Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Das Gesuch an die verehelichen Vorstände der israelitischen Gemeinden Deutschlands. Wir haben in Nr. 5,2 v. I. an die Vorstände der israelitischen Gemeinden in Deutschland das Gesuch gerichtet, uns die Namen der während dieses Krieges in deutschen Heeren dienenden Soldaten jüdischer Religion aus ihren Gemeinden, deren Namen und die Truppencorps, resp. Regimenter mitzutheilen, denen sie angehören. Wir haben dabei einen besonderen Zweck, zuwelchem wir dieses Materials bedürfen, angegeben. Allein es liegen noch andere Gründe vor, um derentwillen es sehr nützlich sein wird, diese Notizen rechtzeitig zu sannneln, die später zu erlangen unmöglich sein würde. Deshalb wiederholen wir noch ein Mal unsere Bitte, und legen die Dringlichkeit an's Herz, und zwar gerade deshalb, weil wir wissen, daß es namentlich an großen Plätzen mit Mühe verbunden sein wird eine genaue und vollständige derartige Liste zu erlangen. Einen anderen Weg, diese Verzeichnisse zu erlangen, kennen wir aber nicht, und leben daher auch der Ueberzeugung, daß wir recht bald die freundliche Bereitwilligkeit der Vvrstar.e zu rühmen veranlaßt sein werden. Wir. ersuchen die Antwort an den Redacteur d. Bl., Dr. Philippson in Bonn, zu richten. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. Dec. „Ein Blatt Geschichte. Bilder aus dem biblischen Morgenlande. Von Dr. M. Lette r i s. Leipzig. Leiner." Die geschmackvoll ausgestattete Schrift enthält in der ersten Hälfte eine ins Detail ausgeführte Geschichte Josephs in Prosa, in der zweiten unter dem Titel „Licht- und Schattenbilder. Dichtungen" Scenen aus der biblischen Geschichte und Dichtungen nach midraschischen und anderen Stoffen in metrischer Form. Das Ganze gehört also zu den legendenartigen Dichtungen, welche sich in der neueren Zeit einer eifrigen Pflege zu erfreuen hatten. Herr Lelteris, der rühmlichst bekannte Hebraist, besitzt auch in der deutschen Sprache eine große Gewandtheit, Reichthum des Ausdrucks und in der metrischen Form eine überaus leichte Versification, vereint mit einer ziemlichen Fülle von Bildern. Was ihm aber' nachtheilig, ist das bei ihm vorherrschende Streben nach Eleganz, Weichheit und Reichthum des Ausdrucks und der Mangel an Energie, Beweglichkeit und Mannigfaltigkeit der Sprache. Die Geschichte Josephs entbehrt jener Kindlichkeit und Einfalt der Sprache, die von den biblischen Stoffen nicht zu trennen ist, ohne sie ihres Charakters völlig zu entkleiden. Die auftretenden Personen reden schön, aber wie Kinder des 19. Jahrhunderts und in der Erzählung selbst vermeidet der geehrte Verf. nickt Ausdrücke, welche nur dem modernen Gelehrten angehören. ' Den metrischen Theil des Merkchens stellen wir daher ungleich höher. Es ist darin sehr viel Schönes, Gedanken- und Empsindungsreiches enthalten, und die Figuren selbst sind angemessen und würdig gehalten. Allein sei es, daß die leichte Versification den Dichter verführte, oder daß ihm die eigentliche dichterische Gestaltungskraft fehlt, nicht allein daß die Reden der Personen viel zu weitläufig ausfallen, der Verf. gefällt sich auch in Beiwerk, das die Aufmerksamkeit von den Personen und der Situation abzieht und am besten gestrichen würde; wir erwähnen z. B. der Schilderung von Lus in dem Gedichte „der TodeSengel", der Rede des Jeremias über die Emancipation der Juden in „der Prophet vor dem Sieger" u. s. w. Unter denen, wclcke biblische und midraschische Stoffe neuerdings behandelt haben, nimmt Lelteris gewiß eine ehrenvolle Stellung ein; aber auch er beweist, daß es eine höchst mißliche Sache um diese Bearbeitung ist. Der Reiz der Midraschim liegt vorzugsweise in der epigrammatischen Spitze und in den knappen Zügen der ganzen Zeichnung; die erstere überrascht den Verstand, die anderen lassen der Einbildung Raum, sich die Scene auszumalen. Hier kann nur eine zutreffende Uebersetzung das Original wiedergeben. Jede Ausführung zerstört die Pointe und verwässert die Schärfe der Zeichnung. Dies ist selbst bei den meisten Piecen, welche Dr. M. SachS in feinen „Stimmen vom Jordan und Euphrat" geliefert hat, der Fall, obgleich dieser einem freien Uebersetzer näher steht, als einem ausführenden Poeten. Schwieriger* noch ist die Behandlung biblischer Stoffe, wo dem Leser die ursprüngliche Darstellung aus der heil. Schrift vor der Seele steht, und hierdurch noch mehr Schwierigkeit bereitet ist, eine neue Form zu finden, welche der alten und gewohnten in ihrer Sinnigkeit und Großartigkeit nicht