Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Leipzig, im December. (Privatmitth.) Während in den letzten Jahren in Folge der Machinationen einer sich vorzugsweise patriotisch nennenden Partei, das Stadtverordneten Kollegium nur 2 oder 3 jüdische Mitglieder zählte, sind aus der Wahlurne bei der jüngst stattgehabten Wahl die 'Namen von 7 unserer Gemeindemitglieder hervorgegangen, Namen von gutem >ttauge, deren Träger durch geistige Befähigung, durch geachtete Stellung im bürgerlichen -eben unzweifelhaft die Zuversicht rechtfertigen werden, daß sie die Interessen der Stadtgemeinde und, wo es gilt, auch unserer Neligiousgcmeinde «sind doch 5 von ihnen mit deren höchsten Ehrenämtern betraut) zu wahren und zu vertreten wissen werden. Es sind dies die Herren Moritz Kohner, Jacob Nachod, Gustav Plaut, Ludwig Gumpel, Felix -ist, Gustav Meyer und Aron Eronheim. Mögen sie in ihrem, gar mannigfache Opfer an Zeit und Kraft erfordernden Amte die rechte Befriedigung und wohlverdiente Anerkennung finden! Auch unsere kürzlich neu vollzogenen Gemeindewahlen haben cs dargethan, wie wahres Verdienst fast immer seine Würdigung findet. Sämmtliche Mitglieder beider Gemeindekörperschaflen, des Gemcindevorslandes und der Genteinde-Berordncten, wurden mit entschiedenster Majorität wiedergewählt. Ein Blick in den Anfangs dieses Sommers veröffentlichten Geschäftsbericht auf das Jahr 1869 giebt Zengniß von der regen Thätigkeit beider Körperschaften. Ist doch von dein Genteindevorsteher die Idee des Gemeindetages ausgegangen, der sicher die Gründung des Genteindebundes bereits gefolgt wäre, hätten nicht die kriegerischen Ereignisse dem Friedenswerke Hindernisse entgegengesetzt. Daher konnte auch der so anregenden gemeinsamen Besprechung der Ausschußmitglieder des Gemeindetages mit den zur letzten Ostermesse hier aufhältlich gclvesenen Glaubeusbrüdern eine zweite zur diesjährigen Michaclismesse nicht folgen. So Gott will, wird dies in nächster Neujahrs¬ oder Ostermesse dem rastlos für Gemeinwohl wirkenden Vorsteher Herrn Moritz Kohner gelingen. Bis jetzt haben 51 Gemeinden, darunter die größten Deutschlands, ihren Beitritt zum Gcmcindebnnd erklärt. Hoffen wir, daß mit eintretendem Frieden die Gründung des Bundes selbst nicht lang mehr wird auf sich warten lassen! — Auch unsere Gemeinde hat bereits der Kriegsfurie ein Opfer darbringen müssen. Im Kampfe bei Brie sur Marne am 2. December siel der hochbegabte, seelensgute stuck. jm\ Felix Oppenheimer aus Leipzig, im Alter von 21 Jahren. Mit ihm ging seinen edlen, allverehrten Eltern wie unserer Gemeinde eine gar schöne Hoffnung zu Grabe. Dem gerechten Schmerze über diesen Verlust gab Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt in seiner zur Ehanukaseier am vergangenen Sonntag gehaltenen, trefflichen Predigt in ergreifenden Worten den angemessensten Ausdruck. Diese Ehanukafeicr war in ihrer Einfachheit — neben der Predigt erfüllten sic Ehorgesänge mit Orgelbegleitung, deren einem die unvergeßliche Tonwcise des „Mnvzir" zu Grunde lag, und die üblichen Gebete — ganz dazu geeignet, die von Vielen leider nicht mehr genug beachtete Bedeutung des Ehanuka wieder wach zu rufen. Dr. E. S s tz. Oesterrcichischungarische Monarchie. Wien, 23. Dec. Das Chanuka-Fcst des „Theresien-Kreuzervercins" wurde gestern Abend in den oberen Sperlsälen wie alljährlich gefeiert. Es war das Weihnachtsfest der armen Waisen, die mit Winterkleidung beschenkt wurden. Heuer konnten 455 Kinder, und zwar 210 Knaben und 215 Mädchen bedacht werden. Zn Beginn des Festes hielt Prediger Dr. Jellinek eine Ansprache an die Kleinen und setzte ihnen in verständlicher Weise die Bedeutung des jüdischen Weihefestes auseinander. Professor Sul- 5er stimmte dann mit dem Personale des Stadtchores einen <'iWnr an. Während der Gottesdienst abgehalten ivurde, gab cs in einem Nebensaale einen kleinen Bazar. Damen der baute firmier beschäftigten sich mit dem Verkauf von allerhand 'Nippsachen, deren Erlös dem „Thercsien - Kreuzerverein" zufließt. Die Damen v. Epstein, Königswartcr, Weikersheim ic. wußten ihre Waarcn, als: Blumenstrauß, chen, Zündhölzchen-Etuis, Cigarren, um hohe Preise an Mann, das heißt an die anwesenden Banquiers zu bringen, von denen mancher eine Londres mit