenheim 30 fl., Fürstin Mathilde Schwarzenberg 25» fl., Rosa Frankl, Stadtraths Wittwe, 20 fl., Gustav Simon, Ehinasilberfabricant, 5)6 fl. und jährlich 16 fl., Franz Tomas, Privat, 106 fl., Moritz Wasserburger, k. k. Hofzimmermeister, 166 fl., Gebrüder Klein 306 fl. Mit den bereits von Dr. Ludwig August Frankl gesammelten und ausgewiescnen Beträge ergibt sich: 49,75)9 fl. und 106 Ducaten bar, 22,160 fl. in Obligationen und 2468 fl. Jahresbeiträge. Pest, im Dec. lPrivatmitth.) Nach der jüngsten Volkszählung befinden sich in Ungarn und Siebenbürgen bei einer Bevölkerung von 13,219,339 Seelen 511,506 Israeliten. — In N. Abony verstarb vor einigen Tagen ein gewisser David Schlesinger im Alter von 1! 0 Jahren. Der Mann war bis zu seinem Tode rüstig und nie krank. — Die Einweihung des .neuerbauten hiesigen isr. Mädchenwaisenhauses findet Montag den 26. d. M. statt. Aus Ungarn, int December. Wie man die Gleichberechtigung in einigen Theiten Ungarns noch versteht, ersieht man aus Folgendem: Man schreibt uns aus T-'-t-Lipcse: Vor kurzer Zeit wurde zu T«'»t Lipcse bei Nensohl ein Gemeindewirthshans licitando verpachtet, und wurden vorher, wie üblich, die Pachtbedingnisse pnblicirt. Der 26. Pnnct dieser Bedingnisse lautete: „Wenn ein Jude dieses Object pachtet, ist er gehalten, einen christlichen Geschäftsführer hierzu zu bestellen, damit die Gäste durch christliche Hände bedient werden." Ob die Gäste durch solche Hände besser bedient werden, darüber kann wohl der hiesige Ober-Stnblricbter Tnrcs-inh Auskunft geben, denn unter seiner Aussicht sind diese Bedingnisse geschrieben und pnblicirt worden. Als constitntioncllcr Beamter sollte der Herr Ober-Stnhlrichter Tnrcs.iny bestrebt sein. Einheit und gegenseitige Achtung unter der hiesigen Bevölkerung, nicht aber Hag und Mißachtung zu veranlassen.. Auch der hier meistbestenerte Reichtagsdeputirte Eg. Lehoezky, der durch sein mehrjähriges Schweigen im Reichstage so populär wurde, hat dieser Licitation beigewohnt, ohne sich die Mühe zu nehmen, sein berühmtes Schweigen zu brechen, und die Bevölkerung zu belehren, daß solche, eine ganze Elasse ungarischer Bürger beleidigcnge Bedingnisse bei einer öffentlichen Versteigerung im Jahre 1876 nicht mehr am Platze sind. Wahrlich, in Rumänien wurden diese Herren Prachtexemplare von Beamten und Deputirten abgeben. 2*