Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1871)
- Date
- 1871-01-10
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
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28 werden soll, ein richtiges Verstäudniß erlangt haben werden. „Mögen darauf die Bemühungen zunächst gerichtet sein, und mögen diese Bemühungen mit Erfolg gekrönt werden! Das walte Gott!" Merarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Deeember. Jüngst erschien: „Zur Erinnerung an Gotthold Ephraim Messing. Briefe und Actenstücke, herausgegeben von Di-. O. v. Heinemann. Leipzig. Hirzel. 1^70." Der Inhalt dieses Heftes ist von keiner Bedeutung. Die mitgetheilten Briefe sind von höchst irrelevantem Inhalte. Wichtiger sind die Actenstücke, welche die Herausgabe der Wolfenbüttler „Fragmente eines Unbekannten" betreffen, obwohl deren Inhalt längst bekannt und benützt ist. Lessing hatte nämlich vom Herzoge für seine „Beiträge aus den Schätzen der Wolfenbüttler Bibliothek" die Censurfreiheit erhalten. Als er nun aber unter jenem Titel auch die Fragmente herauszugeben begonnen, wurde ihm die Censurfreiheit entzogen, und die weitere Herausgabe verboten, sowie die Eonsiscation der im Brannschweig'schen Lande vorhandenen Exemplare angeordnet. Was uns in der vorliegenden Schrift neu war, das ist die erbitterte Stimmung, die im Bolke gegen Lessing zur Zeit von desien Tode in Braunschweig und Wolfenbüttel herrschte, die nur durch die Umtriebe der Pfaffen hervorgerufen sein konnte, und abermals beweist, was auf die augenblickliche Meinung des süßen Pöbels, wohl verstanden aller Elasten und Stände, zu geben ist. Der Dichter des „Juden" und des „Nathan", der unerschrockene und unermüdctc Kämpfer für Licht und Geistesfreiheit, der Freund Mendelssohns, steht uns zu nahe, als daß wir nicht hier auf die Miltheilungen des Buches über diesen Gegenstand eingchen sollten. Leisewitz schreibt in seinem Tagebuche, nachdem er von dem Begräbniste Lessings gesprochen iS. H5j: „Ich hatte noch einen Besuch von dem Eopisten Schmid, der mir u. A. erzählte, die Leute sagten, die Aerzte hätten Lessing mit Fleiß sterben lasten, damit ein so böser Mensch von der Welt käme." — Man bedenke, was für Bosheit hierin liegt! Gleim in Halberstadt in einem Briefe an Eschenburg (in Braunschweig) schreibt unter dem 2d. Februaur 17 S1: „Jsts denn wahr, mein bester Eschenburg, daß unser nun bei Kleist seiender lieber Lessing zu Braunschweig gehaßt gewesen ist, von allen Menschen, von hohen und niedrigen, gelehrten und ungelehrten, daß er sicher auf der Straße nicht hat gehen kennen? u. s. w. Ich habe mich entsetzt, als ichs hörte gestern Abend , von einem jungen Kaufmann, der ein gebohrener Braunschweiger war, und aus Braunschweig kam. Mit der Frage: was ich hielte von Lessings Fragmenten sing er an, und als ich zur Antwort gab, daß Lessing keine Fragmente geschrieben, sondern nur herausgegeben hätte, da meinte der übel unterrichtete junge Alaun, daß das einerlei) wäre, denn es hätte viele seiner Feinde gegeben, die's gewünscht hätten, daß man das Ungeheuer wegschasfte, wie denn Er selbst solches gehört hätte von einem Soldaten, der ein Freimaurer wäredieser hätte geschrieben wider Lessing. — Der junge Kaufmann heißt Masch." iS. 100). — Nun, Lessings Manen können sich trösten. Seitdem wurde ihm in demselben Braunschweig eine Statue errichtet, welche vielleicht die schönste Privatstatue der neueren Zeit ist, sowie eine andere in seiner Baterstadt Kamen;, und man ging sogar eine Zeit lang mit der Absicht um, feine Bildsäule auch in Berlin zu errichten, und zwar mit Schiller und Goethe in einer Gruppe., Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 28. Deeember. lPrivatmitth.) Die beiden Abgeordneten Laster und Kosch werden mit Depmationeu wegen Aufhebung des Juden ge setz es von 18 17 bestürmt. Es ist löblich, daß beide Abgeordnete in dieser Frage einen Weg gehen wollen und Keiner ohne den Andern Vorgehen wird. Das ganze Gemeindewesen wird durch die Entscheidung in dieser Angelegenheit tief erschüttert, wenn nicht auch das Judenthum selbst einen Stoß erhält. Beide Abgeordnete find, wie ich höre, darin einig, daß das oben erwähnte Gesetz nach der Verfassung nicht zu halten ist; beide müßten also, wenn es zur Sprache kommt, für die Aufhebung stimmen und beide, das