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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-10 · Heft 2 (10.1.1871) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 2 (10.1.1871)
Date
1871-01-10
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 halteS das bescheidene Vermögen, durch welches sie sich ernährten, verausgaben müssen, —da der Preis sämmtlicher Lebensmittel während der Belagerung ein sehr hoher war, und leben setzt in einem Zustande von Leiden und Elend, daß mir das Herz blutet. Denken Sie daher, wie wir Alle segnen werden, die uns ihre Spenden zur Linderung so großen Mißgeschickes zukommen lassen u. s. w." Auf Grund dieses Berichtes übersandten wir sofort Herrn Rabbiner Bigard too THaler zur Vertheilung, und fordern dringend auf, uns in den Stand zu setzen den Hülföbcdürftigen weitere Unterstützungen zukommen lasten zu können. Von Herrn Stadtrath A. Meyer in Aachen 25 Thaler. Gesammtsumme 007 THaler 9 Rgr. und. 290 Francs. Die Redact. Der Lchnlchan Äruch. Bon Landrabbiner Or. L. Adler in Cassel. (Fonsctzimg und Schluß). „Die Trennung der Halacha von der Hagada, oder des durch das Gesetz gebundenen, lediglich oder doch sehrüberwiegend nur auf das Aeußerliche gerichteten Lehrstoffes, von dem die Erkenntniß des ewig Wahren und Guten erweiternden und einer freien Forschung überlastenen, war allmälig in der Weise vor sich gegangen, daß die Halacha, mit wenigen Ausnahmen, den ausschließlichen Lehrstoff der vielen und großen Geister unter den Juden bildete. „Diese Trennung hatte sehr leise begonnen in der Zeit der Tanaim, war nur erst schwach, aber doch schon als eine bewußte vorhanden in den Tagen der Amoraim und ward eine vollständige unter der Herrschaft der Gaonim. Die Wistenschaft im eigentlichen Sinne wurde bedeutend in den Hintergrund verdrängt. Alles Denken und Forschen war auf das praktischreligiöse Leben — das Rituelle — gerichtet. „Die Gewissenhaftigkeit, mit welcher die Gemeinden und ihre Rabbiner bei jedem rituell zweifelhaften Vorkommnisse sich an die Autoritäten ihrer Zeit wandten verdient Anerkennung; die Sorgfalt und der Ernst, welcher in der bereitwilligst entgegenkommenden Belehrung von Seilen der Gaonim sich ausspricht, verdient Achtung; daß aber das Aeußerliche den fast einzigen Stost ihrer Lehrthätigkeit bildete, erregt mehr Bedauern und fast inöchte man sagen Mitleid. Wenn z. B. ein Gaon gefragt wird, ob über Wein, unter welchen gekochter Wein gemischt worden ist, der Segensspruch z'r,e: ama zulässig sei, und der Gaon diese Frage schriftlich und motivirt beantwortet, so könnte man versucht werden, darüber zu lächeln; wenn man aber bedenkt, welche Bedeutung die Frage nach der vorgeschriebenen nana für das Leben in jener Zeit hatte, so wird man es begreiflich finden, daß die Casuistik über jeden einzelnen Fall sich ausgesprochen hatte. Es war das Streben, in allem Rituellen durchaus gesetzmäßig — mit Ausschließung jeder Willkührlichkeit — zu verfahren. Wenn der berühmte Gaon Rabenu Hai 998 — 1038 auf die Anfrage, warum in der Bibel Joab als der Sohn seiner Mutter Zeruja aufgeführt und nicht seines Vaters Name genannt sei, die Antwort ertheilt, weil seines Vaters Name bekannt gewesen wäre, auch sei dessen Mutter eine Schwester Davids gewesen, so wäre nichts dagegen zu sagen, hätten wir nur auch andere wichtigere Bibelerklärungen von ihm aufzuweisen. Es war eben das Rituelle der eigentliche Gegenstand, mit welchem die Gelehrten sich beschäftigten und für welchen in den Getneinden ein Interesse vorhanden war. Allerdings war allmälig auch die hebräische Sprache, dann die jüdische Hymuologie zum Gegenstände der Pflege geworden, aber hervorragend und überwiegend bleibt immer das Rituelle. „Selbst der auch als Philosoph berühmte Maimonides (1135—1205) schrieb nebst seinem More Rebuchim se'- nen, diesen an Ulnsang und Zeitaufwand weit übertreksenden, aus -1 Bänden bestehenden, schon genannten Jad Chasaka, welcher mit Ausnahme weniger Capitel lediglich das äußere Verhalten behandelt und in seiner Codexform mit dem beginnt, was Karo vollendet: der selbstständigen Forschung Einhalt zu thun. „Wollte das der Verfasser des Moreh, der große Deuker? der Verehrer des Aristoteles? Unmöglich! Und so begegnen wir hier einer ebenso überraschenden, als erfreulichen und lehrreichen Wahrnehinung von großer Wichtigkeit. „Wenn der Geist eine neue Bahn der Forschung einzuschlagen im Begriffe steht, so läßt er allmälig von

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