Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1871)
- Date
- 1871-01-10
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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26 war von dein Verfasser nicht beabsichtigt, aber, wie wir sehen werden, wenn auch unabsichtlich, herbeigeführt und bewirkt worden. „In gewissen Beziehungen waren es dieselben Einflüsse, die den Jad Chasaka und den Schulchan Aruch zu verfassen bei deren Autoren bewirkten; in gewisser Beziehung hatten auch beide dieselben Folgen und Einwirkungen. Aber bei näherer Betrachtung sind doch ganz bedeutende Verschiedenheiten wahrnehmbar. „Maimonides, der als der große Talmudgelehrte den Jad Chasaka schrieb, war zugleich Philosoph. R. Joseph Karo, der als ein eben so großer Talmudgelehrter den Schulchan Aruch verfaßte, war zugleich — Kabbalist. „Philosophie und Kabbala, wie weit liegen diese beiden auseinander! Der Philosoph und der Kabbalist! welche Verschiedenheit! Aber das Gemeinsame besteht zwischen beiden darin, daß ihr Geist sich mit einem inneren, idealen Stoffe beschäftigt, der von dem den Inhalt des Ritualcodex bildenden wesentlich verschieden ist- „Wie der Philosoph Maimonides das Bedürsniß des menschlichen Geistes, oder doch die Möglichkeit, vielleicht sogar die Verpflichtung einer höheren Thätigkeit erkennend, eine Feststellung der Resultate sich zur Aufgabe machte, die er vermöge seiner ausgezeichneten Talmudgelehrsamkeit auch zu lösen vermöchte, so gab es auch für den Kabbalisten Karo noch ein anderes Forschungsgebiet und sah er es als etwas Verdienstliches an, durch Abschluß der Streitigkeiten die selbstständige Forschung auf dem Gebiete des rituellen Lebens entbehrlich zu machen. R. Joseph Karo war durch seine Verbindung mit vielen in Sephat lebenden Kabbalisten, insbesondere durch Salomo Molcho und den Verfasser des --m R. Salomo Alkaby der Kabbala zugethan. Obwohl sonst nüchternen Verstandes und ein großer Gegner des Aberglaubens*) und der ascetischen Strenge: die Kabbala bemächtigte sich seiner und er ging in seiner aufgeregten Phantasie so weit, sich einzureden, daß für ihn ein Engel in Folge seines Mischna- Studiums erschaffen worden sei, welcher Zwiegespräche mit ihm halte, die er auch beschrieb, und sind diese angeblichen Gespräche noch fetzt in einem Buche vorhanden, welches den Titel führt. *) „So z. B. sagt er von den m-iES am Nüsttage des Vcrsöhnungötages nro? c* „man sollte den Gebrauch abstellcn". Orach Chajim t>05." „Der Schulchan Aruch brach sich schneller Bahn als der Jad Chasaka, denn daß Bedürfniß nach einem solchen Hülssmittel war immer größer und allgemeiner geworden. „Doll) auch jetzt gab eS, zumal in Polen, solche Talmudgelehrte , welche sich gegen einen, die selbstständige Forschung ab- oder ausschließenden rituellen Codex sträubten und mittels ihres Widerspruches deffen Ansehen und allgemeine Gültigkeit in Frage stellen wollten. Es geschah dieses namentlich von Rabbi Mose b. Israel Jsserles in Krakau igeb. um 15B», gest. IS. Isar 1573;. Er trat nicht etwa dem Verfasser des Schulchan Aruch feindlich entgegen, er stellte sich vielmehr ihm zur Seite, seinen Entscheidungen Ergänzungen hinzufügend, zuweilen auch seine Anssprüche bestreitend.*) „Sein hohes Ansehen trug nur noch mehr dazu bei, daß der Schulchan Aruch überall Anerkennung fand, indem er ja doch in allen den Entscheidungen, die er nicht bestritt, stillschweigend ihre Richtigkeit anerkannte, und so das Buch selbst sanctiouirte. Und wenn Jfferles anderer Meinung war, so war doch auch diese im Schulchan Aruch vorhanden und seine unzähligen Verehrer konnten nach ihm entscheiden. Dieses geschah um so mehr, als er in seinen Entscheidungen größtemheils erschwerend ist und er denselben mit Aussprüchen und Bräuchen des deutschen Rabbiuismus bereicherte. „Doch auch jetzt noch gab es viele Talumdgelehrte, die sich der Autorität des Schulchan Aruch nicht unbedingt unterwarfen, sondern zur selbstständigen Prüfung und Entscheidung sich für berechtigt hielten. „Sie wagten dieses aber selten erleichternd, und gelangten meistens am Schluffe zu dem Resultate: .ncs1;:? nVt nsrnr. Gleichwohl Hörle das Talmudstudium keineswegs auf, nahm aber eine von der bisherigen verschiedene Richtung. Man studirte nach wie vor die rabbinischen Wissenschaften in den Quellen, tHeils die Entscheidungen des Schulchan Aruch erläuternd und *) „Rabbi Moses Jsserles, unter der Bezeichnung n"-:-; bekannt, stand schon in sehr jugendlichem Aller in hohem Ansehen. Er beschäftigte sich auch mit andern Wissenschaften. Obgleich er gegen Karo sehr häufig entscheidet, so darf er doch keineswegs als ein Gegner angesehen werden; er stand mit ihm in sreuridschastlichein Briefwechsel und benahm sich gegen ihn, als ob Karo sein Lehrer wäre. 2-,r? Vs Vxva rrm rNrcsn V"t N-\xp Kore hadoroth S. w ed. Cassel.