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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-01-03 · Heft 1 (3.1.1871) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 1 (3.1.1871)
Date
1871-01-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 dieses Glückes theilhast zu werden. Bekanntlich war die Zahl der Familien für jede jüdische Gemeinde in Mähren stipulirt. Diejenigen, die ohne Bewilligung heiratheien, wurden „Emigranten" genannt, die gewissermaßen zu keinem riiönpnxa -an zugelassen wurden. Deren Kinder waren nach dem Gesetze als unehelich im GeLurtsbuche eingetragen. Die Juden waren genöthigt, besondere Steuern zu zahlen, und da der Ort entfernt vom großen Verkehre lag — jetzt befindet sich in der Nähe desselben die Eisenbahn — so nahm die Verarmung immer mehr zu. Ein panischer Schrecken übersiel die Leute, wenn ein neuer „Amtmann" kam, da man nicht wußte, wie er sich zu den Juden verhalten werde. Im October 1839 kam ich nach Wien, um zu studiren. Doch bei der Jnscription hieß es, ich müßte erst auf's Judenamt, damit mir die Bewilligung zum Aufenthalte in Wien gewährt werde. Im Judenamte wieder sagte man mir, ich müßte erst inscribirt werden; und auf Grund der Jnscription könnte ich um die Gnade bitten, mich in Wien aushalten zu dürfen. Endlich würde ich provisorisch inscribirt und erhielt dann die Gnade, daß ich während des Schuljahres, vorausgesetzt, daß ich sonst keine Ursachen zu Klagen gebe, Wiener Luft athmen könnte. Dafür hatte ich jedoch eine Taxe von 1 si. 40 kr. C. M. zu erlegen. Mein ganzes Vermögen bestand jedoch zu jener Zeit aus 4 fl. Ich erlebte eine Scene, wie sie mein verehrter Freund Kompert in feiner Erzählung: „Ohne Bewilligung" mittheilt. Ich lag einmal des Nachts fest im Schlafe und da hörte ich plötzlich ein heftiges Gepolter, das mich weckte. Die Polizei hielt nämlich um Mitternacht eine Razzia, und diejenigen Juden, welche es gewagt hatten, ohne die Erlaubniß dazu zu haben in Wien zu athmen, wurden eingesperrt, per Schub weggeschickt rc. Ich entging diesem Ungemache, weil ich eben die behördliche Bewilligung zum Aufenthalte für ein Jahr in Wien hatte. Noch jetzt klingt mir ein Wort meiner sei. Mutter nach. So oft man von dem Drucke sprach, unter welchem die Juden seufzen, sprach sie im beseligten gläubigen Gefühle: „Dafür sind wir Juden." — Was weiß die jetzt Heranwachsende Jugend von all diesen Drangsalen! und doch sollten sie ihr nicht unbekannt sein. Wenn ich mich nichts destoweniger knapp faßte, so geschah dieses mit Berücksichtigung aus das Zeitmaß, welches mir für diese Geschichtspartie in der Schule zu Gebote steht. Ueberdies glaubte ich, daß eine Ueberstcht, in welcher kein wichtiges Ereigniß und keine bedeutende Persönlichkeit ausgelassen ist, genügen werde. Nachdem mich jedoch die Kritik eines anderen belehrt, so werde ich bestrebt sein, diese Lücke in der nächsten Auflage nach besten Kräften auszufüllen. G. Wolf. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 23. Dec. (Privattnitth.) Wir erhielten von Metz eine Zuschrift, in welcher uns mitgetheilt wird, daß der dortige preußische Präfect durch einen Erlaß geboten habe, daß alle polnischen Familien binnen acht Tagen Metz und das ganze Lothringen zu verlassen haben. Wenn dieser Befehl gegen die Nationalpolen wegen ihrer deutschfeindlichen Haltung getroffen worden, so haben wir ihn an dieser Stelle nicht zu kritisiren. Unglücklicherweise wird von dieser Maßregel eine große Anzahl polnischer Judenfamilien betroffen, welche seit längerer Zeit hier ihren Aufenthalt genommen, um sich zu ernähren, und die von aller Politik sehr weit entfernt sind. Diese sollen nun binnen so kurzer Frist zur rauhen Winterszeit ihren Wohnort verlassen. Schritte seitens des dortigen Großrabbinats und der Municipalbchörde haben bei dem Präfecten keine Wirkung thnn können, weil er zu bestimmte Ordres hat. Es gilt, wenigstens eine Milderung zu erlangen, sei es, daß eine weitere Frist gewährt, sei es, daß den Frauen und Kindern gestattet werde, vorerst in Metz zu bleiben. Der Redacteur dies. Bl. zögerte nicht, sich für die Armen bei dem Bundeskanzler zu verwenden, und forderte mehrere einflußreiche Männer auf, dasselbe zu thnn. Hoffen wir, daß diese Schritte nicht ohne Erfolg bleiben. Bonn, 28. Dec. (Privatmitth.) Eben aus Metz uns zugcgangencr Nachricht zufolge haben die geschehenen Schritte zur Folge gehabt, daß der Herr Präfect in der Ausführung der Maßregel gegen die Polen Fristen eintreten läßt und gewisse Ausnahmen gestattet. Man hofft, daß die Angelegenheit durch die Bemühungen von deutscher Seite glücklich gelöst werden wird. 1

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