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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-10 · Heft 2 (10.1.1871) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 2 (10.1.1871)
Date
1871-01-10
Page
Seite 25 (sequence 5)
Language
German
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25 der alten ab, und soll seine bisherige Thätigkeit keine verlorne sein, so müssen die gewonnenen Resultate festgestellt, in eine Form gebracht und als etwa mehr oder weniger Abgeschloffenes der Nachwelt überliefert werden. Aber auch umgekehrt, wenn dem denkenden Zeit gen offen die Möglichkeit einer geistigen Beschäftigung auch mit noch anderen Gegenständen verschafft werden soll, als diejenigen, welche bis jetzt sein ganzes Denken in Anspruch nehmen, so muß diesem Einhalt geschehen und mittels erleichternder Hülfsmittel Ersparnisse an Zeit und Aufwendung der Denkkraft verschafft werden. Das that N. Moses Sohn Maimons. Ob in klarem Bewußtsein und in Beabsichtigung des Erfolges, oder von einer dunklen Ahnung dazu veranlaßt, mag dahin gestellt bleiben. Der geschichtliche Verlauf war es und für uns lag in dieser Wahrnehmung ein unermeßlicher Gewinn. „Unser Nambam war indessen seiner Zeit voraus geeilt. Unter seinen Zeitgenossen war die Zahl derer, welchen der Jad Chasaka als Hülfsbuch entbehrlich war, noch sehr groß. Diese wollten auf das Recht selbstständiger Forschung und Entscheidung nicht verzichten. Sie traten als Gegner des Nambam auf. Wir sehen da das merkwürdige, nad) der bisherigen Darstellung aber wohl erklärliche Verhältuiß vor uns, daß der freie forschende Maimonides als Gegner der selbstständigen Forschung erscheint, wälircnd seine Gegner, die zugleich Gegner aller philosophischen Forschungen waren, als Vertreter der Berechtigung zur selbstständigen Forschung für Jeden erscheinen. Dieses war insbesondere in Frankreich und Deutschland der Fall, wo damals, als auf der pyrcnaifchen Halbinsel und in Afrika bereits jüdische Philosophie und Poesie in Blüthe standen, ein eigentliches und selbstständiges Talmudstudium erst rechten Aufschwung genommen halte. „Doch die Gegner mühten sich vergeblid) ab. Die Zahl derer, welchen der Jad Ehasaka des Nambam, sei es aus mangelnder Befähigtmg zur selbstständigen Forschung, sei es aus Bequemlichkeit, ein erwünschtes Hülfsmittel war, dieser überhoben zu sein, war schon groß und wurde stets größer, so daß der Jad Ehasaka bald in allen Ländern und unter allen jüdischen Gelehrten eine anerkannte Autorität war. Aber im Lause der Zeit hatten die Entscheidungen des Nambam im Jad Ehasaka von der großen Zahl der selbstständigen Forscher doch auch so vielfachen Widerspruch erfahren, daß den gewissenhaften Nabbiuen die selbstständige Forschung nicht ganz erspart werden konnte. Sie sahen sehr häufig, daß die Entscheidungen des Alphasi, beS Ascheri und besonders des (*-r"2«-> (R. .Abraham b. David) und Anderer mit den Entscheidungen Nambam's im Widerspruche standen. Sie mußten folglich selbstständig ermitteln, welche Entscheidung vorzuziehen sei. Diese war jedod) in solchen Fällen nicht erforderlich, in weld)en gegen die Entscheidungen des Nambam ein Widerspruch nicht vorhanden war. In allen diesen Fällen — und sie sind die meisten — konnte man sich einfach an Nambam halten, und so war trotz der Bekämpfung, selbst für den selbstständigen Talmudgelehrten, der Jad Chasaka nid)t bloß ein erleichterndes Hülfsmittel, sondern and) ein Hinderniß, das der selbstständigen Forschung fid) entgegenstellte. Wie hätte ein späterer Talmudgelehrter dein Nambam darin zu widersprechen wagen sollen , worin ihm seine Gegner nicht widersprachen oder, gar ausdrücklich sich mit ihm einverstanden erklärten? So stieg das Ansehen dieser wenigen Autoritäten und namentlich des Nambam immer höher; in demselben Verhältnisse nahm aber auch die Selbstständigkeit im Entscheiden casuistischer Fragen ab und das Studium des Talmuds verlor als Quellenstudium seinen Werth; man konnte ja von den gewonnenen Resultaten doch keinen praktischen Gebrauch machen. Die Autorität der „Früheren" (s-rirs-,) war entscheidend, und nur wo diese nicht einig waren, da war noch einigermaßen Raum zur Selbstständigkeit. „Der Schulchan Aruch sollte den Zeitgenossen diese nicht etwa entziehen, daran dachte Karo so wenig als Maimonides, nein, er sollte die selbstständige Forschung und Entscheidung ihnen ersparen. Eine Entziehung *) „Ju PoSqui'-res, unweit Lünell, um 1125 geboren und l!).r)S (11 US) gestorben. Von den jüdischen Geschichtsschreibern wird er zur Unterscheidung von andern Gelehrten gleichen Namens häufig msiBnn bra genannt, wegen der Glossen, die er zum Alphasi, Jad Ehasaka und gegen den Verfasser des Maor zuweilen mit recht bitteren Worten geschrieben hat. Er drückt sich zuweilen gegen MaimouideS recht boshaft ans, stellt ihn und seinen Jad aber dennoch sehr hoch. Als Grund seines gegnerischen Auftretens *bD3 vb? r-ano) siebt er selbst an, damit nicht die gegenwärtigen oder späteren Zeitgenossen sich auf ihn ganz verlassen und meinen sollen, man dürfe gar nicht von seinen Gntschcidnngcn alilvcichcn, 12^2mmno vnm:; r.-.a:? -1-22-1 vbr. Die Sage läßt ihm den Propheten Elia erschienen sein. Asulai."

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