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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-10 · Heft 2 (10.1.1871) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 2 (10.1.1871)
Date
1871-01-10
Page
Seite 30 (sequence 10)
Language
German
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30 eine Absonderung kommt, welche im bürgerlichen und socialen Leben die Polen den polnischen Inden zu überschreiten niemals gestattet haben. Das Rationalitätsprincip hat nichts als eine negative Berechtigung, wie wir in dies. Bl. wiederholt ausgeführt haben, nämlich wo die Rationalität der Unterdrückung unterliegt und in den staatlichen und bürgerlichen Rechten beschränkt.wird, da trägt sie in sich das Recht der Befreiung. Hiermit aber ist auch die Grenze der Berechtigung für das Rationalitätsprineip erreicht, und jeder Schritt lveiter führt zum llurecht. Ein Staat, der die Ausübung jedweder Rechte an die Rationalität und nicht vielmehr an die Staatsangehörigkeit, zu welcher jeder Mensch unter gewissen allgemeinen Dingen kommen kann, bindet, frevelt am Menschenrechte, dem er das entzieht, was er jener giebt. Run gar ein voll gerüttelt Maaß von Unglück, Verbannung, Verlust an Habe und Erwerb an die Rationalität, ohne Berücksichtigung des Individuums und seiner etwaigen Schuldhaftigkeit zu knüpfen, ist eine traurige Erscheinung. Bonn, l. Januar. (Privatmitth.) Rach gestern empfangenem Briefe haben die polnischeil Männer zu Metz auf der Präfeetur ihre Pässe nicht erhalten, sondern die Ausführung der Maßregel ist sislirt. Dieser glückliche Erfolg ist den rasch eingetreteneu Bemühungen höchst ehrenwerther Männer Deutschlands zu danken. Bonn, l. Januar, (Privatmitth.) Auf unser Gesuch an die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland (Rr. 52 v. I. und Nr. 1 d. I.), uns die Zahl und Flamen der ans ihrer Mitte in den deutschen Heeren dienenden Soldaten jüdischen Glaubens, sowie die Trnppeueorps und Regimenter, in welchen sie dienen, und endlich die Seelenzahl ihrer Gemeinde mitzutheilen, beginnen die Berichte der verehrlichen Vorstände einzulausen. Die bis jetzt uns zugekommenen Berichte zeigen meist, daß 3 pEt. der Seelenzahl im Heere dienen, in einigen Fällen sogar etwas mehr, in anderen etwas weniger. Da es uns in dieser Angelegenheit um möglichste Vollständigkeit zn thun sein muß, an manchen Orten aber die Vorsteher von unserem Gesuche keine Kunde erhalten oder keine Notiz nehineu, an solchen aber sich leicht ein oder der andere Privatmann findet, der uns die betreffende Mittheilung zu beschaffen im Stande und bereit ist, so lvollen wir dieGemeinden nach und nach namhaft machen, von welchen nur die bezüglichen Mittheilnngen erhalten haben. Es sind dies bis heute: Aachen, Bad Ems, Bielefeld, Wiesbaden, Grätz, Heiligenftadt, Harburg. Lubliniß, 28. Deeember. <Privatmitth.) In Folge Ihres Aufrufs in Nr. 16 Ihres geschätzten Blattes wegen 'Namhaftmachung jüdischer Mitglieder städtischer Schuldeputationen will ich des guten Zweckes wegen Ihnen mittheilen, daß Herr Adolph Apt seit 1864 hier städtischer Schuldeputirter ist. Es will mir scheinen, als ob hier, in Oberschlesien, derartige Fälle nicht selten und trotzdem eonfefsionelle Reibungen nie vorgekommen sind. Proskau, 3l.Dec. (Privatmitth.) Hiesiges kleines Städtchen zählt 2506 Seelen, darunter 0 jüdische Familien, deren Vorstand Herr Moritz ProSkauer seit 39 Jahren ist. Seit 28 Jahren ist er vereideter Rathmann und als solcher Mitglied der hiesigen städtischen Schuldeputation. Bei der hiesigen Königl. Landwirthschaftlichen Akadenüe ist seit einem Jahre Herr Dr. Friedländer ans Earlsruhe in Ober-Schlesien als Docont angestellt und erfreuen sich seine Vorträge eines guten Leumunds. Vor einem halben Jahre feierte hier Herr Leopold Heymann mit seiner Ehefrau Rosalie geb. Proskaner die 5l)jährige Jubelhochzeit. Die Königin Wittwe beehrte das Jubelpaar, das sich noch rüstiger Gesundheit erfreut, mit einer Prachtbibel und wurde dieselbe durch den Magistrat mit Glückwünschen überreicht. Erwähnenswerth noch ist eine Matrone verwittw. Rachel Proskaner in den: seltenen ehrwürdigen Alter von 103 Jahren. Dieselbe erfreut sich noch reger Geisteskräfte und leitete bis vor einem Jahre noch selbst ihr Geschäft. Vor 3.0 Jahren feierte sie ihre goldene Hochzeit und ist seit 26 Jahren Witttve. Vor 18 Jahren auf beiden Angen erblindet, unterzog sie sich in ihrem hohen Alter in Breslau noch einer schweren aber glücklichen Operation, so daß sie sich noch heut im Besitz der vollen Sehkraft befindet. Dieselbe hatte sieben Kinder, von denen fünf noch am Leben. Die älteste Tochter, jetzt selbst Großmutter, zählt bereits 73 Jahre. An Enkeln besitzt dieselbe einige 60 und von Urenkeln über 30. Bon diesen machen 2 Enkel und 3 Urenkel den gegenwärtigen

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