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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-12-18 · Heft 51 (18.12.1866) · p. Seite 805

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 51 (18.12.1866)
Date
1866-12-18
Page
Seite 805 (sequence 5)
Language
German
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des Herrn Pfarrers Kossuth auch noch behandelt. Die Krönung des jesuitischen Gebäudes besteht bekanntlich in dem sogenannten „Probabilismus", d. h. in der Lehre, daß Jeder gerechtfertigt ist, welcher nach dem Ausspruche auch nur Eines der Jesuitenlehrer handelt; selbst wenn zwei Lehrer sich widersprechen, ist es erlaubt, sich nach der Meinung des Einen zu richten, und man sündigt in diesem Falle nicht. Bei dieser Lehre kann denn auch nicht behauptet werden, daß für die extravaganten Sentenzen Eines Lehrers der Orden nicht verantwortlich sei, und zwar um so weniger, als bei der unbedingten Disciplin des Ordens in ihm Nichts gelehrt werden kann, was dem Orden widerspräche. Nur ungern haben wir uns dazu verstanden, uns auf diesem Gebiete der Polemik zu bewegen, und haben uns dabei in den engsten Schranken gehalten, da, wo dem Suchenden die größte Fülle zuströmt. Aber immer und immer wieder von Todeshassern aufgerusen, muß man ihnen doch ein Mal deutlich machen, daß sie selbst nur eine sehr schwache Vertheidigungslinie haben, auf welche einen siegreichen Angriff zu machen nur eine leichte Mühe ist. Vom Institute M Förderung der israelitischen Literatur. Es liegt ein stürmisches Jahr hinter uns. Eine schwere Geldkrisis, von Geschäftsstockung und ungeheuren Verlusten begleitet, ein furchtbarer Krieg mit allen seinen Folgen, die sich von den Palästen bis zu den letzten Hütten fühlbar machten, eine Seuche, welche ihren schauerlichen Rundgang durch Europa hielt, dies sind die traurigen Wegestationen des Jahres 1866. Rechnet man nun hinzu die Erschlaffung, welche stets an derartige Erschütterungen sichanreiht, so wie anderseitig das ausschließliche Interesse, welches sich unter solchen Vorgängen auf die politischen, kommerziellen und sanitärischen Momente konzentrirt, so wird man begreifen, daß der Genius der Literatur sich trauernd und erschreckt zurückziehen und den entmuthigendsten Befürchtungen überlassen mußte. In der That ist es ja die Literatur, welche immer den ersten Gegenstand der nothwendig gewordenen Sparsamkeit ausmacht, und es ist sogar natürlich, daß das geistige Bedürsniß vor dem Drängen der materiellen Verhältnisse am ehesten zurückweicht. Wir gestehen also. offen, daß uns im Laufe dieses Jahres die Aussichten für das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur sehr trübe erschienen. Als wir im April die Pränumerationsscheine versandten, wäre vielleicht die Erwartung noch rege gewesen, da damals noch die Friedenshoffnungen von aller Welt hartnäckig festgehalten wurden. Allein die bei Weitem meisten Agenten haben es sich einmal zur Sitte gemacht, die Scheine ruhig bei sich liegen zu lassen, und erst bei Annäherung des Schlußtermins ihre Bemühungey zu beginnen. So wie sich demnach die Kriegsereignisse entwickelten, konnte man an einen günstigen Erfolg für das Institut nicht glauben. Wir waren darauf gefaßt, aber nicht entmuthigt. Jndeß selbst die rasche Beendigung des Krieges vermochte kaum die schlimmen Erwartungen zu heben. Die Verhältnisse waren aller Orten zu sehr verworren und der Ausgang ließ sich noch zu wenig übersehen, um schon gewisse Anhaltpunkte zu bieten. Und doch weiß man, daß Institute, welche einen längeren Zeitraum schon hinter sich haben, sobald sie einmal einen Bruch erleiden, sehr schwer wieder herzustellen sind. In unsrer Zeit trägt der Reiz der Neuheit zum Gelingen eines Unternehmens mehr bei, als selbst das bewährte Vertrauen zu dessen Erhaltung, wenn diese einmal in Frage gekommen ist. Es war daher der feste Entschluß der Leiter des Institutes, den ungünstigen Umständen den unermüdlichsten Eifer entgegen zu stellen. Als sich der Schlußtermin des Abonnements näherte, und der Erfolg des letzteren sich noch auf eine sehr kleine Zahl beschränkte, kaum 500, sahen wir die Nothwendigkeit ein, unter den gegebenen Verhältnissen den Agenten eine längere Frist zur Sammlung von Abonnenten zu gewähren, da unterdeß die Wellen des politischen Lebens sich beruhigten, das industrielle Leben sich wieder hob, und jene Krankheit allmälig verschwand. Wir beschränkten aber diese Frist aus einen Monat, um nicht die ganze Angelegenheit in Indolenz verfallen zu lassen, und ließen uns keine Mühe verdrießen, um sie in Fluß zu erhalten. Freilich mußten wir uns sagen, daß wir auch bei der Einhaltung dieser verlängerten Frist (bis zum 1. Nov.) nicht allzustreng verfahren dürften, wenn wir das Institut nicht gefährden wollten. Denn es hat sich durch die Erfahrung der letzten Jahre herausgestellt, daß das Institut keine große Verminderung seiner Abonnentenzahl ertragen könne, wenn es seine Leistungen nicht allzusehr beschränken sollte, wodurch es seinen Werth verlieren und damit auch seinen

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