Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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sich gesagt sein lassen, das: Dr. Bamberger sein Vermögen recht gut anzuwcnden weiß, selbst für den Fall, daß er feine Vuft zeige, das Faullenzen der ,,Pellaken" zu unterstützen; denn wer deren lange Nölle und weite Aermcl kennt, der weiß, daß sie ebensowenig genug bekommen, als ihre Schnapsmagen und Leidenschaften. Daß aber auch hier Herr Dr.. Bamberger sein Herz nicht verschließt, daß er auch hier wirkt, wenn er Zweck sieht, das hat er, glaube ich, zur (Genüge bewiesen durch die Arbeiten, denen er sich unverdrossen unterzog, um die für gut gehaltene Auswanderung zu bewerkstelligen. Wir kommen zu der Orgel der Königsberger Synagoge. Daß einer Gemeinde darüber, daß sie sich eine Orgel bauen läßt, kein Borwurf selbst vom jüdischen Standpunkt aus geinacht werden kann, ist schon gar oft von Leuten vertheidigt worden, die mit mehr Eifer als ich für die Sache sprechen können, da ich persönlich gegen Einführung der Orgel in die Synagogen bin. Daß aber der Eorrespondent erzählt, der Vorstand habe in die Synagoge eine Orgel malen lassen, beweist, daß er ein ziemliches Vertrauen zu der Dummheit seiner Vcfcr hat, die ihm solches für baare Münze nehmen sollen. „Denn ein sinniger Mensch wird doch das nicht können!" Wenn ich noch Etwas widerlegen soll, so möchte ich sagen, daß es nicht wahr ist, daß die Neligionsschnle in Königsberg zurückgegangcn. Wenn Herr X. darüber Etwas wissen will, so soll er den Rechenschaftsbericht lesen, der auch in diesem Jahre wieder von dem Dirigenten der Anstalt, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, ansgegeben wurde. Nicht genug, er hat die Schule in der Weise in's Leben gerufen; nicht genug, er hat einen Fonds hergestellt, wodurch es den ärmern Kindern möglich ist, die Schule ohne Kosten zu besuchen; er hat auch einen Verein gebildet, woraus die armen Kinder gekleidet werden. Und nun frage ich den Eorrespondenten, den ich auch noch auf andere in Königsberg bestehende Vereine wohlthätigcn Zwecks Hinweise, die sämmtlich in ihrer größten Blüthc sind: Wie kann man einer solchen Gemeinde verwerfen, daß sie in religiöser Hinsicht zurückgehe? Wie kommt man dazu, einen Mann, der, wie jeder Königsberger weiß, die unermüdliche Triebfeder aller dieser Wohlrhätigkeits-Anstalten ist, in össentlichen Blättern beschimpfen und beleidigen zu wollen? Wer gicbt dem Eorrespondenten das Recht, den Charakter eines Mannes anzutasten, der sich von der ganzen Partei so fern hält, daß er noch nie die Partei selbst, vielweniger Persönlichkeiten daraus angegriffen hat? Wer kann dazu, daß Herr 3t. sich darüber ärgert, daß Dr. Bamberger jährlich 2500 Thlr. verdient? Hat er sich vielleicht auch um die Stelle beworben und sie nicht bekommen? Ja, das geht so. Dem Verdienste seine Krone. Aber das möchte ich jeden Unparteiischen fragen: Wer hat mehr Religion? Herr Dr. Bamberger, der nach seinen besten Kräften wirkt, oder.die Eorrespondenten des „Israelit", die Persönlichkeiten zu beleidigen und sie in ein schlechtes Licht zu stellen suchen. Doch habe ich gesunden, daß außer ein paar Leuten im „Israelit" Niemand gelobt wird, er müßte denn gestorben sein. Die "Nekrologe sind allen Lobes voll; da wird geadelt, gepriesen, hochgehoben, da sind die Namen des Verstorbenen nicht bezeichnend genug gewesen; da hätte er nicht Hirsch Wolf Hahn, nein! Hirsch Löw Adler hätte er heißen sollen, wie in Nr. 25 des „Israelit" Einer meint; denn gelaufen wäre er wie ein Hirsch, stark gewesen wie ein Löwe und schnell wie ein Adler. Nun hätte ich noch über nb-n, was freilich ein wichtiger Gegenstand wäre, Etwas zu sagen; denn Herr X. behauptet, Herr Dr. Bamberger habe sie abschaffen wollen. Ucbrigens hoffe ich, wird es dem Eorrespondenten genug sein, wenn ich ihm hiermit ausdrücklich erkläre: Es ist nicht wahr; ich glaube es nicht. So weit meine Entgegnung. Zum Schlüsse sei noch gesagt, daß ich zwar recht gern bereit bin, meine ganze Erwiderung zu vertheidigen; jedoch nur in dem Falle, wenn der Correspondent seinen Namen giebt; denn mit ihm kämpfen ehrliche Leute. Im andern Falle nehme ich und hoffentlich jeder Unparteiische an, daß sich der Eorrespondent besser unterrichtet hat, die Wahrheit meiner Behauptungen eingcsehen, und es bliebe uns dann nichts mehr zu wünschen übrig, als daß die Herren Eorrespondenten den edleren Zweck der Presse cinsehen und der „Israelit" seine Fahne, au der seither nur Mcrisance, Räsonniren und Schimpfen stand, mit einer besseren Devise beschreibe. Echzell in der Wettcrau, den 23. November 1870. HeidingSfelder.