Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226798-3226800--29068-3251889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8 sowohl den Rang Mause als gleichkomme und einen Werth für sich gewinne. Möchte man daher nachgerade von diesen Versuchen Massen. — Es liegen uns seit kürzerer oder längerer Zeit mehrere Monographien vor, auf die wir wegen Mangels an Raum hier nicht naher eingehen können, die jedoch als tüchtige Arbeiten jüngerer Gelehrten und als einzelne, Bausteine zu dem, früher so überaus dürftigen, jetzt noch immer lückenhaften Gebäude der jüdischen Literaturgeschichte Anerkennung und Aufmerksamkeit verdienen. „Parchon als Grammatiker und Lexikograph; in Bezug auf seine Vorgänger und Nachfolger, bearbeitet von Di*. M. Weiner. Ofen. 1870." Die Verdienste, die Stellung und'der Inhalt der Arbeiten Parchons auf grammatikalischem und lexikographischem Gebiete dieses Zeitgenoffen Jbn ESra's werden hier mit gründlicher Sachkenntnis dargestellt. — „Ueber die hebräische Grammatik Spinoza's. Promotionsschrift von Dr. Ad. Chajes. Breslau. Jungfer. 1869." handelt über das Fragment Spinoza's: Compendium grammatices lingnae Hebraeae, das Gelegenheit giebt, die immerhin intereffanten Ansichten Spinoza's von der Grammatik der hebräischen Sprache, soweit sie uns erhalten wurden, zu besprechen. — „David Cohen de Lara's rabbinisches Lexikon Kheter Khehunnah. Ein Beitrag zur Geschichte der rabbinischen Lexikographie. Von Or. Perl es. Breslau, Schletter. 1868." Cohen de Lara lebte bis 1674 und sind von ihm zwei lexikographische Arbeiten veröffentlicht -m -pj, ein Lexikon der in den rabbinischen Schriften vorkommenden Fremdwörter, und N21N2 *>ro, ein rabbinischeS Lexikon bis zum Buchstaben Jod. — Der Religions- Philosophie gehören folgende Schrift an: „Joseph Albo's Bedeutung in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie. Ein Beitrag zur genauern Kenntniß der Tendenz des Buches Jkkarim von Or. Sam. Back. Breslau. Heidenfeld. 1869." — „Saadia Alfajümi und die negativen Vorzüge seiner Religionsphilosophie. Aus einem Cyklus von religionsphilosophischen Vorträgen von Rabbiner vr. A. Schmiedl. Wien, 1870." Es ist dies wie ein Anhang zu deffelben Verfassers „Studium über die jüdische Religionsphilosophie," auf welche wir ausführlich zurückzukommen gedenken. — Von der in ungarischer Sprache verfaßten biblischen Geschichte der Herren Arvai und Rosenmeyer Bibliai Törtenetek, ist die dritte Auflage erschienen. Ungarische Beurtheiler haben den kindlichen Ton, die Einfachheit und Gemüthlichkeit dieser Erzählung nachdrücklich gerühmt. — Bon Freund und Marx „Präparation zum Alten Testament" ist die Praparation zu den Psalmen vollständig erschienen. (Leipzig, Biolet). Corresporrdenz: Lin Rückblick. Don vr. G- Wolf. Wien, 18. December 1870. Fast gleichzeitig mit Nr. 49 der Allg. Ztg. d. Judenthums, welche eine Besprechung der dritten Auflage meiner Geschichte Israels enthält, erhielt ich durch die Güte eines Freundes Nr. 47 der hier erscheinenden katholischen Literatnrzeitung, welche zu meinem großen Erstaunen — ich i^atte mit dem Redacteur, Herrn Or Wiedemann, einem der Führer der hiesigen klerikalen Partei, vor einigen Jahren eine heftige Polemik — ebenfalls eine sehr anerkennende Besprechung des genannten Buches bringt. Zeitung des Judenthums und katholische Literaturzeitung bemängeln jedoch, jede aus einem andern Grunde, daß ich die Geschichte der Juden seit der Zerstörung des zweiten Tempels so kurz gefaßt habe. Stets gewöhnt auf das Wort der Kritik zu hören, wäre dies im gegebenen Falle umso mehr meine Pflicht, da von entgegengesetzten Richtungen der gleiche Tadel ausgesprochen wird. Ich stimme vollkommen dem Urtheil zu: „Es ist von höchster Wichtigkeit, der Jugend zu klarem Bewußtsein zu bringen, wie sich der geschichtliche Faden bis zu unserer Zeit sortgesponnen hat, welche Geschicke unfern Stamm trafen, welche Arbeit er vollbrachte, welche Opfer er nicht scheute, welche Geistesrichtungen er verfolgte." — Unsere Jugend weiß in der That nicht, mit welchen Opfern es früher verbunden war, Jude zu sein. Wie vieles habe ich selbst erlebt, und doch siehe ich noch im Mannesaller. Ich wurde geboren und erzogen in einer mährischen Gemeinde, in Hvleschau. Ich war das Kind einer aristokratischen Familie, d. h. mein sel. Vater war „Familizent" er hatte die behördliche Bewilligung heirathen zu dürfen, und ich als einziger Sohn hatte die untrügliche Aussicht, wenn ich herangewachsen sein werde, ebenfalls