Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1866)
- Date
- 1866-12-18
- Page
- Seite 811 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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81i int engern Vaterlande fehlt, wäre für unsere Pfalz und auch Rheinhessen der Anschluß an das Seminar zu Münster, dessen Fortbestand nunmehr gesichert sein wird, anzustreben und dringend zu, empfehlen. Mn meinen Bericht mit etwas Erfreulichem zu schließen, sei hier noch eine dieser Tage erlassene Mnisterial-Entschließung beigefügt, dahin lautend, daß künftighin bei Ausschreibung von Rabbinatsstellen der Passus wegen Wucher rc. wegzubleiben habe. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 7. Dez. (Pr.-Mitth.) Ignatz Kuranda, der geistvolle und energische Publizist, der auch die „Grenzboten" begründet hat, beging in diesen Tagen sein 25jähriges Schriftstellerjubiläum. Es wurde besonders vom Schriftstellerverein „Concordia" gefeiert. Ein Toast, den ihm Hr. vr. G. Wolf gewidmet hat, sei hier mitgetheilt, weil er zugleich das Moment bezeichnet , aus welchem wir hier dieser Feier auf's Teilnehmendste gedenken. „Die Mitglieder der „Concordia", obschon sie monarchisch gesinnt sind, bilden eine Republik der Geister. Der Verein hat in seiner Mitte Männer der verschiedenartigsten Gesinnung, auf dem Gebiete der Politik, der National-Oekonomie, der Kunst rc. Wir haben gemäßigte und üngemäßigte Centralisten, Dualisten, Föderalisten, Freihändler rc. Auch bezüglich der Religion sind die vielfachen Glaubensbekenntnisse vertreten , Katholiken,, Protestanten, Griechisch - Katholische, Juden sind Mitglieder der „Concordia". Es sei mir daher gestattet, nachdem von dem Patrioten, von dem Politiker, von dem Journalisten,, von dem Parlamentsredner Kuranda die Rede war, auch des Juden Kuranda zu gedenken. Die Juden sind den Journalisten uyd Schriftstellern überhaupt sehr zu Danke verpflichtet, denn sie sind es', die durch die Macht des- Wortes und des Geistes für sie kämpfen. Wohl ist es mir nicht unbekannt, und hier in-Wien könnte ich am allerwenigsten darauf vergessen, daß es auch Schriftsteller giebt, die gegen die Juden schreiben und ein gottgefälliges zöglinge die christlichen Seminare besuchen mögen, und nur für die Religionsfächer ein besonderer Unterricht für sie stattfinde. Redakt. Werk zu üben glauben, wenn sie unablässig gegen Juden und Judenthum als Hetzer und Verleumder auftreten. Der weitaus größte Theil der Schriftsteller jedoch, die für Recht und Gerechtigkeit einstehen, kämpft für die Juden, und mit geistiger Ueberlegenheit, bekräftigt von der Gewalt der Wahrheit, schlagen sie Mit mächtiger Hand die Feinde des Lichtes, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Die Stellung der Juden konnte jedoch erst seit jener Zeit eine gründliche Besserung erfahren, seitdem die Juden selbst als Kämpfer in die Tages-Literatur eintraten. Bei uns in Oesterreich war es der Herr Jubilar, welcher zuerst als politischer Journalist aufttrat. Er hat, um Verdächtigungen zu entgehen, nicht häufig das Wort für seine religiösen Glaubensgenossen genommen; aber wenn er es that, sprachen aus ihm eine Million jüdischer Seelen, die sich im Kaiserstaate befinden. Unwillkürlich fällt mir hier eine historische Reminiscenz ein. Im December 1744 befahl die Kaiserin Maria Theresia, die Juden aus Prag und ganz Böhmen zu vertreiben. Die Aeltesten der jüdischen Gemeinde in Prag, darunter Isaak Kuranda, wahrscheinlich ein Vorfahr des Jubilars, zogen hierauf nach Wien, um von der Kaiserin Gnade zu erflehen. In der Hofburg zur Audienz versammelt, unterhielten sie ein sehr lebhaftes Gespräch. Ein Kammerherr machte sie aufmerksam, sich ruhiger zu verhalten; darauf antworteten sie: „Aus uns schreien 10,000 Seelen." Eigenthümlich genug gebrauchten sie in der Bittschrift den Ausdruck: „es_ brenne ihnen in die Seele, von der Heimat vertrieben zu werden"; ein Ausdruck, den Herr Kuranda jüngst in der Adreßdebatte gebrauchte, als er von der Ausscheidung der Deutsch-Oesterreicher aus Deutschland sprach. Wenn ich mir nun erlaube, ein Hoch auf den Juden Kuranda zu bringen, 'der mannhaft die Rechte seiner Glaubensgenossen vertrat, so werden eine Million österreichischer Juden mit mir einstimmen. Schließen Sie sich, meine Herren, diesem Rufe an!" Schweiz. Aus dem Aargau, 2. Decbr. (Privatmitth.) Der Große Rath des Kantons Aargau hat in seiner Sitzung vom 29. November den Gesetzes Vorschlag für Abände- 51*