Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1871)
- Date
- 1871-01-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 (94, 8 — 11): „Sehet ein, ihr Unvernünftigen im Volke, wann, Thoren, werdet klug ihr? Der das Ohr gepflanzt, sollt' Der nicht hören? Der das Auge gebildet, sollt' der nicht sehen? Ter Völker machet, sollt' der nicht strafen? Der dem Menschen lehrt Erkenntnis, der Ew'ge kennt der Menschen Sinnen, daß sie nichtig sind." — Daß auch jene mosaische Lehre in der Volksanschauung verblieben, nämlich daß Gott „der Väter Schuld eingedenk" ist, und der Lohn auch auf die Nachkommen sich erstreckt, ersieht man z. B. aus 109, 14. 112, 2. Zu demselben Ziele kommt auf dem Wege der Reflexion der Verfasier des Buches Kohelet. Wir können hier nicht die ausführliche Nachweisung über die Tendenz und den Inhalt dieses so vielfach mißverstandenen Buches, die wir in der Einleitung zu ihm in unserem Bibelwerke gegeben >Bd. III S. 744-, wiederholen, und gestatten uns nur ein Smnmarium. „Die mosaisch-prophetische Anschauung von der nationalen und menschengeschlechtlichen Entwickelung, von der Bedeutsamkeit jedes individuellen Lebens als Gliedes dieses großen Ganzen und dem reichen Erfolg alles menschlichen und insonders israelitischen Strebens und Schaffens zur Erfüllung jenes großen Zweckes, zur Erreichung jenes erhabenen Zieles war in den Hintergrund getreten, das geschichtliche Bewußtsein mangelte also; die Liebe, abgeschwächt zur asiatischen Wollust, füllte das Leben nicht mehr mit ihrem unerschöpflichen Reichthum aus; alle anderen beregenden Lebensmomente, Krieg, Handel, Wissenschaft, Kunst fehlten — und so gewann die Anschauung von der Nichtigkeit des menschlichen Lebens immer mehr Boden. Aber sie entwickelte sich nach zwei verschiedenen Seiten, oer einen, indem zugleich die Gottgläubigkeit, festgehalten, der anderen, indem das Dasein Gottes geleugnet ward. Die letztere hatte scheinbar die Consequenz für sich, die erstere war daher um ihren letzten Ankergruud zu heftigem Kampf berufen. Aus diesem Kampfe ging das Buch Koheleth hervor. Sein Zweck ist, zu zeigen, daß die Anschauung von der Züchtigkeit des menschlichen Lebens mit dem Glauben an Gott und dem sittlichen Streben nicht nur sich vertrüge, sondern daß nur aus dieser Vereinigung der einzige Erfolg und Werth des Lebens hervorgehe." Statt des also geschwundenen Inhalts des ganzen Lebens ergiebt sich daher dem Lerfaffer eine, alle einzelnen Zeiten des Lebens befassende Regel: „Genieße freudig dein Leben in Gott gefälligem Wandel." Dem Verfasser ist das gerechte Gericht Gottes eine feste Ueberzeugung, denn jedwedes Unrecht, das aus Erden geschieht, wird zuletzt doch von Gott gerichtet und gestraft (3, io. 17). Wenn auch viele Ungerechtigkeiten von Menschen auf Erden geschehen (4, 1) wenn „Gerechte sind, denen es ergeht nach der Frevler Thun, und Frevler sind, denen es ergeht nach der Gerechten Thun" (8, 14), so resultirt ihnen doch Folgendes: „Daß nicht schnell erfolgt die Strafe böser That, darum füllt sich der Menschen Herz in ihnen, Böses zu thun: aber mag ein Sünder hundertmal Böses thun, und Er sieht ihm nach, dennoch weiß ich, daß es gut ergehen wird den Gottesfürchtigen, da sie vor ihm sich fürchten, und gut ergehen wird es nicht dem Frevler, und wie der Schalten nicht lange dieser leben, da er vor Gott sich nicht fürchtet" (8, 11 —13). Er giebt daher als Schlußfolgerung seiner Erörterungen: „Freue Dich, Jüngling, in deiner Jugend, und laß dein Herz fröhlich sein in den Tagen deiner Jugendkraft und wandle in den Wegen deines Herzens und wohin Deine Augen blicken, doch wisse, daß über alles Dieses dich bringet Gott in das Gericht" (11, 9); und endet mit den Worten: „Das Ende der Sache, das Ganze lasset uns hören: Gott fürchte und seine Gebote wahre, denn dies ist der ganze Mensch. Denn jede That bringt Gott in das Gericht über alles Verborgene, sie sei gut oder böse." (12, 13. 14). (Fortsetzung folgt.) Sammlung für die durch den Krieg verunglückten Israeliten in S'traßtmrg, Metz und den Landgemeinden des Elsaß und Lothringens. vr. M. Stern in Berlin 3 Thlr. Rabbiner Di-. Engelbert in St. Gallen 3 Frcs. A. Burgauer 0 Frcs., L. Bnrgauer, Emden, 3£Cd, M. Neichenbach, H. Neichenbach, Ph. Neichenbach, PH. Sax, je 5 Frcs., H. Sax 6 Frcs., fämmtlich in St. Gallen. Summa 50 Frcs. N. N. in Hannover 30 Thlr. — Herr Sal. Kahn in Remagen von der dortigen Chebrah 5 Thlr.v— N. N. durch Herrn Nabb. Dr. S. Adler in Nerv-2)ork 24 Thlr. 12 Sgr. — Gesammtsumme 042 Thlr. 9 Sgr. und 290 Frcs. Die Nedact.