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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-10 · Heft 2 (10.1.1871) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 2 (10.1.1871)
Date
1871-01-10
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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27 ihre Begründung nachweisend, theils um für neue, noch nicht vorgesehene Fälle die Entscheidung fesizustellen, theils auch ohne jede praktische Tendenz, lediglich in einer den Scharfsinn übenden Weise, welche letztere gar häufig in eine dialektische Spielerei ausartete. „Wie der Verfasser des Jad Chasakä vorher einen Eommentar zur Mischna, der Verfasier des Schulchan Aruch einen solchen zmn Jad Chasaka geschrieben hatte, so wurde nach Erscheinen des Schulchan Aruch dieser der Text, zu welchem die hervorragendsten Talmudgelehrten Cornmentare oder Zusätze schrieben. Manche zu den 1 Theilen,*) manche zu nur einigen Theilen,**) manche sogar auch nur zu einzelnen Abtheilungen.***) „Bon diesen Eonnnentaren erlangten wieder einzelne durch die Berühmtheit ihrer Verfasser ein solches Ansehen , dag dieselben dem Schulchan Aruch einverleibt und in den Entscheidungen über rituelle Bestimmungen, über die Karo und Isserles nicht einig sind, als Autorität anerkannt wurden, so dag für eine selbstständige Forschung auch dieser Stofs nicht mehr vorhanden war und nur für ungewöhnliche Fälle die Easuistik zur selbstständigen Prüfung in den Neöponsis einigen Stoff darbot. „Aber auch in dieser Beziehung wurde durch Sammlungen der selbstständigen Forschung und Entscheidung durch berühmte Namen, die hierüber schon entschieden haben, eine Schranke gezogen. „-Ist und war es da zu verwundern, wenn der einstmals den jüdischen Geist so voll beschäftigende Stoff der Halacha diesem keine Befriedigung mehr bot? Wozu forschen und suchen, wenn was nach mühsamen Anstrengungen gefunden ist, ein Anderer längst schon gefunden hat? War und ist es zu verwundern, .dag für den in der Aalur des Brenschen liegenden Wissensdurst, für die nach geistiger Selbstständigkeit ringende Seele die rabbinische Literatur kein ausreichender Stofs mehr war? Dag, hätten auch die Hörsäle der übrigen Wissenschaften der jüdischen Jugend sich nicht gleich geöffnet, ihre ^ehrzweige von dieser zur geistigen Beschäftigung dennoch eifriger gesucht worden waren? „Das Gebiet der Halacha war nicht mehr, wie ehemals, „ein schiffbares Meer", das eine freie Bewegung *) „Wie der Verfasser des Ture sahab." **) B. wie der Verfasser des '~z ***) B. r:*w rrtC'r." dem sich Hineinsturzenden gestattete, kaum noch ein Bächlein, ein starres, das Veben, die Thätigkeit einschließendes Gitter war in ihr noch vorhanden. „Das halachische Gebiet, in dem Schulchan Aruch znsammengedrängt, mußte nothwendig in seinen Bestandtheileu dadurch Schaden leiden, daß der letztere durch die veränderten Umstände sich in seiner früheren Autorität nicht zu erhalten vermochte. „Man mag es beklagen oder gleichgültig dagegen sein, an der Thaisache läßt sich nichts ändern und ein geschwächtes oder verlornes Ansehen sich schwerlich wieder Herstellen. „Wichtiger und von praktischer Bedeutung ist für uns die Frage: welche Schlüffe lassen sich für das Judenthum daraus ziehen? Sie verdient ausführliche Beantwortung, ich aber muß wegen Mangel an Raum mich kurz fassen. Das halachische Gebiet ist seit länger als zwei Jahrtausenden mit großem Fleiße bearbeitet worden und hat sich als ein fruchtbares Feld ergiebig gezeigt. Sein Wachsthum war ein großer Segen. Inden und Judenthum danken ihm ihre Erhaltung in den stürmischen Tagen und gegenüber den Gefahren, von welchen sie bedroht waren. Aber der Fels der Halacha mit allen seinen Gewächsen ist noch keineswegs das ganze Judenthum, ja nicht einmal sein edelster Theit. Sein geistiger Gehalt, zwar auch nicht unbeachtet geblieben, ist iw Verhältnisse zur Halacha dennoch ein Feld, welches zu wenig gepflegt wird und, um zum Eigenthum der Gesammtheit zu werden, nicht sorgfältig genug angebaut worden ist. „Das halachische Judenthum ist und bleibt uns ein werthvoller, unverlierbarer Besitz und auch dessen segensreicher Einfluß in den früheren Zeiten ein kostbares, unveräußerliches Eigenthum in den geschichtlichen Erinnerungen. Ohne diesen Theil zu vernachlässigen, tritt an uns die Anforderung heran, dem andern Theile jetzt unsere Sorgfalt und Pflege zu widmen. „Die Macht des Schulchan Aruch rührte lediglich daher, daß in ihm alle das religiöse Veben regelnden Bestiuunungen sich concentrirt haben. Ob und in wie weit er diese Macht noch ferner besitzen wird: wer will das Vorhersagen? „Aber für unS ist er der Gipfel einer mehr als zweitausendjährigen geistigen Anstrengung, von dem aus das jüdische IVfoen zu betrachten um so ersprießlicher sein wird, je mehr wir von dem Zusammenbange zwischen dem, was da war, und dein, was noch sein und

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